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HLV-Gala: Kurzweiliger und stimmungsvoller Abend in schwierigen Zeiten


Staatssekretär Werner Koch: Ein politischer Förderer der hessischen Leichtathletik (Fotos: Christiane Mader)

Eines vorweg: Es war eine gute Idee, die Leichtathletik-Gala 2015 in der Mehrzweckhalle des Landessportbundes Hessen (lsb h) zu organisieren. Das Ambiente war ein würdiger Rahmen, und so wurde es ein perfekter Saisonabschluss - geladen hatten wie stets der Hessische Leichtathletik-Verband (HLV) sowie der Leichtathletik Förderverein Hessen (LFH). In Zeiten wie diesen, die geprägt sind von katastrophalen Schlagzeilen des Leichtathletik-Weltverbandes (IAAF) sowie einer Dauerdiskussion um den Stellenwert der Leichtathletik, war es hilfreich, dass die geladenen Ehrengäste klare Bekenntnisse zur olympischen Kernsportart und zur Arbeit im hessischen Verband abgaben. Zuspruch und Wertschätzung tun immer gut, und wenn sie - wie in diesem Fall - von Staatssekretär Werner Koch und lsb h-Präsident Rolf Müller kommen, umso besser. Müller betonte mit Bezug auf die Flüchtlingskrise die „verbindende Kraft des Sports“ und stellte mit einem Augenzwinkern in Aussicht, dass Gala-Abende in den lsb h-Räumlichkeiten durchaus „eine Tradition“ werden könnten. Was sicher nicht nur HLV-Präsidentin Anja Wolf-Blanke und HLV-Geschäftsführer Thomas Seybold wohlwollend zur Kenntnis genommen haben dürften. Denn nach etwa dreieinhalb Stunden war klar: Besser, stimmungsvoller als in Frankfurt kann es kaum laufen.

Es war ein kurzweiliger Abend, moderiert von einer bekannten Größe am Mikrofon, Julia Nestle, die unterstützt wurde vom Gala-Debütanten Sven Eichel. Natürlich gab es viele Ehrungen und einige Reden, die jedoch wohltuend kurz gehalten waren. Und die Anwesenheit von HLV-Sponsoren, stellvertretend genannt seien an dieser Stelle die AOK Hessen sowie das Autohaus Neils & Kraft, symbolisierte den Zusammenhalt im Sinne der Leichtathletik. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten - doch dazu erst später mehr. Denn Staatssekretär Koch hatte nicht nur gute Laune, sondern auch einen Bewilligungsbescheid in Höhe von 50.000 Euro zwecks unterstützender Förderung zur Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2016 dabei. Rio ist das große internationale Ziel hessischer Top-Athletinnen und -Athleten, ein weiteres wäre die EM in Amsterdam; nicht zu vergessen die deutschen Meisterschaften im Kasseler Auestadion Mitte Juni und die erste U18-Europameisterschaft im georgischen Tiflis. Gerade die Arbeit an der „Graswurzelbasis“, also in der Nachwuchsförderung, sei seine Aufgabe, sagte der LFH-Vorsitzende Franz-Josef Kemper.


Der Präsident des Landessportbundes Hessen, Rolf Müller

Die Ehrungen waren in drei Blöcke geteilt, beginnend mit der U16. Deutsche Meister wurden unter anderen die 4x100-Meter-Staffel des Wiesbadener LV (WLV) mit Jeanne Lea Mbiena Yombock, Kathrin Wieczorek, Jorina Kubis und Sophia Trettin, Niklas Krämer (WLV/3.000 Meter), Felix Bornhofen (ASC Darmstadt/Block Sprint) sowie in der U18 die Siebenkampf-Mannschaft des LAV Kassel (Carolin Friedrich, Leonie Frank, Paula Rücker) und Lisa Tertsch (ASC Darmstadt/Cross). Weitere Geehrte waren Miriam Sinning (LG Eintracht Frankfurt/100 Meter Hürden), Mona Gottschämmer (TV Neu-Isenburg/Hochsprung) und Elena Kelety (Königsteiner LV/Siebenkampf). Wie auch die deutschen U20-Zehnkampf-Mannschaftsmeister vom ASC Darmstadt (Dennis Hutterer, Maximilian Kappesser, Marvin Kappes), ferner Gianluca Puglisi (LG Eintracht Frankfurt/Weitsprung), Nathalie Buschung (Königsteiner LV/Weitsprung), Lukas Abele und Kidane Tewolde (SSC Hanau-Rodenbach/1.500 und 10.000 Meter) sowie die Zwillingsbrüder Jaakima und Aleksi Rösler (SG Schlüchtern/400 Meter), Constantin Schmidt (TG Obertshausen/400 Meter), Marc Reuther (WLV/800 Meter), Daniel Sturma (LG Eintracht Frankfurt/Zehnkampf), Sarah Kistner (MTV Kronberg) und Lisa Mayer (LG Langgöns/Oberkleen). Über alle Genannten hat hlv.de in den vergangenen Monaten ausführlich berichtet, wie auch über Ronja Böhrer (SSC Bad Sooden-Allendorf/3.000 Meter Hindernis) sowie 400-Meter-Hürdenläuferin Christiane Klopsch (LG ovag Friedberg-Fauerbach/400 Meter), die unlängst ihre Karriere für beendet erklärt hat und von HLV-Präsidentin Wolf-Blanke mit einem Blumenstrauß verabschiedet wurde. Rio im Fokus haben hingegen die WM-Sechste im Hammerwurf, Kathrin Klaas (LG Eintracht Frankfurt), die HLV-Preisträgerin Claudia Rath (LG Eintracht Frankfurt/Siebenkampf) sowie die WM-Dritte über 3.000 Meter Hindernis, ihre Vereinskollegin Gesa Felicitas Krause.


