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Homiyu Tesfaye: Für die EM und Olympia “voll im Plan”


Homiyu Tesfaye bei der Team-EM 2014 (Fotos: Iris)

Homiyu Tesfaye befindet sich auf Comeback-Kurs. Und das schon seit September. Nur wussten davon bisher nur Insider. Denn nach seinem Saisonabbruch im Juli verschwand das in Äthiopien geborene Mittelstrecken-Ausnahmetalent völlig von der medialen Bildfläche. Fest stand nur, dass sein rechtes Knie viele Sorgen bereitete, wie hlv.de titelte. Von den Ärzten gab es verschiedene Auffassungen über die Verletzung. Eine Zyste am Kreuzband und sogar ein Knorpelschaden standen im Raum. Diese Befürchtungen bewahrheiteten sich nicht, wie der Leitende Bundestrainer Wolfgang Heinig, der den deutschen Hallenrekordler über 1.500 Meter (3:34,13 Minuten) auch als Heimcoach von Eintracht Frankfurt betreut, am Rande der 63. Deutschen Hallenmeisterschaften in Leipzig klarstellte. Bei einer Arthroskopie Anfang September sei eine „Reizung im rechten Kniegelenk“ festgestellt worden. Eine mögliche Ursache liegt in der intensiven Hallensaison 2015 mit zwei deutschen Rekorden, dem DM-Titel und Platz vier bei den Europameisterschaften. „Einen solchen Wettkampfblock wird es nicht mehr geben“, so Heinig. Auf Hallentraining wird er bei Tesfaye in Zukunft sogar komplett verzichten; die erhöhten Kurven bedeuten ein zu großes gesundheitliches Risiko für Sehnen und Bänder.

Nach dem Eingriff standen zwei Monate nur moderates Joggen und Athletiktraining auf dem Tagesplan. „Wir haben uns strikt an die Empfehlungen der Ärzte und Physiotherapeuten gehalten“, so Heinig. Homiyu Tesfaye hatte viel Freizeit, er machte seinen Führerschein, auch seine Deutschkenntnisse soll er vorangetrieben haben. Im November nahmen die Intensitäten zu. Seit Januar stehen Tempoläufe im Grundlagenausdauerbereich auf dem Programm. Heinig ist „sehr zufrieden“ und sieht seinen Athleten schon wieder auf einem „guten Niveau“. Konkret heißt das: „Ich glaube, dass Homiyu schon in Leipzig über 1.500 und 3.000 Meter der Topfavorit gewesen wäre. Das aber stand nie zur Debatte.“ Viel wichtiger sind die Europameisterschaften in Amsterdam (6. bis 10. Juli) und die Olympischen Spiele in Rio (Leichtathletik-Wettbewerbe vom 12. bis 21. August). „Homiyu ist schmerzfrei und voll im Plan“, betont Heinig.


Bei der Hallen DM 2015 (im Schlussspurt gegen Florian Orth)

Seit dem 17. Februar trainiert Tesfaye zusammen mit äthiopischen Spitzenathleten nahe der Hauptstadt Addis Abeba, bis auf 2.700 Meter über Meereshöhe. Am ersten März-Wochenende schließt sich der Hauptgefreite für weitere drei Wochen der Heinig-Trainingsgruppe in Iten (Kenia/2.400 Meter) an. „Dann werde ich sehen, ob er seine Hausaufgaben gemacht hat“, so Heinig. Auch wenn in dieser Aussage leichte Zweifel mitschwingen, so gehe Tesfaye seit den Kniebeschwerden gewissenhafter mit seinem Körper um, er dehne mehr, lasse sich nun öfter massieren. Das war nicht immer so – und bedeutete für das Duo Heinig/Tesfaye nicht die erste Belastungsprobe. „Was die Intensität der Pflege angeht, hatten wir unterschiedliche Auffassungen.“ Mit der Betonung auf „hatten“. Denn wenn man Heinig zwischen den Zeilen genau zuhört, scheinen der 65 Jahre alte Trainer und sein Athlet einen Mittelweg gefunden zu haben zwischen afrikanischem Langmut und deutschem Regeldenken. So sagt Heinig mittlerweile Sätze wie: „Pläne werden nicht gemacht um sie zu erfüllen, sondern um sie zu ändern.“

Rein situativ wird auch bei der Rückkehr ins Wettkampfgeschehen entschieden werden. Zwei Optionen: Die Meetings in Rehlingen (16. Mai) und Dessau (27. Mai).

Tammo Lotz

 


28.02.2016