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Claudia Rath mit HLV-Preis ausgezeichnet


Claudia Rath und der begehrte Preis (Fotos: Christiane Mader)

Im Rahmen seiner jährlichen Gala hat der Hessische Leichtathletik-Verband (HLV) den HLV-Ehrenpreis 2015 an Claudia Rath von der LG Eintracht Frankfurt vergeben. Die in Hadamar geborene Mehrkämpferin ist die Nachfolgerin der Hammerwerferin Kathrin Klaas (ebenfalls Frankfurt), die die höchste HLV-Auszeichnung im Vorjahr erhalten hatte. Über den Wanderpreis heißt es in der Ehrungsordnung des HLV, dass er an Athleten verliehen wird, die über einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren herausragende Leistungen bei hessischen und deutschen Meisterschaften erbracht und auch auf internationaler Ebener bedeutende Erfolge errungen haben. Außerdem sollen die Preisträger in Fairness und sportlichem Einsatz ein Vorbild für den Nachwuchs verkörpern. Ein Anforderungsprofil, das Claudia Rath zweifelsfrei erfüllt. 1996 führte sie als Zehnjährige erstmals eine hessische Jahresbestenliste an (2.000 Meter, Hochsprung), drei Jahre später gewann sie ihren ersten Landesmeistertitel (Hochsprung), 2003 wurde sie deutsche B-Jugendmeisterin über 400 Meter Hürden. Auch im Drei- und Weitsprung sammelte sie hessische Titel.

Vielseitig war Claudia Rath also schon immer. Den Grundstein legte ihr erster Trainer Clemens Schlimm, der sie bei der LG Dornburg so gut wie alle leichtathletischen Disziplinen probieren ließ. Mit dem wenig überraschenden Ergebnis: Claudia Rath landete beim Siebenkampf. Und ließ sich auch von einigen schwierigen Jahren nicht aus der Bahn werfen. Rath schwankte zwischen Mehrkampf und Weitsprung, ihre Ausbildung zur Erzieherin für Menschen mit Behinderung und die langen Autofahrten zum Training nach Frankfurt nahmen viel Zeit in Anspruch. „Ich habe mich oft gefragt, ob der Sport überhaupt noch Sinn macht.“ Das Aufhören war eine Option, die Claudia Rath jedoch nicht zu Ende dachte. Sie machte weiter.


Glückwünsche und Übergabe mit HLV-Präsidentin Anja Wolf-Blanke

Der Wechsel zu Trainer Jürgen Sammert 2007 eröffnete Claudia Rath eine neue sportliche Perspektive. Mit seiner Betreuung feierte die mittlerweile 29-Jährige ihre größten Erfolge, national und international: deutsche Meisterin 2008 (im Freien), 2010 und 2011 (jeweils auch in der Halle), EM-Teilnehmerin 2010 (Elfte), 2012 (Siebte) und 2014 (Achte), bei Weltmeisterschaften erreichte sie Platz vier mit Bestleistung (2013/6.462 Punkte) und Rang fünf (2015). Geht da noch was? Wenn es nach Claudia Rath geht, ja. Vor allem in ihren Problemdisziplinen Speerwurf und Kugelstoßen sieht sie noch Steigerungspotenzial. Gerade befindet sie sich im Aufbautraining, absolviert viele Sprünge, kräftigt ganz speziell ihre Knie (ihre Patellasehnenbeschwerden der letzten beiden Jahren haben deutlich nachgelassen), feilt an der Technik. „Ich trainiere ganz bewusst die Bewegungsabläufe im Kugelstoßen, ich muss das verinnerlichen, das gibt mir Sicherheit.“ Die Kugel nimmt sie seltener in die Hand, dagegen stehen mehr Medizinballwürfe auf dem Programm.

Und noch zwei Dinge haben sich geändert. Claudia Rath und Carolin Schäfer (TV Friedrichstein) gehen im Training bei Jürgen Sammert seit drei Wochen getrennte Wege. Was aber weniger dramatisch ist, als es klingen mag. Grund ist kein Zerwürfnis, sondern der Versuch, die Konkurrenzsituation zu „entzerren“, die Anspannung zu reduzieren. „In den Wettkämpfen ist die schon groß genug“, so Rath, zu deren Gruppe noch Weitspringerin Maryse Luzolo (Königsteiner LV) sowie eine bulgarische Athletin gehören, während Schäfer zusammen mit Pascal Behrenbruch (LG Eintracht Frankfurt) trainiert.

Apropos Entspannung: Mittlerweile hat Claudia Rath wieder mehr Freiraum, ihr Pflichtpraktikum im Rahmen ihres Studiums der Sozialen Arbeit (seit 2011 an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden) ist beendet. Sie war im Athletenhaus des Frankfurter Sportinternats tätig, 14 Monate lang, Nicht-Leistungssportler schaffen das in der Regel in vier bis fünf Monaten. Eine „erfüllende, aber auch sehr stressige Zeit“, fasste Rath zusammen und führte weiter aus: „Als Leistungssportlerin möchte ich das aber nicht mehr erleben.“


Zum guten Schluss gab es noch einen Blumenstrauß von HLV-Geschäftsführer Thomas Seybold

Bei den Olympischen Spielen in Rio könnten Claudia Rath und Carolin Schäfer ihr drittes gemeinsames Großereignis in Folge erleben, nach der EM 2014 und der WM 2015. Der Rio-Richtwert liegt bei 6.200 Punkten. Eine solche Leistung wird aber kaum ausreichen, um in Südamerika dabei zu sein. Wahrscheinlich werden um die 6.400 Punkte benötigt. Die stärksten Konkurrentinnen von Rath und Schäfer sollten Jennifer Oeser (Bayer Leverkusen) und die Olympia-Zweite von London, Lilli Schwarzkopf (LG Hannover), sein. Maximal drei Tickets kann der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) vergeben. Nach dem Mehrkampf-Meeting im österreichischen Götzis Ende Mai weiß man mehr. Die weitere Saisonplanung nennt Claudia Rath „eine komplizierte Entscheidung“. Es gibt die Optionen Ratingen Ende Juni sowie die Europameisterschaften in Amsterdam (6. bis 10. Juli). Am 11. Juli werden die Olympia-Nominierungen ausgesprochen.

Egal, ob Rio oder Amsterdam: Claudia Rath will eine Punktzahl zwischen 6.400 und 6.500 erreichen. „Dann darf ich zufrieden sein.“ Wie bei den Weltmeisterschaften 2013 und 2015. „Ich bin hingefahren und hab den Wettkampf auf mich zukommen lassen. Bei der EM war ich dagegen zu verbissen, zu verkrampft.“ In Erinnerung blieb jedoch der abschließende 800-Meter-Lauf in Zürich, als sie eigene Ansprüche zurückstellte und für Carolin Schäfer Tempo machte, die das Podium als Vierte nur knapp verpasste. Claudia Rath sah das ganz locker: „Ich hätte mich höchstens um einen Platz in der Gesamtwertung verbessern können, und das auch nur, wenn ich sehr schnell gewesen wäre.“ Und doch überwog im Letzigrund-Stadion nach den 2:16,43 Minuten, Raths Bestzeit liegt bei 2:06,68 Minuten, und insgesamt 6.225 Punkten die Enttäuschung. „Weil ich nicht das zeigen konnte, was in mir steckt.“ Es passt zu der bescheidenen Natur Claudia Raths, dass sie um ihr faires Auftreten nicht viel Aufhebens macht. „Von meiner Familie habe ich gelernt, stets freundlich und hilfsbereit zu sein. Das bekommt man auch zurück.“

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Tammo Lotz

 


07.11.2015