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Die Flüchtlingskrise erreicht die hessische Leichtathletik


Die Leichtathletikhalle in Frankfurt-Kalbach (Foto: Stadt Frankfurt, Sportamt)

Seit dem vergangenen Wochenende ist die August-Schärttner-Halle in Hanau zu einer Notunterkunft für Flüchtlinge geworden. Wie die Deutsche Presseagentur (dpa) meldet, sind in der Sporthalle 600 Betten aufgestellt worden. Nebenan im Freien sollen zudem Zelte mit Fußboden und Heizung errichtet werden. In der aktuellen Notlage hat auch die Stadt Frankfurt dem Land Hessen Hilfe angeboten, um mögliche Versorgungsengpässe in den Erstaufnahmeeinrichtungen abzumildern. So sind im Sport- und Freizeitzentrum Kalbach die Mehrzweckhalle sowie die Tennishalle derzeit nicht für den Sportbetrieb nutzbar, im Stadtteil Fechenheim wurden in der Fabriksporthalle 250 Notbetten aufgeschlagen.

Wie lange in den genannten Hallen kein Sportbetrieb möglich sein wird, ist nicht bekannt. Insider prognostizieren einen Zeitraum von vier bis sechs Wochen. Der Frankfurter Stadtrat Markus Frank wird dieser Tage mit dem Satz zitiert: "Wir wollen die Sporthallen nicht zu dauerhaften Flüchtlingsunterkünften machen." Keine offizielle Verlautbarung gibt es jedoch bezüglich der großen Leichtathletik-Halle im Stadtteil Kalbach, als Bundes- und Landesstützpunkt die zentrale Trainings-, aber auch Wettkampfstätte in der Rhein-Main-Region. Doch anders als die Fraport-Arena und die Eissporthalle in Frankfurt spielt diese Halle in den Plänen von Politik und Verwaltung wohl eine Rolle als mögliche Notunterkunft. „Wir können im Kontext dieser Flüchtlingskrise gewaltigen Ausmaßes nur appellieren, auch die Bedürfnisse des Leistungssports zu berücksichtigen“, sagt Thomas Seybold, Geschäftsführer des Hessischen Leichtathletik-Verbandes (HLV).

In Berlin scheint die Lage so dramatisch zu sein, dass Leichtathletik-Landesverbandspräsident Gerhard Janetzky mit einem offenen Brief an die Öffentlichkeit gegangen ist. Unter anderem mit dieser Passage: „Das Horst-Korber-Sportzentrum, einer von zwei Bundesleistungsstützpunkten des Verbandes, wurde ‚überfallartig‘ letzte Woche besetzt. Hier trainieren schwerpunktmäßig Berlins Sprinter und Springer mit speziellen, nur hier vorhandenen Gerätschaften und bereiten sich auf die Hallensaison mit der Hallen-WM und die Olympischen Spiele in Rio vor. Dies ist nach heutigem Kenntnisstand nicht mehr möglich. Natürlich stellt der BLV seine Halle, auch unter Schmerzen, zur Verfügung, wenn es keine anderen Möglichkeiten gibt. Eine Spezialhalle mit hydraulisch erhöhbarer Rundbahn gibt es sonst nicht in Berlin. War dies die einzige Möglichkeit? Wir fordern deshalb: Sprecht mit dem Sport!“

HLV-Präsidentin Anja Wolf-Blanke hat angesichts der aktuellen Entwicklungen den DLV-Präsidenten Dr. Clemens Prokop sowie DLV-Generaldirektor Frank Hensel für die möglichen Schwierigkeiten der Bundes- und Landesstütze der Leichtathletik sensibilisiert. Denn sollte auch die Halle in Frankfurt-Kalbach für den Übungsbetrieb nicht mehr nutzbar sein, bliebe den Athletinnen und Athletinnen nur die Herrenwaldhalle in Stadtallendorf (Landkreis Marburg-Biedenkopf) als Ausweichtrainingsstätte. „Niemand, auch der organisierte Sport nicht, darf sich bei der Hilfe für Flüchtlinge ausklammern“, sagt HLV-Geschäftsführer Seybold. „Aber es muss im Vorfeld miteinander gesprochen werden.“

Uwe Martin

 


16.09.2015