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Gordon Porsch ist bereit für neue Höhenflüge


Gordon Porsch (Foto: Benjamin Heller)

628 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben für die hessischen Jugend-Hallenmeisterschaften U20/U16 am Wochenende 23./24. Januar in der Hanauer August-Schärttner-Halle gemeldet. Beginn ist an beiden Tagen jeweils um 10 Uhr. Ein Highlight der Titelkämpfe, mit aller gebotenen Vorsicht, könnte der Stabhochsprung der männlichen Jugend U20 am Sonntag (10.30 Uhr) werden - denn außer Konkurrenz ist ein junger Mann am Start, der dieser in Hessen im Niemandsland eingekehrten Disziplin ein wenig Leben einhaucht. Gordon Porsch, 20 Jahre alt, Lehramtsstudent (Sport) an der Goethe-Universität in Frankfurt und seit Kurzem startberechtigt für die LG ovag Friedberg-Fauerbach. Auch wenn Porsch noch keine Leistungen gezeigt hat, die national für Aufruhr sorgen würden, so scheint er zumindest auf dem Weg zu sein, den gefühlt ewig währenden Stillstand aufzubrechen.

Bereits am 12. Dezember 2015 überquerte er in Stadtallendorf 5,10 Meter, am 10. Januar in Leverkusen 5,00 Meter, als Hessenmeister verbesserte er seinen persönlichen Rekord vor einigen Tagen auf 5,15 Meter. Was ihm in der ewigen hessischen Bestenliste schon mal einen Platz in den Top Ten einbrachte. Doch dabei soll es nicht bleiben. Wobei die erwähnte Statistik erst auf den zweiten Blick die Rückschritte offenbart. Denn mit überragenden 5,90 Meter führt Tim Lobinger (LG Eintracht Frankfurt) das Ranking an, diese Leistung stammt aus dem Jahr 2002. Mit einer 2 zu Beginn der Jahreszahl beginnt aber nur noch eine weitere Leistung: Dirk Probst (LG Reinhardswald) sprang 5,14 Meter (2004). Dann geht’s schon zurück in die Neunziger, genauer mit Kai Atzbacher (LG Frankfurt), der 1992 trotz übersprungenen 5,56 Metern unter fragwürdigen Umständen um die Olympiateilnahme gebracht wurde. Dann sind wir schon in den Achtzigern mit Gerald Heinrich (LG Frankfurt/5,40 Meter/1985), Thomas Weise (TV Gelnhausen/5,20 Meter/1984), Ulf Dreßler (TV Heppenheim/5,20 Meter/1984) sowie Stephen Wirth (ASC Darmstadt/5,05 Meter/1984). Die viertbeste HLV-Leistung (Volker Ohl/5,31 Meter/SG Arheilgen) ist aus dem Jahr 1972 (!) datiert. Der Aufschwung im deutschen Stabhochsprung ist an Hessen also komplett vorbeigegangen. Oder, in Frageform: Wann hat zuletzt ein Hesse an deutschen Meisterschaften teilgenommen, wohlgemerkt bei den Aktiven? Die Antwort ist wohl nur etwas für ganz hartnäckige Statistiker. Porsch will dies ändern. „Ich möchte Ende Februar bei der DM in Leipzig dabei sein.“ Die geforderte Norm lautet 5,35 Meter. Der nächste Entwicklungsschritt in diese Richtung soll am Sonntag in Hanau gemacht werden, dann am übernächsten Wochenende bei den süddeutschen U23-Titelkämpfen in Sindelfingen, am 3. Februar stehen noch die deutschen Hochschulmeisterschaften in Frankfurt im Wettkampfplan. Ein strammes Programm. Es geht Schlag auf Schlag. Danach hatte es vor etwas mehr als einem Jahr ganz und gar nicht ausgesehen.


Ziel ist die Hallen-DM-Norm von 5,35 Metern (Foto: Benjamin Heller)

Denn nach einer Meniskusoperation im November 2014 musste Porsch noch dreimal operiert werden, in der Gelenkkapsel hatte sich ein aggressiver Keim eingenistet - die Antibiotika-Behandlung dauerte bis Januar 2015. Er musste an Krücken gehen, sein Comeback feierte er erst im Sommer in Darmstadt als Hessenmeister mit 4,80 Metern. Seinerzeit noch im Trikot der SG Anspach. Porsch wird nach wie vor von seinem Vater Dietmar Porsch trainiert, der einst deutscher Meister im Leichtgewichtsrudern gewesen ist sowie Kampfsport geübt hatte. Und später über eine C-Trainer-Ausbildung zur Leichtathletik und zum Stabhochsprung kam. Dietmar Porsch meisterte in der Seniorenklasse nur 2,62 Meter, widmete sich dann als Autodidakt intensiv dem Coaching seiner Söhne und motivierter Stabhochspringer/innen. Marvin Porsch, 22, ist seit einem halben Jahr auch wieder dabei und wechselte zum Jahreswechsel wie Gordon nach Friedberg. Trainiert haben sie dort schon immer, Gordon seit seinem 14. Lebensjahr Stabhochsprung, aber auch Mehrkampf, besonders Hürdenlauf. Und weil der Stabhochsprung keine preiswerte Disziplin ist, begab sich das Porsch-Trio im Herbst 2015 auf die Suche nach finanzieller Unterstützung - und bekam sie von der LG ovag Friedberg-Fauerbach. Etwa für Stäbe. Seit vier Wochen springt Gordon das neue Modell „Altius Carbon Elite“, entwickelt vom Vater des kanadischen Weltmeisters Shawnacy Barber. Der Trainingsstab ist 4,66 Meter lang, die drei Wettkampfgeräte kommen auf 4,91 Meter. Kosten pro Stab: 700 bis 800 Euro.


Der Hessenmeister nochmal in Aktion (Foto: Benjamin Heller)

Und welchen Vorteil haben sie im Vergleich zu dem bislang verwendeten Modell „Pacer Carbon“? „Es sind nur Nuancen, die sich anders anfühlen“, sagt Gordon Porsch. Die Theorie jedenfalls sei ganz einfach: „Der Stab kann mit gnadenlos viel Tempo gesprungen werden.“ Das Anbiegen ist aufgrund eines größeren Biegeradius (fast über den kompletten Stab) etwas weicher, der Springer wird dadurch sicherer und kann gewohnt schnell seine Aufroll-Schussposition einnehmen. Der Altius-Stab entfaltet dann, genau wie die anderen Carbon-Stäbe, schnell und gnadenlos seine Spannung. Weltmeister Barber springt bei einer persönlichen Bestleistung von 5,93 Meter (2015) einen Stab mit 5,38 Meter Länge. 20 Zentimeter mehr als die Konkurrenz.

Porsch ist noch mittendrin in der Eingewöhnung, sagt aber: „Es klappt von Training zu Training und Wettkampf zu Wettkampf besser.“ Und weiteres Potential ist durchaus vorhanden. Denn er hat wegen seines vorgeschädigten Knies noch kein intensives Sprint- und Lauftraining gemacht, deshalb auch der kurze Anlauf mit zwölf, maximal 14 Schritten. Zur Freiluftsaison 2016 sollen es 16 bis 18 Schritte sein. Dann aber müssten wiederum andere Stäbe besorgt werden - länger und härter. „Mit Freude am Sport und der Neugier, mit neuen Methoden bessere Reize zu schaffen, wird das schon klappen“, sagt Dietmar Porsch.

Uwe Martin

 


20.01.2016