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Jugend-DM, Tag 2: Zweiter Titel für Mayer, fünf dritte Plätze und U18-Landesrekorde für Tertsch und Römer


Patrizia Römer – 3. mit der Kugel in der U18 mit 16,60 m und neuem Hessenrekord (Fotos: Iris Hensel)

Die erste Podestplatzierung für den Hessischen Leichtathletik-Verband (HLV) am zweiten Tag der deutschen Jugendmeisterschaften im Ernst-Abbe-Sportfeld in Jena ließ nicht lange auf sich warten. Dreispringer Daniel Kraft von der LG Wettenberg landete nach Hop, Step und Jump bei 13,88 Metern (und das bei deutlichem Gegenwind von - 1,5 Metern pro Sekunde), zwanzig Zentimeter über seiner Bestleistung – und wurde Dritter hinter Hong Xu (Neuköllner SF/14,43) und Valentin Schneider (TSV Rottweil/14,18). Es waren nur fünf Teilnehmer im Wettkampf.


Und dann waren da wieder die beiden hessischen Protagonistinnen des ersten Tages, die beiden Lisas, Mayer und Tertsch. Lisa Mayer holte sich nach dem Titel über 100 Meter auch den Sieg auf der doppelt so langen Sprintdistanz. Und Lisa Tertsch lief wieder auf Platz zwei: gestern über 3.000 Meter, heute über 1.500 Meter Hindernis mit neuem hessischen U18-Rekord (4:52,81 Minuten).

23,29 Sekunden: so schnell ist Lisa Mayer die 200 Meter noch nie gelaufen, noch dazu bei leichtem Gegenwind (- 0,3 m/s). Sie blieb zwei Zehntelsekunden unter ihrer Zeit bei der U23-DM in Wetzlar. „Ich wollte eine 23,30er-Zeit laufen. Toll, dass es so schnell geworden ist.“ Überhaupt sind in diesem Jahr erst vier deutsche Frauen über 200 Meter schneller gewesen: die deutsche Meisterin Rebekka Haase (22,95), Tatjana Pinto (23,02), die U20-Europameisterin Gina Lückenkemper (23,04) sowie Anna-Lena Freese (23,08). Zwar fehlte Gina Lückenkemper (sie bereitet sich auf die WM in Peking vor), „trotzdem habe ich bewiesen, dass ich auch ohne sie schnell sein kann“, so Lisa Mayer. Doch jede Topsaison hat einmal ein Ende. Morgen steht noch die 4x100 Meter-Staffel mit der LG Langgöns/Oberkleen an. „Aber das ist eher just for fun.“ Dann kommen drei bis vier Wochen Urlaub („Irgendwo ins Warme“), „einfach einmal nichts tun“, dann steigt sie wieder sachte ins Training ein – mit Blickrichtung Olympia. Der Plan für den Winter ist noch nicht gesteckt. „Vielleicht lasse ich es eher locker angehen.“ Der Grund: Die Verpflichtungen an der Universität werden wohl zunehmen. Und dort hat sie ein neues Interessengebiet für sich entdeckt, den Bereich Wirtschaft. So gab Lisa Mayer vor der U20-EM als späteren Berufswunsch an: Wirtschaftsjournalistin.


Sophia Gounoué – Dritte mit dem Hammer (U20)

Zwei zweite Plätze als Teilzeit-Leichtathletin – keine schlechte Bilanz für die Triathletin Lisa Tertsch vom ASC Darmstadt. Aber auch im Laufen muss sie sich vor niemandem verstecken. Über 1.500 Meter Hindernis führte die Südhessin sogar lange das Feld an, bis 400 Meter vor Schluss. Dann griff Lisa Vogelgesang (Eintracht Hildesheim) an und setzte sich schnell ab. „Das hat mich etwas überrascht, aber dafür ging sie auch etwas frischer ins Rennen.“ Lisa Tertsch merkte die Anstrengungen des 3.000-Meter-Laufs vom Vortag („Es wäre auch komisch, wenn das nicht so gewesen wäre“) und dachte nur: „Wenn jetzt nicht noch zwei Läuferinnen kommen, bin ich wieder Zweite. Und das ist in Ordnung.“ Und so kam es auch. Lisa Vogelgesang lief nach 4:49,08 Minuten als Erste ins Ziel, dann kam Lisa Tertsch, die die alte hessische U18-Bestmarke von Ronja Böhrer (4:53,94/2012) klar unterbot, fast sieben Sekunden dahinter die Dritte, Anna Kristin Fischer (SC DHfK Leipzif/4:59,01). Alle drei Zeiten lagen unter der deutschen Jahresbestzeit vor den Meisterschaften.

