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U18-WM in Cali: Zwei Teilnehmer und fünf Betreuer aus Hessen


Mona Gottschämmer und Elena Kelety (Fotos: Benjamin Heller)

Als vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) die Betreuer- und Mannschaftsaufstellung für die U18-WM in Cali (15. bis 19. Juli) herumgeschickt wurde, enthielt das PDF zunächst keine Überraschung. Bei genauer Durchsicht dann aber doch. Denn die Namen der hessischen Teilnehmer, Hochspringerin Mona Gottschämmer (TV Neu-Isenburg) und Siebenkämpferin Elena Kelety (Königsteiner LV), waren falsch geschrieben. Dummerweise kam der Fehler gleich im Doppelpack mit Gottschämer und Elene, glücklicherweise sind die Namen in der offiziellen DLV-Teambroschüre nun richtig geschrieben. Mona Göttschämmer, mit 1,86 Meter Führende der nationalen Rangliste und in der bereinigten U18-Jahresbestenliste die Nummer drei, ist am Mittwoch, 15. Juli, in der Qualifikation gefordert, im Erfolgsfall steht sie 48 Stunden später im Finale. An diesem Tag beginnt für Elena Kelety (Bestleistung 5.436 Punkte) mit den 100 Meter Hürden der Siebenkampf.

Interessantes tut sich auch im DLV-Betreuerstab auf, denn gleich fünf Damen und Herren kommen aus Hessen. Angefangen mit Delegationsleiter Dominic Ullrich, die Mannschaftsleitung obliegt Jörg Peter, als Arzt ist Andrew Lichtenthal, als Trainerinnen sind Sophia Sagonas (Hochsprung) und Anett Jambor (Weitsprung) vor Ort im Einsatz. Doch wer sind eigentlich die Personen, die sich in Kolumbien um den deutschen U18-Nachwuchs kümmern?

Ullrich ist Lehrer-Trainer an der Frankfurter Carl-von-Weinberg-Schule, stellvertretender Vorsitzender des DLV-Bundesausschusses Jugend und im HLV als Beauftragter für Nachwuchssichtung und -förderung tätig. Und er war maßgeblich beteiligt an der Entwicklung des Wettkampfsystems Kinderleichtathletik, das seit 1. Januar 2013 bundesweit Gültigkeit hat.


Jörg Peter, zu sehen ganz rechts, im DLV-Vorbereitungscamp in Florida (Foto: DLV)

Jörg Peter ist im TV Gelnhausen groß geworden, in der U18 schleuderte er den Hammer 60,46 Meter weit, zwei Jahre später in der U20 auf 65,52 Meter, in der Aktivenklasse erreichte er 63,34 Meter (1985). Sein größter nationaler Erfolg war ein vierter Platz bei der U20-DM - damals vor Heinz Weis. Begonnen als Trainer hat Peter beim TV Gelnhausen mit 12- und 13-jährigen Schülern, in dieser Gruppe waren auch die späteren U20-EM-Teilnehmer Anthony Viel und Jens Breuer. Sebastian Schäfer, der Bruder von Carolin Schäfer, gewann mit ihm als Coach die U18-DM über 400 Meter Hürden und war bei der U20-EM am Start. Aktuell betreut er Philipp Kleemann und Niklas Müller aus Johannesberg - gemeinsam mit Brigitte Auth und Frank Hilpert. Sein Vater war viele Jahre DER Macher des TV Gelnhausen, organisierte unter anderem Schlachtfeste bei der 400-Meter-Hürden-Legende Harald Schmid und den 24-Stunden-Lauf. „Ich habe alles hautnah erlebt, er war mein persönliches Vorbild“, sagt Jörg Peter. „Bis heute bewundere ich, wie er all die Full-Time-Dinge als Vereinsmacher und in seinem Beruf geschafft hat.“

Im DLV ist er seit dem 1. September 2007 als U18-Bundestrainer tätig, zuvor war er Leitender Landestrainer in Hessen und Bundestrainer für den Bereich 400 Meter weiblich (U20). „Die Bedingungen hier vor Ort sind fantastisch. Es werden uns alle Wünsche erfüllt, besser geht’s nicht“, sagt Peter über das Vorbereitungscamp in Florida (USA). Bis Sonntag residierte die U18-Nationalmannschaft in der Trainingsanlage IMG, einem weitläufigem Areal mit allem Komfort. Stadion inklusive Wurfplatz, ein Kraftraum mit Physiotherapie, ein kleines Hospital, Meeting-Räume, und, und, und - es fehlte an nichts. Nicht zu vergessen die vier Grad kalte Eiswanne.

