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Marathon-Hessenmeisterschaften: Die Favoriten tragen Grün-Weiß und kommen aus Kassel


Dritter Marathon 2015: Ybekal Daniel Berye (Foto: Michael Küppers)

Die Vorschau auf die hessischen Marathonmeisterschaften in Frankfurt steigt mit zwei prominenten Namen ein, die über die 42,195 Kilometer fehlen werden: Nina Stöcker und Katharina Heinig, beide von der LG Eintracht Frankfurt. Vor einem Jahr war die 23 Jahre alte Stöcker in 2:40:25 Stunden die schnellste Hessin beim ältesten Stadtmarathon Deutschlands. Doch wie bereits vor zwölf Monaten sieht sie sich vehementen Stoffwechselschwankungen ausgesetzt. „Vor diesem Hintergrund ist eine Prognose, wann Nina wieder Wettkämpfe bestreiten kann, reine Spekulation“, sagt die Marathon-Bundestrainerin Katrin Dörre-Heinig. Auch Katharina Heinig, die Tochter der dreimaligen Frankfurt-Siegerin (1995 bis 1997), hat sich 2015 rar gemacht. Im Mai wurde die EM-Teilnehmerin von Zürich 2014 (Platz 28) an der linken Ferse operiert. Nach einer langen Pause und anschließendem Alternativtraining schnürt die 26-Jährige erst seit Ende August wieder die Laufschuhe. In Frankfurt wird sie in der Marathonstaffel der „Asics Frontrunner“ laufen, an Position vier über 13,5 Kilometer. Katrin Dörre-Heinig nennt es „eine erste Standortbestimmung“ und führt weiter aus: „Im Frühjahr 2016 sehe ich Katharina wieder auf der Halbmarathon- und Marathondistanz.“

Auch ohne Nina Stöcker und Katharina Heinig sowie die Titelverteidiger Jamal Sanhaji (Blau-Gelb Marburg/2:29:21) und Karin Schenk (Spiridon Frankfurt/2:57:59), Nina Stöcker hatte 2014 für die Hessenmeisterschaften nicht gemeldet, werden die Hessenmeisterschaften auf der längsten olympischen Laufstrecke so gut besetzt sein wie schon lange nicht mehr. Und die aussichtsreichsten Kandidaten auf den Landesmeistertitel sowie vordere Platzierungen in der DM-Wertung kommen beide aus Nordhessen und tragen das grün-weiße Trikot des Polizeisportvereins aus Kassel: Ybekal Daniel Berye und Simret Restle-Apel. Beide werden trainiert vom ehemaligen Marathon-Bundestrainer Winfried Aufenanger.


Simret Restle-Apel nach ihrem Sieg in Kassel (Foto: Kassel Marathon, Stefan Waldert)

Während der Start von Restle-Apel nach Irritationen zwischen ihr und dem Veranstalter noch nicht ganz abgesichert scheint, kommt der gebürtige Äthiopier mit der Empfehlung einer persönlichen Bestzeit von 2:16:45 Stunden, erzielt vor vier Wochen in Berlin, an den Main. Mit dieser Leistung rangiert der DM-Dritte des Vorjahres in der aktuellen deutschen Bestenliste auf dem dritten Rang – und geht in Frankfurt in sein drittes Marathonrennen des Jahres, nachdem er bereits Mitte Mai in Kassel den Zielstrich nach 2:17:40 Stunden passiert hatte. Eine unsichere Variable sind Daniel Beryes Schmerzen im rechten Fuß, die ihn in Berlin auf letzten sieben Kilometern belasteten und schon in der Vorbereitung auf das Rennen in der Hauptstadt für vier Wochen das spezielle Training unterbrochen hatten. Ohne gesundheitliche Einschränkungen kam der Landesmeister von 2013, Oliver Hoffmann (TSV Kirchhain Triathlon) durch seine Vorbereitung, die er in der Trainingsgruppe von Dieter Hogen für mehrere Wochen in der Höhe von Boulder (US-Bundesstaat Colorado) und Iten (Kenia) verbracht hat. Er glaubt, seine Bestzeit von 2:23:59 Stunden, gelaufen 2012 in München, unterbieten zu können. „Das sollte zu einer vorderen Platzierung in Hessen reichen.“