Wurde geehrt für sein Lebenswerk: Gerhard Reichenauer vom TV Flieden

Die Aktiven stehen im Vordergrund, zumeist im Hintergrund sind die Trainer aktiv. Viele sind kaum bekannt, andere stehen bei Großereignissen im Blickpunkt, manche Namen sind nur regional eine Größe. Was bisweilen ungerecht ist, denn ohne sie alle würde die (hessische) Leichtathletik nicht funktionieren. Und seien wir ehrlich: Wer kennt die Geschichte von Gerhard Reichenauer, der nun für sein Lebenswerk geehrt wurde? Wohl die wenigsten. Der pensionierte Polizeibeamte ist seit 1987 Abteilungsleiter des TV Flieden, längst auch Chef des Gesamtvereins, Meeting-Organisator und HLV-Stützpunkttrainer. Die Laudatio hielt übrigens seine ehemalige Athletin, die Hürdensprinterin Antonia Werner, die sich mittlerweile auf ihre Promotion im Fach Psychologie an der Uni Frankfurt konzentriert. „Wie habe ich das vor meinem Ruhestand mit einem 12-Stunden-Arbeitstag hinbekommen?“, fragte Reichenauer in die Runde. Eine Antwort könnte lauten: mit ehrenamtlichem Engagement, das gewiss nicht nur bei ihm an die Belastungsgrenze ging und ohne familiäre Unterstützung unmöglich gewesen wäre.

Geehrt wurde auch Rainer Finkernagel, der Erfolgscoach von Lisa Mayer - die Laudatio für den Nachwuchstrainer des Jahres hielt HLV-Vizepräsident Wilfried Bluhm. HLV-Trainer des Jahres 2015, wie hätte es nach dem vorangegangenen Erfolg als hessischer Trainer des Jahres anders sein können, wurde Wolfgang Heinig, der Mann hinter dem Aufstieg von Gesa Felicitas Krause.


Reizvolles Ambiente in Frankfurt

Doch es war nicht nur Gute-Laune-Stimmung im Saal. Es gab auch Verärgerung. Und zwar bei Staatssekretär Koch. „Die Stärke der hessischen Leichtathletik ist kein Selbstläufer“, sagte er. Um sie zu erhalten und zu fördern, hatte das Land bereits „eine großzügige Finanzspritze“ (Wolf-Blanke) zugunsten der DM in Kassel bereitgestellt, ebenso einen Förderbescheid in Höhe von 600.000 Euro zum Umbau und zur Modernisierung des Bundes- und Landesstützpunkts im Frankfurter Stadtteil Niederrad (Hahnstraße). Beteiligt sind zudem der Bund (600.000 Euro) sowie die Stadt Frankfurt (824.000 Euro). In der Summe stehen seit dem Sommer also mehr als zwei Millionen Euro bereit. „Doch in der Hahnstraße ist noch nichts passiert. Und ich finde es nicht in Ordnung, dass wir kein Stück weitergekommen sind“, sagte Koch mit leicht erbostem Tonfall. Dass er Druck machen wird in punkto Baubeginn, wurde ziemlich deutlich.

Zum Artikel über die HLV-Preisträgerin Claudia Rath

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Uwe Martin

 


08.11.2015