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Jugend-DM, Tag 3: Podest-Sweep für die 400-Meter-Trainingsgruppe Schieferer, Reuther siegt souverän


Drei Hessen vorn über 400 m: (v. l.) Aleksi Rösler (3.), Constantin Schmidt (1.) und Jaakkima Rösler (2.) (Fotos: Iris Hensel)

Der Schlusstag von Meisterschaften ist Bilanztag. Für den Hessischen Leichtathletik-Verband (HLV) gingen bei den deutschen Jugendmeisterschaften U20/U18 in Jena 15 Podestplatzierungen (4/4/7) und 36 Endkampfteilnahmen (4/4/7/3/2/7/6/3) in die Statistik ein. Im Detail heißt das: Neun U20-Athleten schafften es aufs Podium (4/2/3), 19 landeten unter den besten acht (4/2/3/2/-/4/3/1); auf die U18 entfallen sechs Top-drei-Plätze (-/2/4) und 17 Endkampfränge (-/2/4/1/2/3/3/2). Mit zwei Titeln tat sich vor allem die 19 Jahre alte Sprinterin Lisa Mayer von der LG Langgöns/Oberkleen hervor; sie gehört bereits zur erweiterten deutschen Spitzenklasse bei den Frauen. Zweimal auf Platz zwei lief die Triathletin Lisa Tertsch vom ASC Darmstadt in der U18.

Das Highlight aus hessischer Sicht am dritten Tag war der Dreifachtriumph über 400 Meter in der U20: Constantin Schmidt (TG Obertshausen) lief 47,22 Sekunden und verteidigte seinen Titel vor seinen Trainingskollegen Jaakima und Aleksi Rösler von der SG Schlüchtern (47,85/47,88).

Dazu kam der äußerst souveräne Erfolg über 800 Meter von Marc Reuther (Wiesbadener LV/1:49,17). Die U20-Sprintstaffel der LG Eintracht Frankfurt wurde Zweite in 41,27 Sekunden, Sarah Kistner vom MTV Kronberg Dritte über 3.000 Meter (9:31,97 Minuten).

“Alles was zählt, ist der Titel. Und den habe ich verteidigt“, sagte Constantin Schmidt von der TG Obertshausen. Ganz zufrieden war er aber nicht. Gerne wäre er schneller gelaufen als im Vorlauf (47,19 Sekunden). „Da war ich entspannt und trotzdem schnell. Heute lief es nicht so rund.“ Die Vermutung des U20-EM-Halbfinalisten: „Die ersten 200 Meter waren das Problem, ich habe etwas getrödelt.“ Die zweite Hälfte lief besser. Schmidt bog als Erster auf die Zielgerade ein und ließ sich nicht mehr von der Spitzenposition verdrängen. Ihm steht ein Übergangsjahr bevor, ohne internationale Meisterschaften. Auch im Training könnten sich die Schwerpunkte verschieben. „Vielleicht konzentriere ich mich auf die Unterdistanzen.“ Doch die Olympischen Spiele verliert er nicht aus den Augen, er denkt an eine mögliche Nationalstaffel über 4x400 Meter. „Mit meiner Bestzeit von 46,50 Sekunde bin ich ja in Deutschland nicht so schlecht platziert.“ Richtig, der Athlet von Robert Schieferer taucht in der nationalen Jahresbestenliste auf Rang sieben auf.

Jaakkima Rösler startete unglücklich in die Freiluftsaison, brach sich im Training den rechten Unterarm. Doch er rappelte sich rechtzeitig wieder auf, qualifizierte sich für die U20-EM und wurde dort mit der 4x400 Meter-Staffel nach Protest doch noch Dritter, nun Platz zwei mit Bestzeit in Jena. „Besser hätte es gar nicht laufen können.“ Hinter Constantin Schmidt ging es knapp zu, die Plätze zwei und vier waren nur durch vier Hundertstel getrennt, Pascal Unbehaun (Erfurter LAC/47,89) ging ohne Plakette nach Hause. „Aber ich war mir ziemlich sicher, dass ich vorn lag“, so Jaakima Rösler, dem sein Trainer Robert Schieferer prophezeit hatte, dass er in Jena eine 47er-Zeit laufen würde.

