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Hallen-DM, 2. Tag: Zweite Plätze für Mayer und Luzolo, Friedrich unzufriedene Dritte


Lisa Mayer: 200 Meter, 23,30 sec, Hessenrekord (Fotos: Iris)

Der Hessische Leichtathletik-Verband (HLV) war mit insgesamt 41 Athleten aus zehn Vereinen bei den 63. Deutschen Hallenmeisterschaften vertreten. Zumindest auf dem Papier. Kurzfristig musste diese Zahl freilich nach unten korrigiert werden. Die Ausnahmeläuferin und 3.000-Meter-Titelverteidigerin Gesa Felicitas Krause (LG Eintracht Frankfurt) fehlte wegen einer Grippe. Bei Krauses Vereinskollegin Diana Sujew, im Vorfeld der Titelkämpfe auf Platz zwei über dieselbe Strecke notiert, zwickte die Achillessehne. Homiyu Tesfaye, vor einem Jahr in Karlsruhe über 1.500 Meter siegreich, absolviert keine Hallensaison. Martin Günther und Carolin Schäfer, die Hochsprung-Dritten aus 2015, waren nicht gemeldet. Christiane Klopsch, die Vorjahreszweite über 400 Meter, hat ihre Karriere als Leistungssportlerin mittlerweile beendet. Dieser Aderlass machte sich bemerkbar. Zwei zweite Plätze und ein dritter Rang, die Bilanz des HLV im Spitzenbereich fällt bescheiden aus. Aber das ist nichts Neues. Die hessischen Athleten versendeten auch zahlreiche positive Signale aus der Leipziger Arena. Wie die Sprinterin Lisa Mayer (LG Langgöns/Oberkleen), die am zweiten Tag ihren selbst ernannten Ruf als „Meisterschaftsläuferin“ bestätigte. Und nach acht persönlichen Bestleistungen am Samstag warteten die hessischen Läufer, Springer und Sprinter am Sonntag mit fünf weiteren Hausrekorden auf. Wenige Podestplatzierungen müssen nicht per sé als Enttäuschung aufgefasst werden.

“Heute habe ich mich und meinen Trainer am meisten überrascht.“ Das waren Lisa Mayers erste Worte zu ihren zwei Läufen über 200 Meter. Bestleistung im Vorlauf in 23,61 Sekunden, Bestleistung im Finale (23,30) – beide Male steigerte Lisa Mayer ihren eigenen Hessenrekord aus dem Vorjahr (23,66). Nur Rebekka Haase (LV 90 Erzgebirge/23,10) war bei ihrem Titel-Hattrick auf dieser Strecke noch schneller. Mit diesen Zeiten steigen Lisa Mayers Ansprüche. Im Sommer will sie zu den Europameisterschaften (6. bis 10. Juli) und über die halbe Stadionrunde eine „tiefe 23er-Zeit“ laufen. Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) fordert für Amsterdam als Qualifikationsleistung 23,20 Sekunden. Und dann gibt es da noch die Olympischen Spiele in Rio und als Motivation die 4x100 Meter-Staffel. „Mal schauen, was da geht. Die Konkurrenz im deutschen Frauensprint ist aber gerade enorm.“

Wenn die 19-Jährige ein Erfolgsgeheimnis hat, dann lässt es sich wohl am besten als „Gesamtpaket“ beschreiben: da sind die langjährige Zusammenarbeit mit Rainer Finkernagel („Ein super Trainer“), eine auf sie abgestimmte physiotherapeutische Betreuung, Willensstärke und die Fähigkeit sich bei Meisterschaften durchzusetzen und/oder Bestleistungen abzurufen. So stand Lisa Mayer seit 2013 bei deutschen oder internationalen Meisterschaften mindestens einmal auf dem Treppchen. „Ich weiß auch nicht, woher das kommt. Aber ich kann mich einfach gut konzentrieren und hab gelernt, dass Verbissenheit nichts bringt.“


Hallenbestleistung nach drei Jahren

Und noch eine zweite Hessin schaffte es in Leipzig ins 200-Meter-Finale. Bei Lara Matheis von der TSG Gießen-Wieseck stand im Vorlauf erstmals in ihrer Karriere eine 23 vor dem Komma (23,94). Im Endlauf startete sie eine Bahn hinter Lisa Mayer und konnte das Vorlaufergebnis nicht ganz bestätigen (24,36), lag damit aber immer noch unter ihrer Meldezeit (24,38). In der Endabrechnung ergab das den sechsten Platz. Zum Vergleich: 2015 erreichte sie ebenfalls mit Bestzeit (24,29) das Finale, in dem für Platz fünf 24,75 reichten.