Um die medizinische Betreuung in Cali kümmert sich der Leitende HLV-Verbandsarzt Andrew Lichtenthal, er ist als Facharzt für Chirurgie und Sportmedizin am St. Vinzenz-Krankenhaus in Hanau tätig und betreut dort auch viele hessische Topathleten, etwa die Olympiafünfte im Hammerwurf, Kathrin Klaas.


Sophia Sagonas (Foto: HLV)

Und die Trainerinnen? Sophia Sagonas war als Hochspringerin im Trikot der LG Seligenstadt und der LG Eintracht Frankfurt viele Jahre erfolgreich, ihre Bestleistung erreichte sie im Jahr 2006 mit 1,87 Meter. Bei den deutschen Meisterschaften 2006 wurde sie Dritte, gemeinsam mit Ariane Friedrich; ein Jahr später sprang sie im Erfurter Steigerwaldstadion erneut auf Rang drei. Und sie war deutsche Jugend-Hallenmeisterin (2000) und bereits in jenem Jahr deutsche Vizemeisterin bei den Frauen. Vor 15 Jahren verpasste sie die Teilnahme an der Junioren-WM aufgrund gesundheitlicher Probleme. „Für Mona gilt es erst einmal, das Finale zu erreichen“, sagt Sophia Sagonas. Als hessische Kadertrainerin betreut sie Mona Gottschämmer auch als Heimcoach, gemeinsam mit Wolfgang Brandt und Günter Eisinger. Die WM in Kolumbien ist Neuland für die 17-jährige Mona Gottschämmer, es ist ihre erste internationale Meisterschaft. „Die Vorbereitung im Trainingscamp in Florida lief sehr gut“, sagt Sophia Sagonas. Weitere Prognosen gibt sie verständlicherweise nicht ab. Sicher ist: Der U18-WM-Titel führt nur über die Amerikanerin Vashti Cunningham, die mit 1,94 Meter einsam und alleine die Jahresweltbestenliste ihrer Altersklasse anführt. Dahinter folgen weitere Wettkämpfe mit 1,93, 1,89 und drei mit jeweils 1,88 Meter. Die zweitbeste Vorleistung weist die Tschechin Michaela Hruba auf, nämlich 1,90 Meter.


Anett Jambor (Foto: IRIS)

Womit wir schon bei Anett Jambor wären. Auch sie wurde, wie Jörg Peter, im TV Gelnhausen sportlich sozialisiert. Mit einer persönlichen Bestleistung von 1,84 Meter (2003, 2005, 2006) gehört sie zu den besten hessischen Hochspringerinnen aller Zeiten. Was nicht bei ihrem Hausrekord, sondern auch beim Blick in alte Bestenlisten deutlich wird: Anett Jambor war bisweilen die deutsche Nummer zwei im nationalen Hochsprung. Etwa bei den deutschen Juniorenmeisterschaften 2004. Ihren Ruf als Meisterschaftsspringerin festigte sie auch 2005 als deutsche Juniorenmeisterin, Platz zwei bei der Hallen-DM und Rang acht bei der U23-EM. Mittlerweile ist Anett Jambor beim Badischen LV als Verbandstrainerin für die Disziplinen Hochsprung, Weitsprung und Dreisprung zuständig.

Auch für Elena Kelety, die in Königstein von Melanie Zecha trainiert wird, ist Cali die erste internationale Herausforderung. Gemeinsam mit Lisa Maihöfer (LG Staufen/5.566 Punkte) hatte sich die Hessin Anfang Juni in Bernhausen für die U18-WM qualifiziert. „Wie Phönix aus der Asche“, wie DLV-Disziplintrainerin Eva Rapp seinerzeit meinte. „Sie hat einen sehr, sehr guten Eindruck hinterlassen und keine großen Schwächen gezeigt.“ Die nächste Bewährungsprobe, dieses Mal auf internationalem Terrain, folgt in Kürze.

Uwe Martin

 


12.07.2015