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Gemeinsame Sache für ein großes Ziel


DM-Staffelwechsel 2014 mit Michael Pohl und Felix Göltl (Foto: Heller)

Vier Männer, ein Ziel: der deutsche Titel über 4x100 Meter. Lars Hieronymi, Florian Daum, Michael Pohl und Felix Göltl wollen es wissen beim Saisonhöhepunkt am nächsten Sonntag um 12.05 Uhr im Nürnberger Grundig-Stadion. Viele Wochen hat das Quartett der LG Friedberg-Fauerbach die DLV-Saisonbestenliste angeführt, zuletzt mit 40,05 Sekunden. Erst vor etwas mehr als einer Woche war das Team des Sportclubs DHfK Leipzig schneller (39,60). Die Sprinter aus der Wetterau haben einen Podestplatz als Minimalbelohnung im Sinn, das Maximum wäre der Titelgewinn, gekoppelt mit einem neuen Hessenrekord. Den hält seit dem Jahr 2008, wie könnte es anders sein, ebenfalls eine Staffel aus der Sprinter-Hochburg Friedberg. Gelaufen am 5. Juli vor sieben Jahren bei der DM in … Nürnberg. Seinerzeit kamen Michael Weber, Till Helmke, Nils Müller und Sebastian Schäfer als Dritte nach 39,79 Sekunden ins Ziel.

Sieben Jahre später haben alle Rekordsprinter von 2008 ihre Karrieren beendet. Der zweimalige Olympiateilnehmer Helmke (100-Meter-Bestzeit 10,31 Sekunden) arbeitet bei der Stiftung Sporthilfe Hessen als Assistent der Geschäftsführung und ist ehrenamtlich im Präsidium des Hessischen Leichtathletik-Verbandes tätig, Weber (10,84) hörte 2012 auf, Müller (10,47) machte vor zwei Jahren Schluss. Auch der ehemalige 400-Meter-Spezialist Schäfer, Bruder der Weltklasse-Siebenkämpferin Carolin Schäfer, ist nicht mehr aktiv. Aber die Trainer der damaligen Staffel: Sieglinde und Volker Weber.

Letztgenannter brachte seinerzeit Müller und Schäfer in Form, seine Frau machte Helmke und ihrem Sohn Beine. „Michael war ein begnadeter Kurvenläufer. Nicht optimal war seinerzeit der letzte Wechsel von Nils zu Sebastian“, erinnert sich Volker Weber. Schäfer musste kurz abstoppen, ansonsten wäre noch mehr möglich gewesen. Zumindest Platz zwei, denn der TV Gladbeck (39,73) lag nur knapp vorne, den Titel holte sich souverän der TV Wattenscheid (39,22).


Till Helmke (Foto: IRIS)

„Staffel-Boss“ (Daum) ist weiterhin Volker Weber, schon seit Mitte April hat er in Friedberg jeweils mittwochs gemeinschaftliches Training angesetzt. „Die Einzelbestzeiten von damals und heute halten sich ungefähr die Waage“, sagt Weber. „Unter 40 Sekunden können sie auf jeden Fall laufen.“ Bei den 40,05 Sekunden Anfang Juli in Kaiserslautern jedenfalls seien keine „riskanten Wechsel“ dabei gewesen. Weber ist ein erfahrener Coach, er weiß, was alles passieren kann. Disqualifikation wegen Fehlstart, Überlaufen der Wechselzone, eine Verletzung - die Risiken sind bekannt. „Ich halte immer die Luft an, dass alles gut geht.“ Doch im Optimalfall könnten es 39,50 Sekunden werden, aber selbst dann hätten es die Friedberger schwer gegen die favorisierten Staffeln aus Leipzig und Wattenscheid.

Der extrovertierte Pohl war 2013 von der SG Schlüchtern zur LG Friedberg-Fauerbach gekommen, der ruhigere Göltl kam ein Jahr später von der HTG Bad Homburg hinzu, Daum wechselte im vergangenen Winter vom ASC Darmstadt in die Wetterau. Einziger „Ur-Friedberger“ und mit 20 Jahren zugleich Jüngster unter den schnellsten Hessen ist Startläufer Lars Hieronymi, Bestzeit 10,88 Sekunden. Daum hat sich in diesem Sommer auf um eine Zehntel auf 10,55 Sekunden verbessert, Pohl lief im Vorjahr 10,41 Sekunden, der persönliche Rekord von Göltl (10,32) ist fünf Jahre alt. „Mein Ziel war es schon immer, in einer schnellen Staffel zu laufen“, sagt Daum. „Und mit Michael habe ich erstmals einen sehr schnellen Trainingspartner.“ Dabei stand die Karriere des „Staffel-Architekten“ Pohl, er überzeugte die anderen von einem Vereinswechsel, noch im Winter wegen einer Rückenverletzung auf der Kippe. „Er hat es mit dem Krafttraining ein bisschen übertrieben“, meint Coach Weber. Erst seit dreieinhalb Monaten kann der bullige Sprinter wieder trainieren, mit nur drei Übungseinheiten pro Woche ist Pohl wieder bei 10,52 Sekunden angelangt.


Nils Müller, hier im Trikot seines letzten Vereins LG Eintracht Frankfurt (Foto: HLV)

Göltl, der einzige in der Runde mit internationaler Erfahrung (U20-Staffel-Europameister 2009) ist ohnehin seit Jahren recht verletzungsanfällig, konzentriert sich deshalb mittlerweile ausschließlich auf Wettkämpfe mit der Vierergruppe. Im Winter ausgebremst durch eine Verletzung wurde auch Daum. Dass die statistisch Besten tatsächlich gemeinsame Sache machen können, ist also auch ein bisschen Glücksspiel.

Apropos gemeinsam: Außerhalb des Staffeltrainings gehen die vier Männer schon eigene Wege. Göltl in Kriftel und Umgebung mit Trainer Thomas Riehm; Pohl stimmt die Übungspläne mit seinem Vater, Weber und seinem Trainingskumpel Daum ab und ist häufig in Frankfurt anzutreffen; Hieronymi flitzt unter der Regie von Weber auch in Darmstadt über die Kunststoffbahn. Eine schnelle Staffel ist irgendwie ein kompliziertes Konstrukt.

Uwe Martin

 


22.07.2015