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Wirbel um Simret Restle-Apel vor ihrem Start bei der Marathon-DM in Frankfurt


Simret Restle-Apel (Foto: Iris)

Simret Restle-Apel wird bei den deutschen Marathonmeisterschaften in Frankfurt starten. So viel scheint festzustehen. Ziemlich sicher scheint auch, dass die Athletin des PSV Grün-Weiß Kassel mit einer Portion Wut im Bauch laufen wird. Grund dafür ist das Verhalten des Frankfurter Renndirektors Jo Schindler. Der Regensburger hatte Restle-Apel nicht zur 34. Auflage des ältesten deutschen Stadtmarathons eingeladen, wo in diesem Jahr zum sechsten Mal die deutschen Meister auf der 42,195 Kilometer langen Strecke ermittelt werden. Daraus ergibt sich, dass die aus Eritrea stammende Läuferin nicht an eventuellen Prämien partizipieren wird, die für die fünf schnellsten deutschen Männer und Frauen ausgelobt worden waren. Hintergrund dieser Maßnahme ist die Doping-Vergangenheit von Simret Restle-Apel. Im Mai 2012 war sie der Einnahme des verbotenen Blutdopingmittels Erythropoetin (Epo) überführt worden. Seit dem Ende ihrer Sperre im Mai 2014 darf die 31 Jahre alte Läuferin, die von dem ehemaligen deutschen Marathon-Bundestrainer Winfried Aufenanger trainiert wird, wieder an Wettkämpfen teilnehmen. So lief sie im Dezember letzten Jahres bei den Cross-Europameisterschaften im Trikot des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) und erreichte den 17. Platz. Vor drei Wochen erzielte sie in Köln im Halbmarathon eine Zeit von 72:26 Minuten und unterbot die deutsche Norm (73:00) für die Europameisterschaften in Amsterdam (6. Bis 10. Juli 2016). Der hessische Meistertitel sollte für Simret Restle-Apel nur eine Formsache sein. Auch in der DM-Wertung ist ihr eine vordere Platzierung zuzutrauen.

Allerdings wird Simret Restle-Apel in Frankfurt nur in der Wertung der deutschen Meisterschaften auftauchen, nicht aber in den Ergebnislisten des Frankfurt Marathons. Grund ist die „sehr strikte Anti-Doping-Politik“ des Frankfurter Veranstalters, auf die Schindler im hessischen Fernsehen hinwies und weiter ausführte: „Dazu gehört auch, dass wir keine Athleten mehr zulassen, die mal als Dopingsünder erwischt wurden und die Betrüger sind. Das betrifft auch Simret Restle-Apel.“ Seinen Anti-Doping-Kurs fährt der Frankfurt Marathon seit 2005. Drei Jahre zuvor hatte Jo Schindlers Zeit an der Spitze der hessischen Traditionsveranstaltung begonnen.


Dieter Baumann beim Frankfurt Marathon 2007 (Foto: Frankfurt Marathon)

Winfried Aufenanger kann die harte Haltung Schindlers nicht nachvollziehen, spricht von einer „Doppelbestrafung“ seiner Athletin und einem „Willkürakt". Auch rechtliche Schritte scheinen nicht ausgeschlossen. Einem Start bei den deutschen Meisterschaften Restle-Apels steht allerdings nichts im Wege, schließlich besitzt die Läuferin einen gültigen Startpass des DLV. Weiter sagt Schindler: „Wenn wir nur einen Frankfurt Marathon hätten, wäre sie nicht am Start.“ Wolfgang Heinig, der Leitende Bundestrainer Lauf/Gehen, wollte den Konflikt zwischen Simret Restle-Apel und dem Frankfurt Marathon nicht kommentieren. Aber: "Sportlich ist Simret Restle-Apel im DLV nach Ablauf ihrer Dopingsperre wieder voll integriert."

Die Politik, bei Leichtathletik-Veranstaltungen ehemalige Dopingsünder nicht mehr einzuladen, gibt es schon seit ein paar Jahren, so zum Beispiel auch in der Meeting-Serie der Diamond League. Eine einheitliche Regelung existiert allerdings nicht. Und die vielschichtigen Probleme, die sich aus den Konsequenzen dieser Ausschluss-Politik ergeben, sind nicht einmal im Ansatz gelöst.

Zwei Personalien, die Schindlers konsequenter Anti-Doping-Politik nicht standhalten, heißen Dieter Baumann und Petra Wassiluk. Baumann, von 2000 bis 2002 vom Internationalen Leichtathletik-Verband IAAF wegen Nandrolon-Missbrauchs gesperrt, war 2007 in Frankfurt eines der medialen Zugpferde und lief in 2:30 Stunden auf Platz 37. Mittlerweile ist der 5.000-Meter-Olympiasieger von 1992 Co-Kommentator des Frankfurt Marathons für das Hessenfernsehen. Wassiluk, bei ihr wurden 1997 erhöhte Koffeinwerte festgestellt, es folgte eine den damaligen Regeln entsprechende dreimonatige Sperre, ist seit 2002 in verschiedenen Funktionen in der Organisation des Frankfurt Marathons tätig und gehört zu den acht Mitarbeitern von Schindlers Event-Agentur motion events.

Tammo Lotz

 


24.10.2015