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Gesa Krause: Schritt für Schritt in die Weltklasse


Gesa Krause in Aktion bei der DM in Nürnberg (Fotos: IRIS)

Gesa Krause hätte sich auf der Zielgeraden Zeit lassen können. Sie war ihren Konkurrentinnen über 3.000 Meter Hindernis weit enteilt, hatte über 100 Meter Vorsprung. Doch die 22 Jahre alte Läuferin der LG Eintracht Frankfurt ließ nicht locker, drückte aufs Tempo. Ihr erster deutscher Meistertitel im Freien war ihr nicht genug. Sie wollte noch einmal schnell laufen. Auch im Alleingang. Nach 9:32,20 Minuten war Gesa Krause im Ziel, so flott wie noch keine deutsche Meisterin über die Hindernisse zuvor. Auch nicht die Titelverteidigerin und Europameisterin Antje Möldner-Schmidt, die die Frankfurterin zwischen 2012 und 2014 in allen großen Rennen geschlagen hat, bei Deutschen, Welt- und Europameisterschaften. In Nürnberg aber fehlte die Europameisterin aus Cottbus. Nach einer Fußoperation wird sie in diesem Sommer keine Rennen mehr bestreiten. Was also ist der Titel wert? Für Gesa Krause genauso viel wie jeder andere auch. „Natürlich würde ich Antje gern einmal im direkten Duell schlagen. Aber das hebe ich mir für später auf. Meinen ersten Meistertitel im Freien kann mir aber keiner mehr nehmen. Und eine schnelle Zeit im Alleingang lässt auf ein hohes Niveau schließen.“

Das stärkste Argument dafür lieferte Gesa Krause vor kurzem beim Diamond-League-Meeting in Monaco. In einem Weltklassefeld drückte sie ihren persönlichen Rekord um mehr als drei Sekunden auf 9:20,15 Minuten. Mit dieser Zeit wird die Sportsoldatin in der aktuellen Weltjahresbestenliste auf Rang sieben geführt, knapp neun Sekunden hinter der derzeit Schnellsten, der tunesischen Olympia-Zweiten Habiba Ghribi (9:11,28).

Apropos Weltjahresbestenliste: Gesa Krause gehört zu den fünf hessischen Athleten, die international in den Top Ten gelistet werden. Im Siebenkampf ist Carolin Schäfer (TV Friedrichstein) Zweite und Gesa Krauses Vereinskollegin Claudia Rath Achte, ebenso auf Rang zwei liegt Hammerwerferin Betty Heidler (Frankfurt), Michael Schrader vom SC Hessen Dreieich ist im Zehnkampf Fünfter. Für alle sind die deutschen Meisterschaften in Nürnberg lediglich eine Durchgangsstation zum Saisonhöhepunkt gewesen, den Weltmeisterschaften in Peking (22. bis 30. August). Was geht da für Gesa Krause? Was hat sich die Athletin von Trainer Wolfgang Heinig vorgenommen?


… und mit Urkunde, Wimpel und Medaille

„Ich will einen Platz zwischen sechs und acht erreichen. Und wenn es geht wieder Bestzeit laufen“, sagt Gesa Krause und fügt an: „Ich bin der Typ, der zum Saisonhöhepunkt seine beste Leistung zeigt. Deshalb sollten ein, zwei Sekunden noch drin sein.“ Zur Erinnerung: Der deutsche Rekord von Antje Möldner aus dem Jahr 2009 steht bei 9:18,54 Minuten. „Den zu knacken wäre schön. Aber der nächste Schritt wäre schon eine Zeit unter 9:20 Minuten.“

Nach den „Bilderbuchjahren“ 2010 bis 2012 folgten zwei Problemjahre, in denen nicht alles rund lief, neue persönliche Rekorde ausblieben. Aber seit dem Winter ist das Selbstvertrauen wieder da. In der Halle steigerte sie sich über 1.500 (4:12,46) und 3.000 Meter (9:00,25), in die Freiluftsaison startete sie mit einer neuen nationalen Bestmarke über 2.000 Meter Hindernis (6:15,52). Auch über 1.500 (4:11,03) und 3.000 Meter (9:02,04) setzte sie neue Freiluft-Richtmarken. Und endlich wieder auf ihrer Paradestrecke. Die 9:23,52 Minuten aus dem Olympia-Finale von London hatten sie, wie sie im Winter sagte, schon genervt. Es war Zeit für den nächsten Schritt nach vorne. Und das Ergebnis von Monaco war dieser nächste Schritt. „Für drei Sekunden habe ich zwar drei Jahre gebraucht, aber ich bin nun mal keine Maschine, in die man bestimmte Zutaten einwirft und schon kommt eine gute Leistung raus.“

Gesa Krause will ihre Verbesserungen nicht überbewerten. Vielmehr nennt sie ihre Entwicklung „den Lauf der Dinge“, vergleicht den Leistungssport mit einem „Handwerk“, für das man „Feinschliff benötigt“. Und an dieser Feinabstimmung habe es in den letzten Jahren etwas gefehlt. Da waren gesundheitliche Probleme. Zudem hat Gesa Krause gelernt, was geht und was nicht. Was für sie nicht funktioniert hat, ist knallharter Leistungssport und parallel mit der gleichen Intensität studieren. Sie konnte ihren hohen Ansprüchen auf zwei Ebenen nicht gerecht werden, hat sich stattdessen für ein Fernstudium entschieden. „Jetzt bin ich auf dem richtigen Weg.“

Mit ihren erst 22 Jahren ist Gesa Krause bereits sehr erfahren: Bald drei WM-Teilnahmen, dazu zwei Europameisterschaften und die Olympischen Spielen 2012. „So langsam zähle ich mich zu den Etablierten. Man kennt mich, auch wenn viele immer noch sagen, wie jung ich doch sei.“ Mit der Erfahrung steigen die Erwartungen. Die eigenen, aber auch die von außen. „Aber damit beschäftige ich mich nicht so viel. Sonst gehe ich noch kaputt.“

Was sie beschäftigt, ist den Anschluss zur absoluten Weltelite herzustellen. Die 9:20,15 Minuten von Monte Carlo stellen für Gesa Krause noch keine Weltklasse dar. Denn: „Um bei einer WM aufs Treppchen zu kommen, muss man zwischen 9:10 Minuten und 9:15 laufen. Das kann ich noch nicht.“ Noch stehe ihr „ein harter Weg bevor“, um dieses Niveau zu erreichen, meint Gesa Krause. „Ich will meine Zeiten stabilisieren. Dann kommt der nächste Schritt.“ Und der wäre? „Ich will rein in die Weltklasse.“ Die nächsten Stationen: ein zweieinhalbwöchiges Trainingslager in der Höhe von Davos zur "unmittelbaren Wettkampfvorbereitung", dann das Olympiastadion („Vogelnest“) in Peking.

Tammo Lotz

 


26.07.2015