Auch Aleksi Rösler hat sich in diesem Jahr auf eine 47er-Zeit verbessert. Im Juni lief er in Regensburg bei idealen Bedingungen (Sonne, Rückenwind auf der Gegengeraden) 47,25 Sekunden, hakte die Einzelnorm für die U20-EM ab. Danach geriet der Motor etwas ins Stottern, auch in Schweden wäre er im Einzel gern schneller gelaufen als 48,25 Sekunden im Halbfinale. Im Staffel-Finale aber zeigte er großen Kampfgeist, machte das Rennen zu einem „Riesenerlebnis“. Seine Saison ist nach dem dritten Platz in Jena noch nicht beendet, so liebäugelt er noch mit einem Jedermann-Zehnkampf. Ein kleines Fazit zieht Aleksi Rösler aber jetzt schon: „Das Wichtigste im Sport ist der Ansporn und die Motivation. Auch wenn es mal nicht so läuft, sollte man stets nach vorn schauen und beißen.“


Marc Reuther: Sicherer Sieg in 1:49,17 min

Bis 300 Meter vor Schluss war im 800-Meter-Rennen noch nicht viel passiert. Dann forcierte Marc Reuther schlagartig das Tempo, setzte sich ab und die Entscheidung war gefallen. Christian von Eitzen (LC Rehlingen/1:50,43) und Marvin Heinrich (Neuköllner SF/1:50,77) folgten mit jeweils mehr als einer Sekunde Rückstand auf den weiteren Plätzen. „Die Tempoverschärfung war so geplant. Dass ich aber so deutlich vorn liegen würde, hatte ich nicht gedacht“, sagte der Athlet von Trainer Georg Schmidt, der bereits den Hallentitel in Neubrandenburg gewonnen hatte. Die Qualifikation für die U20-EM hatte er zu Beginn des Sommers schnell abgehakt, in Eskilstuna ließ er sich im Finale überraschen, wurde Siebter, sammelte wichtige Erfahrungen. „Vor allem im taktischen Bereich.“ In seinem Resümee spielt seine Freundin Lisa Mayer eine wichtige Rolle. „Dass wir beide ein tolles Jahr hatten, stelle ich über meine eigenen Erfolge.“

Das Ziel der 4x100-Meter-Staffel der LG Eintracht Frankfurt lautete Medaille. Und die bekamen sie überreicht, für Platz zwei in 41,27 Sekunden, und zwar Startläufer Jan Näser, der U20-EM-Teilnehmer im Zehnkampf, Daniel Sturma, der Weitsprung-Sechste Gianluca Puglisi sowie der Jüngste des Quartetts, U18-Sprinter Kevin Kranz. Nur die Formation des LAZ Salamander Kornwestheim-Ludwigsburg (41,14) war im Finale schneller.


Die Frankfurter Staffel mit (v. l.) Jan Näser, Daniel Sturma, Lennard Wagner (Schlussläufer im Vorlauf), Gianluca Puglisi und Kevin Kranz

Platz zwei bedeutete ein Happy-End für die hohen Staffel-Ambitionen der LG Eintracht. Aufgrund von Verletzungen platzte die U18-Staffel der Jungen, ein möglicher Podiumsplatz war dahin. Auch die U18-Mädchen zogen zurück. Die flotte Miriam Sinning war zeitgleich beim Europäischen Olympischen Jugend-Festival (EYOF) im Einsatz, der Ausfall wog zu schwer. Auch bei den U20-Jungs gab es ein paar Fragezeichen. Kevin Kranz war angeschlagen, eine Sehnenverletzung am rechten Fuß ließ in den letzten vier Wochen nur sporadisches Trainieren zu. Im Vorlauf sprang Lennard Wagner, ein weiterer U18-Athlet, auf der Schlussposition in die Bresche, sicherte den unerwarteten Sieg ab. Und für Gianluca Puglisi war es ein Sonntag mit Höhen und Tiefen. „Die Staffel war eindeutig das Hoch.“

Ein großes Jahr mit vielen Höhepunkte erlebt auch Sarah Kistner. Deutsche Meisterin auf der Bahn (5.000 Meter) und am Berg, dazu Doppeleuropameisterin, ebenfalls am Berg, EM-Fünfte über 5.000 Meter, dazu der hessische U20-Rekord über 10 Kilometer auf der Straße. Ab sofort gehört auch der dritte DM-Platz über 3.000 Meter in diese Reihe, hinter der deutschen 5.000-Meter-Meisterin bei den Aktiven, Alina Reh (TSV Erbach/9:26,90) und der U20-EM-Teilnehmerin Franziska Reng (LG Regensburg/9:30,92), die die Hessin noch auf den letzten Metern überspurtete. „Das war ein bisschen ärgerlich, aber so schlimm auch nicht. Meine Saison ist ja sehr erfolgreich verlaufen.“ Nach einer aktiven Ruhewoche im Allgäu beginnt die Vorbereitung auf den Asics Grand Ten in Berlin im Oktober.

