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Kidane Tewolde wechselt nach Dortmund


Kidane Tewolde: U20-DM-Zweiter über 10.000 Meter (Foto: Sascha Arndt)

Erst der Umzug, dann der Vereinswechsel: Hessens derzeit schnellster Nachwuchs-Langstreckenläufer Kidane Tewolde verlässt den SSC Hanau-Rodenbach und trägt ab dem kommenden Jahr das Trikot der LG Olympia Dortmund. Dort wird der 19-Jährige nach den Plänen von Pierre Ayadi trainieren, den der Hesse schon seit zwei Jahren in seiner Funktion als Nachwuchs-Bundestrainer (C-Kader Langstrecke) kennt. Eine Entscheidung, die Tewolde nicht leicht gefallen ist, schließlich arbeitet er seit vier Jahren mit Sascha Arndt zusammen – mit beachtlichem Erfolg. Im letzten Dezember war Tewolde bester Deutscher bei den Cross-Europameisterschaften in der Altersklasse U20 (Rang 14). Im Mai qualifizierte er sich als U20-DM-Zweiter über 10.000 Meter (30:24,57 Minuten) für die U20-Europameisterschaften in Schweden (Platz 17). Die besten Voraussetzungen, seine sportliche Karriere weiter voranzutreiben, sieht Tewolde nun aber in Dortmund.


Mit den Bundeskaderathleten Leif Gunkel und David Valentin bildet er eine flotte Trainingsgruppe, mit Gunkel, Tom Jäger und einer Mittelstrecklerin seit Mitte August eine sportliche Wohngemeinschaft. Die Trainingsanlagen, das legendäre Stadion „Rote Erde“ und die Helmut-Körnig-Halle, der Olympiastützpunkt Westfalen (OSP) sowie Ärzte und Physiotherapeuten sind schnell erreicht, ebenso die Ruhr-Universität in Bochum, wo Tewolde im ersten Semester „Management and Economics“ studiert. „Die Überlegung Studium und Sport in einem professionellen Umfeld zu verbinden, hatte ich schon länger“, sagt er. Die letzten Monate haben sie zur Notwendigkeit werden lassen.


Kidane Tewolde beim Darmstadt-Cross 2014 (Foto: Sascha Arndt)

Schon seit Januar lief im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr alles rund. Bei einem Hallen-Wettkampf war der gebürtige Frankfurter mit dem rechten Fuß umgeknickt. Aus Sprunggelenksbeschwerden wurden Fehlbelastungen, die auf den Hüftbeuger ausstrahlten, das rechte Bein konnte Tewolde nicht mehr hundertprozentig belasten, eine „eingeschränkte Bewegungsamplitude“, so Ayadi, war die Folge. Arndt beschreibt die Probleme als ein „gestörtes Nerv-/Muskel-Zusammenspiel“. Fazit: Die Probleme mussten verschwinden, um weiterhin erfolgreich Leistungssport auszuüben.

Seit Tewoldes Umzug nach Westfalen scheint eine Lösung gefunden worden zu sein, dank je dreimal pro Woche Krankengymnastik und Krafttraining in einem Reha-Zentrum, unter Aufsicht von Physiotherapeut Björn Kennemund. „Kidane muss beweglicher und belastbarer werden“, sagt Ayadi. „Das ist die Basis für das weitere Training“, so der hauptamtliche OSP-Trainer am Bundesstützpunkt Dortmund weiter. Zwei lockere Testwettkämpfe liegen hinter Tewolde, ein Lauf über 10 Kilometer und ein Halbmarathon, beide überstand er ohne die genannten Beschwerden. Prognosen für 2016 gibt Ayadi keine ab, sagt aber, dass das kommende Jahr ohne internationale U23-Meisterschaften seinem neuen Athleten zugutekommen sollte. „Er steht nicht unter Norm-Druck, kann sich an das Zusammenspiel von Studium und Leistungssport gewöhnen.“ Die Uni in Bochum ist eine Partnerhochschule des Spitzensports, in Abstimmung mit dem Laufbahnberater am OSP Westfalen ist der Stundenplan Tewoldes so getaktet, dass zweimal Training pro Tag möglich ist. Eine sportliche Stellschraube, an der gedreht werden soll, ist die Grundschnelligkeit.


Kidane Tewolde auf dem Weg zum Hessenmeistertitel über 5.000 Meter (Foto: Schaake)

Bei so manchem Vereinswechsel von jungen Sportlern kommt es zu den üblichen Irritationen. Im Gegensatz dazu verlief der Wechsel Kidane Tewoldes nahezu geräuschlos. Ein Grund dafür ist, dass sich die Trainer Arndt und Ayadi schon lange kennen, sie den fachlichen Austausch pflegen, kein Neid aufkommt. So wird sich Tewolde, wenn es die Zeit erlaubt, weiter der Hanauer Trainingsgruppe anschließen, zu der auch Lukas Abele (U20-DM-Vierter über 1.500 Meter) gehört.

Arndt nennt den Wechsel seines Athleten „rational und sinnvoll“, eine „logische Folge seines Wohnsitzwechsels und der gezielten Aufarbeitung seiner Sprunggelenksverletzung“. Und noch etwas deutet Arndt an: Die Bemühungen um Tewoldes Gesundheit haben sich in den vergangenen Monaten wohl am Anschlag bewegt, die Behandlungen hätten irgendwann auch „privates Geld“ gekostet. Bei der LGO kommen eine Reihe von Sponsoren und Partnern, vor allem die Dortmunder Sparkasse als Hauptsponsor sowie der Sportartikelhersteller Brooks als Ausrüster ins Spiel, ein mittlerer vierstelliger Betrag für die Gesamtbetreuung des Nachwuchsläufers steht für 2016 im Raum. „Das kann und will der SSC Hanau-Rodenbach nicht leisten“, so Arndt.

Ein gemeinsames Ziel haben Tewolde und Arndt aber noch: die Cross-Europameisterschaften. Das jährlich stattfindende kontinentale Kräftemessen im Gelände steigt am 13. Dezember auf der Galopprennbahn in der französischen Mittelmeer-Hafenstadt Hyères (Départment Var). Bei erfolgreicher Qualifikation im November wäre es die dritte Cross-EM-Teilnahme in Serie für Tewolde.

Tammo Lotz

 


11.10.2015