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HLV-Leistungssporttagung: Verband will „Verantwortung besser verteilen“


Referent: Dr. Dr. Homayun Gharavi (Foto: HLV)

Die Saison 2015 befindet sich in den letzten Zügen. Die internationalen Höhepunkte 2016 sind bekannt: die Europameisterschaften in Amsterdam im Juli, einen Monat später die Olympischen Spielen in Rio, dazu die U20-Weltmeisterschaften in Kazan (Russland/19. bis 24. Juli) sowie die erstmals stattfindende U18-EM in Tiflis (Georgien/14. bis 17. Juli). In internationalen Bahnen wurde auch auf der Leistungssporttagung des Hessischen Leichtathletik-Verbandes (HLV) gedacht. Was in Frankfurt deutlich wurde, und das ist freilich keine neue Erkenntnis: Wege zum Erfolg gibt es viele, die Qualifikation für internationale Topevents ist kein Selbstläufer, die nationale und internationale Konkurrenz wächst. Bestes Beispiel: Die U23-Europameisterschaften in Tallinn (Estland) gingen in diesem Sommer ohne hessische TeilnehmerInnen über die Bühne. Eine Einzelfall-Analyse an dieser Stelle wäre müßig. Der Leistungssportreferent im HLV, Carsten Ebert, stellt aber fest: „In den letzten Jahren haben wir in diesem Bereich einige Athleten verloren.“

Was der Verband dagegen machen will? Nach neuen Ideen suchen, neue Wege gehen, Empfehlungen an Heimtrainer und Vereine aussprechen, den Informationsaustausch zwischen Verband und Basis forcieren, auch klassische Herangehensweisen hinterfragen. In Zeiten der Individualisierung und Optimierung sieht Ebert den Verband in der Rolle eines Service-Anbieters, als Partner der Vereine und Heimtrainer. „Wir präsentieren Lösungsansätze, erwarten aber keine hundertprozentige Zustimmung.“ Das wäre ob der Komplexität des Sports auch utopisch, dazu kommen die gestiegenen außersportlichen Herausforderungen in Ausbildung und Beruf. „Indem wir unser Wissen weitergeben, wollen wir die Verantwortung besser verteilen“, so Ebert, der dabei an eine Überlegung von Markus Czech, HLV-Vizepräsident Leistungssport, anknüpft, der im Januar in Bezug auf das Trainerwissen in Hessen von einer „Trichterbildung“ sprach.

Das kürzlich verabschiedete dezentrale Stützpunktsystem war ein Thema der Tagung, ein anderes waren die Disziplinentwicklungskonzepte, die in den sogenannten „Blockgesprächen“ von den jeweiligen HLV-Trainern im Detail vorgestellt wurden. Die Betreuungssituation seiner jungen Athleten will der Verband in Zukunft genau beleuchten – und das weitere Vorgehen von Fall zu Fall entscheiden. Bei entsprechender Ausbildung der Heimtrainer bieten sich Kooperationen an. Zeitintensive Anfahrtswege zu Trainingsmaßnahmen könnten reduziert, Heimtrainer zu „Verbündeten“ des Verbandes und Netzwerke geknüpft werden. „Es gibt aber keine Patentlösungen. Letztendlich muss bei jedem Athleten individuell entschieden werden“, so Ebert.

Abseits der klassischen (Behandlungs-) Wege bewegt sich auch der Arzt und Sportwissenschaftler Dr. Dr. Homayun Gharavi, der als Erfinder des elastischen Schlingentrainings gilt. Gharavi referierte in Theorie und Praxis zum Thema „Mit der Logik der Verletzung gehen – Moderne Behandlungsstrategien bei Muskelfaserriss und Stressfraktur“ – und zeigte, dass die Rehabilitation nach einer Verletzung nicht in kompletter Ruhe erfolgen muss.

Tammo Lotz

 


03.11.2015