Ebenfalls auf´s Siegerpodest schaffte es Hammerwerferin Sophie Gounoué von der LG Eintracht Frankfurt. Ihre Weite: 52,83 Metern. Am Sieg von Sophie Gimmler (LAZ Saarbrücken/61,78) gab es gar keine Zweifel. Die 54,83 Meter von Michelle Döpke (Leichlinger TV) bedeuteten den zweiten Platz. Sophie Gounoués Bestweite steht mittlerweile bei 55,72 Metern. „Die hätte ich gerne bestätigt, aber eine Medaille ist auch gut“, so die Athletin von Trainer Friedrich Schneider.

Über 100 Meter der weiblichen U20 machte die Mehrkämpferin Celina Leffler (SSC Koblenz-Karthause/13,67 Sekunden) das Rennen, dahinter liefen ihre Vereinskameradin Viktoria Müller (13,79) und Katharina Winkler (LAC Quelle Fürth/14,02) ein. Auch eine Hessin hatte allen Grund zur Freude: Jessica Suschlik vom TV Reisen. „Ich wollte ins Finale, das habe ich geschafft.“ Zudem blieb sie gleich dreimal unter ihrer Meldeleistung von 14,42 Sekunden. Im Vorlauf wurden 14,40 gestoppt, diese Zeit bestätigte sie im Zwischenlauf (14,41), um im Finale noch einmal nachzulegen: 14,28 Sekunden, Platz sechs. Auf die Frage, wie sie das Finale erlebt habe, gab sie eine kurze Antwort: „Ich kann mich an nichts erinnern. Ich war so aufgeregt.“


Drei Rennen, zwei Bestzeiten: Jessica Suschlik, 6. über 100 m Hürden (U20)

Einen weiteren sechsten Platz fuhr Diskuswerferin Alicia Schiling vom TSV Korbach ein. Sie schleuderte die 1 Kilo schwere Wurfscheibe auf 45,54 Meter, in die Nähe ihres persönlichen Rekordes aus dem Juni (46,06). Trotzdem war ihre Laune eher diskret. „Es ist frustrierend, wenn meine Kraftwerte auf viel größere Weiten hindeuten. Aber das Zusammenspiel von Kraft und Technik passt einfach nicht.“ 94 Zentimeter haben zudem zur Aufnahme in den DLV-C-Kader (47,00) gefehlt. In einer anderen Angelegenheit sieht es für Alicia Schilling besser aus. Die Aufnahme in die Sportfördergruppe der hessischen Landespolizei ist sehr wahrscheinlich. Der Sieg in Jena ging an die U20-Europameisterin Claudine Vita vom SC Neubrandenburg mit 57,44 Metern. Zweite wurde Jennifer Prestel (SCC Berlin/51,99).

In den Finalläufen über 1.500 Meter stehen Marc Tortell (TV Rendel/3:54,85), Lukas Abele (SSC Hanau-Rodenbach/3:54,94) und Tortells Vereinskameradin Lorena Keil, die in 4:39,59 ganz nah an ihre Bestleistung (4:39,15) heranlief. Auch die 800-Meter-Läufer Tilman Garthe (LG Eder/1:53,77) und Marc Reuther (Wiesbadener LV/1:54,31) sind eine Runde weiter, ebenso über 400 Meter Hürden Eileen Demes (TV Neu-Isenburg) nach ihrer Jahresbestzeit von 60,24 Sekunden und Annika-Lena Lietz (MTV Kronberg/60,42), die ihren persönlichen Rekord nur um drei Hundertstel verfehlte. Und nicht zu vergessen die drei Hessen im Finale über 400 Meter, Constantin Schmidt (TG Obertshausen/47,19) sowie die Zwillinge Jaakkima und Aleksi Rösler von der SG Schlüchtern (48,66/48,77).


Niklas Harsy: gute Taktik, Bestzeit und 3. über 800 Meter

U18: Vier dritte Plätze – und Römer mit neuem Hessenrekord

Es war der erwartete Einlauf über 800 Meter. Pascal Kleyer (LG Region Karlsruhe/1:49,98) siegte vor Constantin Schulz (LC Cottbus/1:51,09) und Niklas Harsy vom LAZ Gießen (1:52,42). So lautete bereits die Reihenfolge in der Jahresbestenliste vor den Meisterschaften. Niklas Harsy erwartete ein Bummelrennen - wie so oft, wenn es um Titel geht. Dann aber machte Kleyer bereits früh ordentlich Tempo, ging bei 200 Metern mit knapp 25 Sekunden durch, nach einer Runde wurden 53,88 gestoppt. Harsy war erst Sechster, nach der Hälfte der Strecke bereits Vierter, nach knapp 54,2 Sekunden. „Ich war ziemlich kaputt, zumal ich noch etwas erkältet bin.“ Nach 550 Meter schob er sich vor auf Platz drei vor. „Genau richtig“, befand sein Trainer Erich Gebhardt. Und Niklas Harsy versuchte sogar einen Angriff auf Platz zwei. „Doch auf den letzten 50 Metern gingen bei mir die Lichter aus.“ Er trudelte ins Ziel – und war trotzdem so schnell wie noch nie. Gerne wäre er noch flotter gewesen, unter 1:52. „Aber das hebe ich mir für das nächste Jahr auf.“


