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Hürdensprinterin Miriam Sinning: Tiflis statt Cali


Miriam Sinning im Mikheil-Meskhi-Stadion (Foto: privat)

Am Sonntag, 26. Juli, hat in Tiflis (Georgien) ein großes Sportfest mit dem etwas sperrigen Namen European Youth Olympic Festival begonnen. Zu Deutsch: Europäisches Olympisches Jugendfestival, in der Kurzform EYOF genannt. Um 22.06 Uhr Ortszeit (20.06 Uhr MESZ) wurde im Mikheil-Meskhi-Stadion vor etwa 15.000 Athleten, Offiziellen, Volunteers und Zuschauern das olympische Feuer entzündet. Es brennt nun bis zum Schlusstag am 2. August. Heute haben die ersten Wettkämpfe begonnen, und neben Schwimmen, Handball, Basketball, Volleyball sowie Tennis steht natürlich die Leichtathletik auf dem Programm. Laut einer Pressemitteilung des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) bildet das EYOF zusammen mit den unlängst beendeten U18-Weltmeisterschaften in Cali (Kolumbien) die internationalen Wettkampfkampfhöhepunkte für die Altersklasse U18. In Tiflis sind jene hochbegabten Nachwuchs-Jugendlichen des Jahrgangs 1999 am Start, die den Sprung nach Cali nicht geschafft haben. Der DLV hat insgesamt sieben Teilnehmer nominiert, darunter auch Miriam Sinning von der LG Eintracht Frankfurt.

Die 16-Jährige hatte am Dienstag, 28. Juli, um 9.20 Uhr (MESZ) ihren ersten Start im Vorlauf über 100 Meter Hürden und zog als Gewinnerin mit 13,98 Sekunden direkt ins Finale am Freitag, 31. Juli, um (14.15 Uhr/MESZ) ein. Miriam Sinning trainiert seit Anfang Dezember vergangenen Jahres in der Gruppe um Petra Schenten, ihr Stammverein ist die TG Sachsenhausen, nach den Sommerferien wird sie wieder die Frankfurter Carl-von-Weinberg-Schule besuchen. Doch jetzt erst mal die georgische Hauptstadt. Miriam Sinning ist am vergangenen Samstag nach Tiflis geflogen, wo sie auch von ihren Eltern angefeuert wird, ihre Trainerin ist auf eigene Kosten am Sonntag angereist. Und die erste Botschaft der jungen Hessin lautet: „Alles ist cool.“ Was weniger auf die Wetterbedingungen zutrifft, derzeit muss man sich in Tiflis auf schwülwarme Hitze mit 30 bis 35 Grad Celsius einstellen.

Miriam Sinning hat über 100 Meter Hürden die Cali-Norm des DLV (13,70 Sekunden) knapp verpasst, ihre Bestzeit steht seit Ende Mai bei 13,75 Sekunden. Gelaufen in Flieden. Drei Wochen später bestätigte sie diese Zeit zweimal bei der Jugend-Gala in Schweinfurt mit Rennen in 13,78 und 13,81 Sekunden. Doch es hat eben nicht ganz gereicht für die U18-WM, auch nicht im Siebenkampf. In der internationalen Wertung mit 200 statt 100 Metern hatte sich Miriam Sinning am 6./7. Juni in Bernhausen auf 5.212 Punkte verbessert; „ohne eine Norm im Kopf zu haben und in dem Bewusstsein, dass es andere noch besser können“ (Schenten). Nämlich Lisa Maihöfer (LG Staufen), Elena Kelety (Königsteiner LV) und Janina Baarck (SC Neubrandenburg). So übertrafen letztlich vier Siebenkämpferinnen die DLV-Norm von 5.200 Punkten. „Sie hat damit nicht gehadert, sondern sich riesig auf das Olympische Jugendfestival gefreut“, sagt Petra Schenten. Die 100-Meter-Hürden-Norm (13,80) für Tiflis hatte sie schließlich bereits erfüllt. So startet Miriam Sinning am Dienstag zum ersten Mal im Nationaltrikot.


Geschafft - die Frankfurterin steht im Finale (Foto: privat)

Hervorgegangen ist die Hürden-Hoffnung aus der LGEF-Schülergruppe von Trainer Albert Junker, und als sich Talente wie Elena Kelety inklusive Trainerin Melanie Zecha Ende 2014 zum Königsteiner LV verabschiedeten, machte Petra Schenten kurzerhand mit drei 99er Jahrgängen eine neue Gruppe auf. „Die Hürden waren schon immer mein Steckenpferd“, sagt sie. Die frischen Impulse haben Miriam Sinning offensichtlich sehr gut getan. Das erfolgreiche „Reinschnuppern in den Siebenkampf“ (Schenten) und die Teilnahme an den EYOF sind deutliche Belege.

Eine negative Auswirkung - wenn man es so bezeichnen mag - hat die Sportreise von Miriam Sinning nach Georgien dann aber doch. Durch ihre Abwesenheit ist die 4x100-Meter-Staffel der LG Eintracht Frankfurt bei den deutschen Jugendmeisterschaften am nächsten Wochenende in Jena geplatzt. „Die nächstbeste Läuferin wäre eineinhalb Sekunden langsamer gewesen. Das hätte keinen Sinn gemacht“, sagt Petra Schenten.

Uwe Martin

 


27.07.2015