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Schreiner und Knobel beim Thorpe Cup am Start


Aron Schreiner (Foto: IRIS)

Vor dem Teamländerkampf Deutschland - USA an diesem Wochenende in Filderstadt-Bernhausen hat zunächst der Leitende DLV-Bundestrainer Mehrkampf, Claus Marek, das Wort. „… und Aron Schreiner sind junge Athleten, die sich über den Thorpe Cup einen Aufstieg im Ranking der Zehnkämpfer erhoffen.“ Der US-Amerikaner Jim Thorpe, nach dem der alljährliche Vergleichswettbewerb benannt ist, war 1912 Olympiasieger im Fünf- und im Zehnkampf, später wurden ihm beide Goldmedaillen wegen eines vermeintlichen Verstoßes gegen den Amateurparagrafen aberkannt, noch viel später wurde er vom IOC rehabilitiert. Thorpe war zudem ein begnadeter Baseball-, American Football- und Basketballspieler und eine der wirklich bedeutenden amerikanischen Sportlegenden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Das ist die zusammenfassende Kurzform. Und Aron Schreiner?

Der junge Mann fiel erstmals 2008 einem vergleichsweise kleinen Leichtathletik-Fanzirkel auf, als er mit der Mannschaft der LG Eintracht Frankfurt deutscher Schüler-Mannschaftsmeister im Achtkampf wurde. Zwei Jahre später holte er sich den nationalen Titel im U18-Zehnkampf (7.161 Punkte), danach ging die Karriere, wenn es denn noch eine war, überaus wechselhaft weiter. 2012 verpasste er mit 7.254 Punkten nur knapp die U20-EM, die Jahre 2013 (6.825 Punkte) und 2014 (6.778 Punkte) waren schlichtweg zum Vergessen. Verletzungen und Krankheiten pflasterten den Weg von Schreiner. Doch nicht nur das. Fast aus dem Nichts tauchte der Frankfurter Anfang Juni dieses Jahres dann wieder auf: mit 7.402 Punkten, erzielt in Bernhausen. Aktuell bedeutet dies Platz 13 in der DLV-Jahresbestenliste. Zwei Monate nach diesem „Befreiungsschlag“ (Trainer Jörg Huppers) trägt Schreiner beim Thorpe Cup erstmals das Nationaltrikot.

Huppers trainiert den 22-Jährigen seit Herbst vergangenen Jahres, und bei der ersten Kontaktaufnahme muss es zu einer recht deutlichen verbalen Annäherung gekommen sein. Huppers hat angesichts der augenscheinlich indifferenten Motivationslage des Athleten („So wie Du über den Platz schleichst“) zunächst gefragt, ob dieser wirklich Zehnkämpfer bleiben wolle. „Ja, hm … Ich habe schon noch Bock und möchte etwas reißen“, antwortete Schreiner. So nahm das Projekt langsam Fahrt auf, auch dank Manfred Kehm als Stabhochsprungtrainer; eine Trainingskooperation gibt es darüber hinaus mit Athleten aus der Gruppe des HLV-Vizepräsidenten Leistungssport, Markus Czech (Gießen). „Über den Winter haben wir an vielen Baustellen gearbeitet und es deutete sich schon an, dass es etwas werden kann“, sagt Huppers.

Anfang Mai jedoch gab es einen Rückschlag mit einer leichten Ellbogenverletzung, einem Schwachpunkt im Körper von Schreiner, deshalb reichte es in Bernhausen im Speerwurf nur zu 48 Metern. Im abschließenden 1.500-Meter-Lauf mit einer Zeit von 5:22 Minuten sei „einfach der Akku leer gewesen“ (Huppers). Ansonsten hätte es wohl gepasst, um die Norm für die U23-EM zu knacken (7.600 Punkte). So reichte es für einen neuen Zehnkampf-Hausrekord und fünf persönliche Bestleistungen in den Einzeldisziplinen 100 Meter, Hochsprung, 400 Meter, 110 Meter und Stabhochsprung. Mit einem gesunden Wurfarm und einer 1.500-Meter-Zeit um 4:50 Minuten sollten 7.600 Punkte mit zwei Monaten Verspätung für Schreiner keine Utopie sein. Diese Leistung wäre gleichdeutend mit dem Aufstieg in die Top Ten der DLV-Zehnkämpfer. Ein Grund für die sportliche Rückkehr von Schreiner und den Schritt auf ein neues Level ist laut Huppers „die inspirierende Trainingsgruppe“, unter anderen mit dem U20-EM-Sechsten Daniel Sturma (Zehnkampf) und dem deutschen Weitsprung-Jugendhallenmeister Gianluca Puglisi.


Endlich wieder Grund zum Jubeln? Jan Felix Knobel (Foto: Benjamin Heller)

Schreiner ist am Donnerstag gemeinsam mit Jan Felix Knobel nach Bernhausen gefahren. Knobel, 26 Jahre alt, 2011 WM-Achter und ein Jahr später Olympiateilnehmer in London, will in Bernhausen endlich das auf die Reihe bekommen, was Schreiner bereits hinter sich hat: ein Comeback. Mitte Juni 2013 hat Knobel in Ratingen seinen letzten Zehnkampf durchgestanden, mit (windbegünstigt) herausragenden 8.396 Punkten. Gereicht für die WM-Teilnahme in Moskau hat dies seinerzeit nicht, drei andere Deutsche waren besser. Anschließend begannen die Schwierigkeiten. Heftig entzündete Achillessehnen führten im Frühjahr 2014 zum vorzeitigen Saisonabbruch und zur Trennung von Trainer Jürgen Sammert. Seitdem wird Knobel von Mehrkampf-Landestrainer Philipp Schlesinger trainiert, der vor Huppers auch Schreiner betreut hatte. Knobel war bereits in der Hallensaison wieder gut in Form, im Frühjahr bremste ihn ein Muskelfaserriss in der Wade aus, bei den hessischen Meisterschaften am 20. Juni in Darmstadt zog er sich beim Einwerfen zum Diskus-Wettkampf eine Fußverletzung zu und musste verzichten. Zuletzt gab es allerdings wieder positive Nachrichten von dem Zehnkämpfer des Königsteiner LV. In Kassel testete er erfolgreich über 110 Meter Hürden (14,83 Sekunden), im Stabhochsprung (4,90 Meter) sowie im Speerwerfen (68,37 Meter). Man darf gespannt sein.

Uwe Martin

 


06.08.2015