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Gesa Krause in der Weltklasse angekommen: WM-Dritte über 3.000 Meter Hindernis


Gesa Krause: WM-Dritte mit Bestzeit (Fotos: IRIS)

Sie wollte einen Platz zwischen sechs und acht erreichen. Und dann wird sie im „Vogelnest“ von Peking plötzlich WM-Dritte. Gesa Felicitas Krause von der LG Eintracht Frankfurt hat in einem von der Taktik geprägten Finale über 3.000 Meter Hindernis geduldig gewartet und nach dem dem letzten Wassergraben ihre Chance auf´s Podium genutzt. In 9:19,25 Minuten verbesserte die 23 Jahre junge Hessin aus Dillenburg ihre persönliche Bestleistung um neun Zehntelsekunden und rannte hinter Hyvin Kiyeng Jepkemoi (Kenia/9:19,11) und der Jahresweltbesten Habiba Ghribi (Tunesien/9:19,24) ins Ziel. Dem deutschen Rekord von Antje Möldner-Schmidt bei der WM 2009 in Berlin (9:18,54) kam Gesa Krause noch näher als im Juli in Monaco (9:20,15). Davor hatte sie fast drei Jahre vergeblich versucht ihre Zeit aus dem Olympia-Finale 2012 in London (9:23,52) zu verbessern. In Peking sorgte Gesa Felicitas Krause für die fünfte deutsche WM-Medaille bei den 15. Welttitelkämpfen nach dem Sieg von Christina Schwanitz, Platz zwei von David Storl (beide Kugelstoßen), einem weiteren zweiten Rang von Raphael Holzdeppe (Stabhochsprung) sowie Diskuswerferin Nadine Müller, die nach Platz zwei 2011 dieses Mal Dritte wurde.

Nach dem Zieleinlauf in Peking schüttelte Gesa Krause immer wieder ungläubig mit dem Kopf. Schüchtern schaute sich die 23-Jährige nach ihrem historischen Lauf um, dem ersten deutschen Podestplatz in dieser noch jungen WM-Disziplin (seit 2005), wirkte im riesigen "Vogelnest" von Peking fast ein bisschen verloren. Doch dann traute sich die Frankfurterin an der Seite von Weltmeisterin Hyvin Jepkemoi doch noch auf die Ehrenrunde, schnappte sich eine Deutschland-Fahne und ließ sich feiern. "Ich bin überglücklich. Das sind Momente, von denen man träumt, die sich in harten Trainingseinheiten im Kopf abspielen", sagte die Sportsoldatin (seit 2013) danach im ZDF und verdrückte ein paar Freudentränen. "Diesen Moment hatte ich in den letzten Wochen vor Augen. Ich bin unfassbar glücklich, dass ich es so zeigen konnte."


Am letzten Hindernis, ganz links die Weltmeisterin Hyvin Jepkemoi, in der Mitte die Zweite Habiba Ghribi

Die EM-Dritte von 2012 lief von Beginn an ein couragiertes Rennen und zeigte sich immer wieder frech an der Spitze. Auch von einigen Tempoattacken der Konkurrenz ließ sie sich nicht beeindrucken. Auf der Zielgeraden lag Krause sogar kurz in Führung, nachdem Habiba Ghribi vor dem letzten Hindernis gezögert hatte. Gesa Krause machte die Innenbahn zu, Habiba Ghribi kam spurtend zurück, lief mit der Deutschen Schulter an Schulter ins Ziel und lag mit der Winzigkeit von einer Hundertstel vorne. Die schnellsten Beine aber hatte außen Hyvin Kiyeng Jepkemoi, die WM-Sechste von Moskau 2013.

Gesa Krause holte damit die erste WM-Laufmedaille im Einzel für den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) seit 14 Jahren. 2001 in Edmonton war Ingo Schulz über 400 Meter Zweiter geworden. Zehn weitere Jahre muss man zurückgehen, um den letzten DLV-Starter auf einer Strecke jenseits der 400 Meter auf dem WM-Podium ausfindig zu machen: Hauke Fuhlbrügge (Erfurt) wurde 1991 in Tokio Dritter über 1.500 Meter.

Gesa Krauses Weg soll noch lange nicht zu Ende sein. Bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio wolle sie "dann richtig angreifen", hatte sie schon vor ihrem historischen Lauf in Peking gesagt. "Die anderen werden in Rio nun wissen, dass ich an der Startlinie stehe. Als Medaillenkandidatin sehe ich mich aber nicht", meinte sie. Das erste Höhentrainingslager im Hinblick auf Rio ist bereits gebucht. Im November geht es wieder ins kenianische Hochland nach Iten (2.400 Meter), zum dritten Mal seit Dezember 2014, dazu kamen noch Aufenthalte in Flagstaff (USA) im Frühjahr und nach den deutschen Meisterschaften in Nürnberg (25./26. Juli) für zweieinhalb Wochen in Davos (Schweiz). Die Kargheit in der Höhe Kenias ("Es gibt dort weder ein Shoppingcenter noch eine coole Einkaufstraße oder Cafés um die Ecke") nimmt Gesa Krause gerne in Kauf. "Vor allem, wenn ein Resultat wie jetzt dabei herauskommt."


Im Ziel: Es ist tatsächlich der dritte Platz

Gesa Felicitas Krause ist die sechste hessische Athletin, die es bei Leichtathletik-Weltmeisterschaften auf´s Treppchen geschafft hat. Den Anfang machte ebenfalls eine Läuferin von Eintracht Frankfurt, Birgit Friedmann. 1980 gewann sie über 3.000 Meter und ging als erste Leichtathletik-Weltmeisterin überhaupt in die Geschichte ein. Auch die Berliner Hammerwerferin im Frankfurter Trikot, Betty Heidler, gewann 2007 den Titel und wurde zweimal Zweite (2009 und 2011). Jeweils dritte Plätze belegten Sabine Richter (4x100 Meter/1991) und Ariane Friedrich (Hochsprung/2009), ebenfalls für Frankfurt startend. Die bisher einzige hessische Athletin auf einem WM-Podest, die nicht einem Frankfurter Verein angehörte, ist die Sprinterin Gabriele Becker (LAZ Bruchköbel), die 1995 mit der deutschen 4x100-Meter-Staffel als Schlussläuferin ebenfalls den dritten Platz holte.

Bei den Männern stand bisher nur 400-Meter-Hürdenläufer Harald Schmid vom TV Gelnhausen auf einem WM-Podium, als Zweiter 1983, Dritter 1987 sowie Zweiter 1983 mit der 4x400-Meter-Staffel. Zehnkämpfer Michael Schrader vom SC Hessen Dreieich, er trainiert allerdings die meiste Zeit in Halle an der Saale (Sachsen-Anhalt), könnte das ändern. Der WM-Zweite von vor zwei Jahren greift am Freitagmorgen über die 100 Meter ins Geschehen ein (ab 3.00 Uhr) – und glaubt, dass er in seinem dritten Mehrkampf des Jahres im Vergleich zu seiner Saisonbestleistung von Ratingen (8.419 Punkte) nach einer intensiven Vorbereitung noch "was draufpacken" kann. Zu Schraders Konkurrenten zählen Trey Hardee (USA/8.725), der Kanadier Damian Warner (8.659), Kai Kazmirek (LG Rhein-Wied/8.462), sein Trainingspartner Rico Freimuth (SV Halle/8.380) – und natürlich der Weltrekordler Ashton Eaton aus den Vereinigten Staaten (9.039/2012).

Tammo Lotz

 


26.08.2015