“Am Anfang war es wie ein Rennen über 5.000 Meter, zum Schluss so schnell wie ein 400er“ - so beschrieb Lukas Abele vom SSC Hanau-Rodenbach den etwas kuriosen Verlauf des Finales über 1.500 Meter. Bei 400 Metern ging das Feld geschlossen nach knapp 72 Sekunden durch, die zweite Runde war nicht viel schneller (69 Sekunden). Dann beendete Lukas Eisele (LG Filder) das Bummeltempo, die 1.000 Meter-Marke wurde immerhin nach 2:50 Minuten passiert. Und 200 Meter vor Schluss war alles offen, mit Deutschlands schnellstem Jugendlichen Lukas Abele (3:48,06 Minuten) und dem Vorlaufschnellsten Marc Tortell (TV Rendel) auf den Rängen sechs und sieben in Lauerposition. Eine Dreiergruppe setzte sich etwas ab, Abele und Tortell kämpften um den Anschluss – und mussten 100 Meter vor Schluss unerwartet abbremsen. Ein Läufer war gestolpert. „Wenn das nicht passiert wäre, hätte ich den Dritten vielleicht noch gekriegt“, mutmaßte Lukas Abele. So aber hatte Jamie Williamson vom LAC Quelle Fürth, der U18-Meister des Vorjahres über 800 Meter und Sohn des schottischen Meilenrekordlers Graham Williamson (3:50,64) das beste Finish und siegte in 4:00,50 Minuten, knapp vor dem 5.000-Meter-Sieger vom Freitag, Moritz Beinlich (LG Rhein-Wied/4:00,82) und Keyhan Hatami (SCC Berlin/4:01,10). Lukas Abele wurde Vierter (4:02,11), Marc Tortell Siebter (4:03,51).


Lukas Abele: Platz vier nach schwierigen letzten Wochen

„Ich darf mich nicht beklagen, es hätte schlimmer kommen können“, fasste der Hanauer zusammen. In den letzten Wochen hatte er einige gesundheitliche Rückschläge einstecken müssen, musste kurzfristig seinen Start bei der U20-EM absagen, in den Tagen vor Jena hemmte ihn eine Erkältung. Für 2016 hofft er auf mehr Gesundheit und weitere Verbesserungen auf der Rundbahn: „Ich will die Norm für die U20-WM angreifen.“ Kein einfaches Unterfangen, sie wird wohl bei 3:46,00 Minuten liegen.

Jahresbestzeit zum Saisonhöhepunkt – eigentlich alles richtig gemacht, könnte man sagen. Aber Eileen Demes vom TV Neu-Isenburg hat eine etwas andere Sichtweise. „2015 hatte ich viel Pech, dafür wird 2016 mein Glücksjahr.“ Was Eileen Demes damit meinte: Verletzungen und unglückliche Zwischenfälle störten den Trainings- und Wettkampfplan gewaltig, die U20-EM in Schweden fand ohne die U18-Meisterin des Vorjahres statt. Erst in Jena blieb sie erstmals unter einer Minute, kam nach 59,81 Sekunden ins Ziel. Hinter der U20-EM-Teilnehmrin Laura Gläsner (TSV Germania Helmstedt/58,54) schien sogar ein zweiter Platz möglich. Doch in der Endphase hatten Lisa Marie Petkov (LG Stadtwerke München/59,56) und Laura Nürnberger (TV Gladbeck/59,57), die anderen beiden Eskilstuna-Fahrerinnen, etwas mehr Energie als die Hessin.


Eileen Demes: Jahresbestzeit im Finale (59,81 sec)

„Die verflixte siebte Hürde“, haderte die Athletin von Trainer Robert Schieferer mit der Zielkurve. 2015 ist einiges für Eileen Demes passiert, auch abseits der Tartanbahn. „Abitur, Führerschein, gerade befinde ich mich in den Vorkursen für mein Studium.“ In Oestrich-Winkel wird sie, wie übrigens auch Constantin Schmidt, General Management studieren, „komplett in Englisch“, wie Demes anmerkt. Die Kooperation zwischen Hochschule und dem Olympiastützpunkt (OSP) in Frankfurt lässt genug Freiraum zum Trainieren. Noch eine weitere Hessin stand im Finale. Annika-Lena Lietz vom MTV Kronberg belegte Platz sechs (60,70).

Auch der deutsche Jugendhallenmeister im Weitsprung, Gianluca Puglisi von der LG Eintracht Frankfurt, wurde Sechster. Sein weitester Sprung gelang ihm im fünften Versuch, 7,20 Meter wurden gemessen. Der Titel ging an den Mehrkämpfer und letztjährigen U18-Sieger Manuel Eitel (SSV Ulm/7,55). Das Siegerpodest komplettierten David Faltenbacher (LG Stadtwerke München/7,53) und Benjamin Weßling (TSV Bayer 04 Leverkusen/7,40).

