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WM-Plätze sechs und sieben für Klaas und Heidler


Kathrin Klaas nach dem Wettkampf (Foto: IRIS)

Am Tag der Superstars im „Vogelnest“ von Peking blieben den hessischen Hammerwerferinnen nur Nebenrollen. Usain Bolt gewann über 200 Meter in 19,55 Sekunden seinen zehnten WM-Titel, im Dreisprung verpasste der US-Amerikaner Christian Taylor mit 18,21 Metern nur knapp den Weltrekord des Briten Jonathan Edwards (18,29 Meter/1995) und im Hammerwurf der Frauen passierte das, was alle Fachleute vorhergesagt hatten: Anita Wlodarczyk machte aus dem Finale ein Solo für Polen und setzte sich mit überragenden 80,85 Metern durch - nur wenige Zentimeter unter ihrem Weltrekord (81,08 Meter). Und Betty Heidler und Kathrin Klaas von der LG Eintracht Frankfurt? Die Letztgenannte fand rechtzeitig aus ihrem Formtief heraus, das seine Ursache in einer Beckenverschiebung und nachfolgenden Rückenschmerzen hatte, warf 73,18 Meter und damit Saisonbestleistung. Was letztlich für den sechsten Platz reichte. Betty Heidler hingegen muss weiter auf ihre nächste internationale Medaille nach Olympiabronze 2012 warten. Enttäuschende 72,56 Meter bedeuten nur Rang sieben in einem Wettkampf, der durchaus Chancen bot, sich im Kampf um Edelmetall zu positionieren. Denn hinter der alle überragenden Anita Wlodarczyk kamen die Chinesin Wenxiu Zhang (76,33 Meter) und Alexandra Tavernier (Frankreich/74,02 Meter) auf die Plätze zwei und drei.

Wer den Wettkampf von Betty Heidler gesehen hat, erinnerte sich unweigerlich an ihre Worte während der WM 2013 in Moskau, als die heute 31-Jährige nach dem Aus in der Qualifikation gesagt hatte, nie mehr an Weltmeisterschaften teilzunehmen. Ein paar Wochen später teilte sie den Rückzug vom Rückzug mit. Eines jedenfalls ist nach dem schwachen Auftritt am Donnerstagabend (Ortszeit) klar: Das „Vogelnest“ ist sicher nicht ihr favorisiertes Stadion, denn dort war sie bereits bei Olympia 2008 nur Neunte geworden. Sieben Jahre später bei der WM lief ebenso nichts zusammen, die Berlinerin wirkte kraft- und emotionslos. „Ich fühle mich nicht schlecht. Aber ich habe den Hammer nicht getroffen. Da kann ich so schnell drehen wie ich will, der Hammer fliegt nicht. Ich habe diese Saison alle Wettkämpfe hinten raus gut geworfen. Wenn der Fünfte dann aber auch nicht hinhaut, wird es eng. Dann musste ich alles in den Sechsten legen. Der hat dann auch nicht geklappt. Damit kann man den Wettkampf in die Tonne kloppen“, sagte die ehemalige Weltrekordhalterin (79,42 Meter) dem Internetfachportal leichtathletik.de. In ihrer dennoch herausragenden WM-Bilanz bleibt es also beim Titel (2007) sowie zwei zweiten Plätzen (2009, 2011).


Betty Heidler kam nicht in Schwung (Foto: IRIS)

Kathrin Klaas, gleichfalls 31 Jahre alt, war in Peking wie bei der EM 2014 in Zürich beste deutsche Hammerwerferin. Dass die beiden Athletinnen nach vielen gemeinsamen Jahren längst getrennte Wege gehen - Betty Heidler bei Bundestrainer Michael Deyhle, Kathrin Klaas bei Helge Zöllkau und zudem nicht gerade beste Freundinnen sind - ist längst kein Geheimnis mehr. Nicht unbedingt bekannt war, dass Kathrin Klaas wohl schon seit Monaten gravierende körperliche Schwierigkeiten hatte. „Ich hatte die ganze Saison Rückenprobleme. Nach den deutschen Meisterschaften hatte ich einen Tiefpunkt. Danach konnten die Probleme gelöst werden. Ich hatte fast ein halbes Jahr eine Verschiebung im Becken, man muss sich das vorstellen wie eine Ente, die Hüfte war wie eine Art Schutzsperre nach hinten geklappt, dabei muss die Hüfte beim Hammerwurf nach vorn“, sagte sie nach ihrem sechsten Platz. Und: „Klar, es war ein guter Wettkampf mit der besten und konstantesten Serie dieses Jahr, aber ich habe mir ein bisschen mehr vorgenommen. Nach dem, was die Trainingsergebnisse der letzten Wochen gezeigt haben. 74 Meter für Bronze - das ist machbar.“ In der olympischen Saison 2016 will die Hessin nun „wesentlich mehr Wert auf die physiotherapeutische Betreuung“ legen.

Uwe Martin

 


27.08.2015