Bei den Frauen geht der Sieg nur über Simret Restle-Apel. Vor drei Wochen steigerte sie sich in Köln im Halbmarathon auf 1:12:26 Stunden. Und unterbot damit die deutsche Norm für die Europameisterschaften in Amsterdam (6. bis 10. Juli 2016), wo erstmals die 21,0975 Kilometer zum Wettkampfprogramm gehören werden; knapp einen Monat vor den Olympischen Spielen in Rio wird der EM-Marathon gestrichen. Für Restle-Apel sollte eine neue Marathon-Bestleistung (bisher 2:37:48 bei ihrem Sieg in Kassel) eine reine Formsache sein.


Tinka Uphoff (li.) und Laura Chacon Biebach (Fotos: Sascha Arndt, Alexander Schimo)

Dahinter könnte es zum Zweikampf zwischen Tinka Uphoff (Spiridon Frankfurt) und Laura Chacon Biebach (TV Dieburg) kommen. Die 32 Jahre alte Uphoff ist in der Laufszene mittlerweile bekannt, nicht zuletzt auch deshalb, weil sie sich auf ihrem Profil im sozialen Netzwerk Facebook sehr aktiv zeigt. In Frankfurt steuert die voll berufstätige Juristin im Finanzmarktbereich auf Bestleistungskurs, will ihre 2:43:50 Stunden aus dem Frühjahr in Hamburg steigern. Vor drei Wochen sprach sie nach ihrem Hessenmeistertitel im Halbmarathon (1:18:28) zwar von einer „missglückten Generalprobe“, doch seit einem weiteren Halbmarathonrennen nur eine Woche später in Offenbach (1:19:06) „fühlt sich alles wieder gut an“.

Auch Laura Chacon Biebach ist ein „Internet-Phänomen“. War die bekennende Freizeitläuferin aus dem südhessischen Groß-Zimmern bis vor wenigen Monaten ein völlig unbeschriebenes Blatt, so machte der „Wings for Life World Run“ Anfang Mai die 27-Jährige mit den venezuelischen Genen im Nu bekannt. Chacon Biebach legte knapp 52 Kilometer zurück, gewann die deutsche Wertung und belegte im weltweiten Vergleich einen beachtlichen vierten Rang. „Seitdem läuft es“, schreibt die Diplom-Sportwissenschaftlerin, die beim TV Dieburg als Sportlehrerin tätig ist, auf Facebook. Ein Interesse für Wettkämpfe hat sie trotz einer gewagten Prophezeiung eines Professors („Wenn Du richtig trainierst, kommst Du nach Olympia“) bis heute nicht entwickelt. Immerhin liegt ihre Marathon-Bestzeit bei 2:57 Stunden, gelaufen 2013 in Mainz. Das Rennen in Frankfurt wird ihr viertes über die 42,195 Kilometer sein. „Und zum ersten Mal gehe ich einen Marathon ernsthaft an.“ Mit acht Wochen fiel die spezifische Vorbereitung relativ kurz aus. Eine Zielzeit ließ sie sich nicht entlocken. Priorität hat der Spaß. Dann erst führt sie weiter aus: „Wenn es möglich ist, will ich auch eine schnelle Zeit laufen.“

Von den erwarteten knapp 15.000 LäuferInnen haben sich bis heute bereits 305 für die hessischen Meisterschaften angemeldet, genau 64 mehr als zum gleichen Zeitpunkt vor einem Jahr. Bis Sonntag um 9 Uhr können noch Nachmeldungen vorgenommen werden.

Das hr-Fernsehen überträgt den Frankfurt Marathon von 10 bis 14 Uhr live. Hier geht´s zum Livestream.

Zu den hessischen Teilnehmern

Informationen zum Öffentlichen Personennahverkehr in Frankfurt am Marathontag

Tammo Lotz

 


23.10.2015