In den einzigen verbliebenen U18-Entscheidungen am Schlusstag, den 200-Meter-Läufen, war der HLV nur bei den Mädchen im A-Finale vertreten, und zwar durch die U18-WM-Teilnehmerin im Siebenkampf, Elena Kelety vom Königsteiner LV. Ihre Zeiten: 24,95 Sekunden im Vorlauf, 24,97 im Finale, Platz sieben. Sophia Junk (LG Rhein-Wied/23,86) siegte vor Theresa Hauffe (Dresdner SC/24,19) und Laura Sophie Großhaus (CLV Siegerland/24,23).

Die Bilanz der hessischen Starter bei den deutschen Jugendmeisterschaften in Jena in Zahlen (Plätze 1-8):

U20, männlich:

1. Platz, 400 Meter: Constantin Schmidt (TG Obertshausen) 47,22 sec
1. Platz, 800 Meter: Marc Reuther (Wiesbadener LV) 1:49,17 min
2. Platz, 400 Meter: Jaakkima Rösler (SG Schlüchtern) 47,85 sec
2. Platz, 4x100 Meter: LG Eintracht Frankfurt (Jan Näser, Daniel Sturma, Gianluca Puglisi, Kevin Kranz/im Vorlauf Lennard Wagner) 41,27 sec
3. Platz, 400 Meter: Aleksi Rösler (SG Schlüchtern) 47,88 sec
4. Platz, 1.500 Meter: Lukas Abele (SSC Hanau-Rodenbach) 4:02,11 min
6. Platz, Weitsprung: Gianluca Puglisi (LG Eintracht Frankfurt) 7,20 m
7. Platz, 1.500 Meter: Marc Tortell (TV Rendel) 4:03,51 min
7. Platz, 2.000 Meter Hindernis: Yannik Gerland (SSC Bad Sooden-Allendorf) 6:01,81 min
8. Platz, Hammerwurf: Konstantin Steinfurth (LG Eppstein-Kelkheim) 58,73 m


Sarah Kistner: 3. über 3.000 m

U20, weiblich:

1. Platz, 100 Meter: Lisa Mayer (LG Langgöns/Oberkleen) 11,39 sec
1. Platz, 200 Meter: Lisa Mayer (LG Langgöns/Oberkleen) 23,29 sec
3. Platz, 3.000 Meter: Sarah Kistner (MTV Kronberg) 9:31,97 min
3. Platz, Hammerwurf: Sophie Gounoué (LG Eintracht Frankfurt) 52,83 m
4. Platz, 400 Meter Hürden: Eileen Demes (TV Neu-Isenburg) 59,81 sec
6. Platz, 100 Meter Hürden: Jessica Suschlik (TV Reisen) 14,28 sec
6. Platz, 400 Meter Hürden: Annika-Lena Lietz (MTV Kronberg) 60,70 sec
6. Platz, Diskuswurf: Alicia Schilling (TSV Korbach) 45,54 m
7. Platz, Hammerwurf: Isabel Weitzel (ESV Jahn Treysa) 47,28 m

U18, männlich:

3. Platz, 800 Meter: Niklas Harsy (LAZ Gießen) 1:52,42 min
3. Platz, Dreisprung: Daniel Kraft (LG Wettenberg) 13,88 m
5. Platz, 400 Meter Hürden: Eric Herbert (TV Flieden) 54,87 sec
6. Platz, 1.500 Meter: Theo Dreßler (Wiesbadener LV) 4:14,92 min
6. Platz, 3.000 Meter: Joshua Becker (LG Eintracht Frankfurt) 8:57,99 min
6. Platz, Speerwurf: Darcy Maxime Gross (LG Eintracht Frankfurt) 60,93 m
7. Platz, Hochsprung: David Geisler (LG Eintracht Frankfurt) 1,90 m
8. Platz, 110 Meter Hürden: Severin Zentgraf (TV Flieden) 14,56 sec

U18, weiblich:

2. Platz, 3.000 Meter: Lisa Tertsch (ASC Darmstadt) 9:59,08 min
2. Platz, 1.500 Meter Hindernis: Lisa Tertsch (ASC Darmstadt) 4:52,81 min
3. Platz, 1.500 Meter: Lisa Oed (SSC Hanau-Rodenbach) 4:39,91 min
3. Platz, Kugelstoßen: Patrizia Römer (TSV Kirchhain) 16,60 m
4. Platz, 4x100 Meter: Königsteiner LV (Alina Kunz, Elena Kelety, Marshella Foreshaw, Penelope Penndorf) 48,02 sec
5. Platz, 100 Meter Hürden: Nicola Ader (TG Rimbach) 14,38 sec
7. Platz, 200 Meter: Elena Kelety (Königsteiner LV) 24,97 sec
7. Platz, Hammerwurf: Anika Jürß (TG Unterliederbach) 51,87 m
8. Platz, 1.500 Meter: Franziska Althaus (TV Waldstraße Wiesbaden) 4:46,39 min.

Zu den Ergebnissen

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Tammo Lotz

 


02.08.2015