Weitspringerin Maryse Luzolo ging mit einer knapp drei Jahre Hallenbestleistung (6,47 Meter) in den Wettkampf. „Es war höchste Zeit, dass sich daran etwas ändert“, sagte sich die Athletin im Trikot des Königsteiner LV. Sie sollte diese Vorgabe einlösen. Im vierten Versuch leuchteten 6,51 auf der Anzeigetafel auf. „Bei dem Sprung hat alles gepasst. Das kommt bei mir leider noch zu selten vor. Mein Anlauf ist noch nicht stabil genug.“ Gefährden konnte sie die Siegerin Alexandra Wester vom ASV Köln zwar nicht, im sechsten Versuch landete die Weltjahresbeste (6,95) mit 6,75 ihren weitesten Sprung. Doch den zweiten Platz sollte Luzolo verteidigen. Die höher eingeschätzten Melanie Bauschke (LAC Olympia Berlin/6,42) sowie die Vorjahreszweite Xenia Stolz (Wiesbadener LV/6,41) blieben beide unter ihren Möglichkeiten, sodass Maryse Luzolo und Alexandra Wester zusammen feiern durften. Wester und Luzolo kennen sich bereits seit 13 Jahren, so die Hessin. Seit Westers Rückkehr aus den USA vor einem Jahr stehen sie wieder regelmäßig in Kontakt. Westers Nehmer- und Comeback-Qualitäten machen Luzolo Mut für die Zukunft. „Alexandra ist mein Motivationscoach.“

Und noch etwas: Aus verschiedenen Gründen fehlten neben der Titelverteidigerin Sosthene Moguenara in Leipzig auch Malaika Mihambo und Lena Malkus. Übrig blieben fünf Sportlerinnen. Die Moderatoren nannten es „ein kleines, aber feines Feld“. Weniger diplomatisch könnte man auch sagen: Fünf Finalteilnehmerinnen sind einer deutschen Meisterschaft unwürdig.


Ariane Friedrich

Ariane Friedrich bedankte sich beim Publikum, bei den Kampfrichtern. Und doch war ihre Unzufriedenheit unverkennbar. „Ich wollte heute 1,90 Meter oder höher springen. Ich weiß, wie das geht, aber ich kriege meine Technik einfach nicht in den Griff.“ Herauskamen 1,86 Meter, erreicht im zweiten Anlauf. Zwei Zentimeter unter ihrer Saisonbestleistung. Und neun hinter der Siegesleistung von Marie-Laurence Jungfleisch (VfB Stuttgart). Dazwischen schob sich Katarina Mögenburg (TSV Bayer Leverkusen), die 1,86 im ersten Versuch nahm. Friedrich nennt ihre Schwierigkeiten ein „Kopf-Problem“, die Koordination zwischen Anlauf und Sprung stimme nicht. „Ich falle in der Kurve noch zu oft ins Hohlkreuz und komme nicht in die Steigphase.“ Nach einem makellosen Beginn bei 1,80 ließ sie die nächste Höhe (1,83) aus. „Ich wollte Kraft sparen. 1,83 wäre nur eine Zwischenhöhe gewesen.“ Technisch gefestigter will Ariane Friedrich im Sommer die Normhöhe für die Olympischen Spiele (1,93) springen. „Der Fokus liegt ganz auf Rio. Punkt.“

Eine Punktlandung gelang dem Sprinter Florian Daum (Wiesbadener LV). Nach 60-Meter-Bestzeit am Vortag setzte es im Vorlauf über 200 Meter den nächsten Hausrekord, 21,28 Sekunden (davor: 21,44). Die Belohnung war das Ticket fürs Finale, in dem er in 21,50 den sechsten Platz belegte. „Da ist mir die Kraft ausgegangen. Die Hallensaison gibt mir Mut für den Sommer. Dort will ich eine 20er-Zeit laufen.“ In 20,55 Sekunden stürmte der 60-Meter-Hallenrekordler Julian Reus (TV Wattenscheid) zum Doppelsieg.

Noch ein zweiter Hesse, Steven Müller von der LG Friedberg-Fauerbach, war auf dem besten Weg ins Finale. 21,17 Sekunden, Bestleistung. Alles bestens also? Mitnichten. Denn in den Ergebnislisten stand „disq R 163.3a“. Übersetzt heißt das: Disqualifikation wegen Bahnübertretens. In der 4x200 Meter-Staffel seines Vereins passierte Steven Müller kein Malheur. Er lief an, Lars Hieronymi, Sven Vesmanis und Bernd Schauwecker folgten auf den weiteren Positionen, im Ziel jubelte das Quartett über 1:27,85 Minuten und Platz fünf im Gesamtklassement. Die Männer-Staffel der LG Eintracht Frankfurt gab auf, das Frauen-Quartett mit Julia Gerter, Claudia Rath, Pauline Zimny und Gianina Gartmann belegte Rang sechs (1:38,60).


