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Klaus Ploghaus zum 60. Geburtstag: Boykott-Opfer von Moskau und Olympia-Dritter in Los Angeles


Klaus Ploghaus im Jahr 1980 (Foto: HLV-Jahrbuch 1980, Raatz)

Nachfolgend einige Namen, hoffentlich wurde niemand vergessen. Heinz Ulzheimer (Eintracht Frankfurt/1952/Bronze 800 und 4x400 Meter), Karl Storch (SC Borussia Fulda/1952/Silber im Hammerwerfen), Leonhard Pohl (TSV Pfungstadt/1956/Bronze 4x100 Meter), Armin Hary (FSV Frankfurt/1960/Gold 100 und 4x100 Meter), Klaus Lehnertz (KSV Hessen Kassel/1964/Bronze im Stabhochsprung), Hans Baumgartner (TV Heppenheim/1972/Silber im Weitsprung), Christiane Krause (ASC Darmstadt/1972 Gold über 4x100 Meter), Klaus-Dieter Hildenbrand (ASC Darmstadt/1976/Bronze über 5.000 Meter), Lothar Krieg (ASC Darmstadt/1976/Bronze über 4x400 Meter), Harald Schmid (TV Gelnhausen/1976/Bronze über 4x400 Meter und 1984 Bronze über 400 Meter Hürden), Betty Heidler (LG Eintracht Frankfurt/2012 Bronze im Hammerwurf). Die Genannten sind Medaillengewinner bei Olympischen Spielen seit dem HLV-Gründungsjahr (1947) und haben das Trikot eines hessischen Vereins getragen. Ein anderer Hesse ist nicht weit entfernt von diesem Muster: Klaus Ploghaus, geboren in Gelnhausen und von 1974 bis 1983 Mitglied des ASC Darmstadt.

Von 1984 bis 1988 startete der Hammerwerfer allerdings für Bayer Leverkusen. Und gewann genau in diesem Zeitraum Olympia-Bronze in Los Angeles (1984) und schleuderte seine persönliche Bestleistung (81,32 Meter/1986). Andere Erfolge - die Studenten-Weltmeisterschaft (1979, 1981), der erste 80-Meter-Wurf seiner Karriere bei den Hessenmeisterschaften Ende Juni 1981 in Obersuhl (80,56 Meter), WM-Platz sechs (1983) und EM-Rang acht (1982) sowie seinen einzigen deutschen Titel (1982) - gelangen ihm im Trikot des ASC Darmstadt. An diesem Sonntag, 31. Januar, feiert Ploghaus seinen 60. Geburtstag.

Die Spur des einst wurfgewaltigen Architekten hat sich seit Anfang der 90er Jahre ziemlich verloren. Nach der olympischen Saison 1988, für die Spiele in Seoul (Südkorea) war Ploghaus aufgrund eines fragwürdigen Qualifikationsmodus nicht nominiert worden, hatte ihn der Werksklub aus Leverkusen mehr oder weniger rausgeworfen, indem die Verantwortlichen einfach die komplette Vereinsförderung strichen. Übrig blieben lediglich 300 Mark von der Deutschen Sporthilfe. Ploghaus brachte eine Knorpeloperation im linken Knie hinter sich und heuerte beim USC Mainz an. Im Trikot des Universitäts-Sport-Clubs schleuderte er den Hammer nochmal 73,86 Meter weit (1989), dann war die Karriere offiziell vorbei. Nun, nicht ganz, denn 1992 feierte er ein Comeback aus einer Bierlaune heraus. Dreimal Training pro Woche genügten, um in Schweinfurt für die LAZ Gießen süddeutscher Meister zu werden (70,78 Meter). 1993 war er immer noch Zweiter der HLV-Jahresbestenliste - mit 62,82 Meter, hinter Holger Klose (69,08).

Ploghaus prägte eine hochklassige Ära des westdeutschen Hammerwerfens, in der auch mehrere Weltrekorde fielen. Genannt seien Karl-Hans Riehm (TV Wattenscheid/Bestleistung: 80,80 Meter, vier Weltrekorde), aber auch Walter Schmidt (ASC Darmstadt/79,30 Meter) und Manfred Hüning (LAZ Rhede/79,16 Meter) - auf der Schlussgeraden seiner professionellen Karriere musste er sich mit Christoph Sahner (TV Wattenscheid/81,78 Meter) und dem jungen Heinz Weis (Bayer Leverkusen/83,04 Meter) auseinandersetzen.


Klaus Ploghaus in Aktion (Foto: 50 Jahre Hessischer Leichtathletik-Verband)

Und Ploghaus war ein Opfer des Olympiaboykotts von Moskau 1980. „Zuerst hatte ich überhaupt keine Lust mehr, weiter zu trainieren“, sagte er damals. Ein „fürchterlicher Tiefschlag“ sei der Boykott gewesen. Ploghaus, Anfang der 80er Jahre ein aufstrebender Jungstar, meinte auch: „Das kommt immer wieder hoch wie Schluckauf.“ In diesen Wochen der Niedergeschlagenheit war nicht mehr viel geblieben von dem „Rausch“, den er immer spürte, wenn er während der Trainingsfron wieder „über eine Grenze hinweg gestiegen war“. Allmählich trat Ploghaus aus dem Schatten des deutschen Serienmeisters Riehm heraus, aber auch bei den Olympischen Spielen in Los Angeles lag der Altmeister vor ihm und gewann Silber. Die Leistungen: 77,98 Meter und 76,68 Meter.

Der ASC-Hammerwerfer Schmidt, der in den Jahren 1971 (76,40 Meter) und 1975 (79,30 Meter) Weltrekord geworfen hatte, outete sich 1976 als Anabolika-Konsument und brachte den umstrittenen Freiburger Professor Armin Klümper als behandelnden Arzt ins Spiel. Ende der 90er Jahre bekannte sich auch Riehm zum unterstützenden Anabolika-Konsum während seiner Hammerwurf-Karriere, genannt als „Wegbegleiter“ wurden seinerzeit von der F.A.Z. auch Bundestrainer Karl-Heinz Leverköhne sowie Klümper. Ist es in diesem Kontext denkbar, dass ein Weltklasse-Hammerwerfer wie Ploghaus „sauber“ durch seine Karriere gekommen ist? Wo man doch laut Riehm seinerzeit ohne verbotene pharmazeutische Substanzen „nicht mehr als 78 Meter weit werfen“ konnte?

Ploghaus hat beruflich Ende der 80er; Anfang der 90er Jahre sein berufliches Glück in Darmstadt mit einem Präsentladen und einer Galerie versucht. Aber auch Objektausstattung für Firmen, die ihre Büroräume mit geschmackvollen Bildern verschönern wollten sowie der Vertrieb von Alarmanlagen hielten den „Selfmademan“ (Eigeneinschätzung) vor mehr als 20 Jahren mächtig auf Trab.

Uwe Martin

 


29.01.2016