Lisa Oed: Dritte über 1.500 m in 4:39,91

“Alles richtig gemacht“, rief Sascha Arndt seiner Athletin Lisa Oed zu. Die Läuferin vom SSC Hanau-Rodenbach war gerade auf den dritten Platz über 1.500 Meter gelaufen, hinter den enteilten Patricia de Graat (LG Olympia Dortmund/4:36,23 Minuten) und Luise Thate (SC DhfK Leipzig/4:37,86). Lisa Oeds Zeit im Ziel: 4:39,91, fast vier Sekunden schneller als ihre vorherige Bestzeit. 600 Meter waren noch zu laufen, als die Hanauerin merkte: „Da geht noch was.“ Und Arndt rief ihr zu: „Ihr seid noch zu sechst.“ Da war das Ziel noch 300 Meter entfernt und Lisa Oed gab in der Verfolgergruppe Gas, war schnell Dritte und ließ sich den Podestplatz nicht mehr nehmen. „Ich hatte noch Kraft und wollte mich einfach nicht mehr überholen lassen.“ Das Ergebnis: Der Vorsprung auf die Vierte betrug über zwei Sekunden. Lisa Oeds dritter Rang ist auch das Ergebnis der Zusammenarbeit mit Sascha Arndt, die seit etwas mehr als einem Monat besteht. „Seitdem geht es schwer bergauf“, so Lisa Oed.

Überraschungen im Kugelstoßen: Nicht die U18-Weltmeisterin Julia Ritter (SuS Oberaden/16,96) holte sich den Titel, sondern Yemisi Ogunleye (MTG Mannheim/17,31 Meter), die in Kolumbien ebenfalls WM-Luft geschnuppert hatte und in Jena mit Bestleistung gewann. Ganz erfreulich aus hessischer Sicht: der dritte Platz von Patrizia Römer vom TSV Kirchhain, mit Bestleistung und neuem Landesrekord mit der 3-Kilo-Kugel dazu. 16,60 Meter, ganze 139 Zentimeter über ihrer alten Bestleistung. Mit 15,21 Metern nahm Römer vor den Meisterschaften den zehnten Rang in der deutschen Bestleistung ein. Nun ist sie Vierte hinter Ritter (18,53), Ogunleye (17,31) und Emely Groß (SC Magdeburg/16,68), die in Jena fehlte. Die Wertigkeit von Patrizia Römers Leistung zeigt sich an einem einfachen Vergleich: Die Hessin übertraf die Qualifikationsleistung für die U18-WM um 60 Zentimeter und den alten Hessenrekord von Laura Jokeit (TSV Frankenberg/15,90) aus dem Jahr 2012 sogar um 70 Zentimeter.


Daniel Kraft: 3. im Dreisprung mit Bestleistung (13,88 m)

Nach seiner gestrigen Jahresbestzeit im 400-Meter-Vorlauf (54,74 Sekunden) bestätigte Eric Herbert (TV Flieden) diese Leistung und wurde Fünfter (54,87). Das Siegerpodest betraten Frieder Scheuschner (HSG Universität Greifswald/52,89), Emil Agyekum (SV Preußen Berlin/53,27) und Tom Schröder (SG Osterholzer LA/54,28).

Theo Dreßler vom Wiesbadener LV sammelte in seinem erst vierten Rennen über 1.500 Meter viele neue Erfahrungen. „Es war sehr unruhig, ich war von Anfang an zu weit hinten und habe mich einbauen lassen.“ In der Schlussrunde wurde es flott, das Feld zog sich auseinander und Deutschlands Jahresschnellster Nicolai Christ (SG Schorndorf/4:12,57) konnte am meisten zulegen, siegte vor Manuel Walicki (SCB Berlin/4:12,90) und Robert Baumann (LAV Stadtwerke Tübingen/4:13,19). Auch Dreßler arbeitete sich nach vorne und wurde letztendlich Sechster (4:14,92). Und er will weiter dranbleiben. „Das Laufen ist mein Sport. Es macht mir Spaß, ich kann super abschalten und der Aufwand ist nicht ganz so groß wie im Rudern.“ In seiner ersten Sportart war Dreßler alles andere als ein Mitläufer, wurde deutscher Meister im Leichtgewichts-Doppelvierer. Der Aufwand: bis zu 16 Trainingseinheiten pro Woche. Die internationale Perspektive fällt eher bescheiden aus. „Erst für die U23 gibt es Europameisterschaften“, verriet der Athlet von Trainer Julian Pfeiffer.

Und last but not least: Die 3x1.000-Meter-Staffel der LG VfL/SSG Bensheim mit Alexander Boelhauve, Ruben Zillig und Marko Arthofer qualifizierte sich nach 7:23,50 Minuten im Vorlauf für das morgige Finale.

Zu den Ergebnissen

Zum 1. Tag

Zum 3. Tag

Tammo Lotz

 


01.08.2015