Vier für Friedberg: (v.l.) Steven Müller, Lars Hieronymi, Sven Vesmanis und Bernd Schauwecker

Gemischte Gefühle beschlichen Nico Sonnenberg (LG Eintracht Frankfurt) beim Rückblick auf sein Wettkampfwochenende. Das Positive zuerst: „Meine Schnelligkeit ist wieder da. Ich trainiere jetzt wieder höhere Intensitäten.“ Das Negative: „Mir fehlt die Ausdauer. Im Januar hatte mich eine Erkältung zurückgeworfen.“ Im 1.500 Meter-Endlauf holte er nach einem Rempler („Ich wurde bis auf die dritte Bahn abgedrängt“) Platz um Platz auf. Am Ende stand ein fünfter Rang (3:52,79 Minuten) und der Glaube, „dass heute eine Top-drei-Platzierung drin gewesen wäre“. Florian Orth von der LG Regensburg machte derweil nach seinem Erfolg über 3.000 Meter den Doppelsieg dank eines langgezogenen Spurts perfekt (3:51,20).

Sonnenberg, der nach Verlassen der Sportfördergruppe der Bundeswehr bei einem Darmstädter IT-Unternehmen eingestiegen ist, möchte im bevorstehenden dreiwöchigen Höhentrainingslager in Kenia möglichst an die qualitativ hohen Trainingsleistungen aus dem Dezember anknüpfen. Um dann im Sommer die Olympia-Norm über 3.000 Meter Hindernis (8:30 Minuten) anzugreifen.

Marc Reuther hatte sich über 800 Meter mehr vorgenommen als den siebten Platz (1:52,29). Doch aufgrund einer Bronchitis im Januar ging viel Trainingszeit verloren. Die 1:49,64 Minuten vor der DM in Chemnitz waren ein Hoffnungsschimmer, mehr nicht. Der Sieg in Leipzig ging an Jan Riedel (Dresdnrer SC/1:49,86). Reuthers Motivation für den Sommer ist die EM in Amsterdam. 1:46,50 Minuten werden vom DLV gefordert. "Das ist realistisch", so sein Trainer Georg Schmidt.

Über 3.000 Meter der Frauen fanden sich die beiden Hessinnen am Ende des Feldes wieder. Elina Sujew (Frankfurt) wurde Sechste in 9:34,22, gefolgt von Julia Fritz (LC Eschenburg/9:51,13). Den Sieg holte sich in neuem U20-Europarekord die Leverkusenerin Konstanze Klosterhalfen (8:56,36).

Die Bilanz der hessischen Athleten bei den 63. Deutschen Hallenmeisterschaften in Zahlen (Plätze 1-8):
2. Platz, 200 Meter: Lisa Mayer (LG Langgöns/Oberkleen) 23,30 sec
2. Platz, Weitsprung: Maryse Luzolo (Königsteiner LV) 6,51 m
3. Platz, Hochsprung: Ariane Friedrich (LG Eintracht Frankfurt) 1,86 m
4. Platz, Weitsprung: Xenia Stolz (Wiesbadener LV) 6,41 m
5. Platz, 60 Meter: Lisa Mayer (LG Langgöns/Oberkleen) 7,31 sec
5. Platz, 1.500 Meter: Nico Sonnenberg (LG Eintracht Frankfurt) 3:52,79 min
5. Platz, 4x200 Meter: TSV Friedberg-Fauerbach (Steven Müller, Lars Hieronymi, Sven Vesmanis, Bernd Schauwecker) 1:27,xx min
5. Platz, Weitsprung: Gianluca Puglisi (LG Eintracht Frankfurt) 7,49 m
6. Platz, 200 Meter: Florian Daum (Wiesbadener LV) 21,50 sec
6. Platz, 200 Meter: Lara Matheis (TSG Gießen-Wieseck) 24,36 sec
6. Platz, 4x200 Meter: LG Eintracht Frankfurt (Julia Gerter, Claudia Rath, Pauline Zimny, Gianina Gartmann) 1:38,60 min
7. Platz, 800 Meter: Marc Reuther (Wiesbadener LV) 1:52,29 min.

Tammo Lotz

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28.02.2016