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Hessische Reaktionen auf den Dopingverdacht gegen Rouven Christ - „Das war ein Schock“


Seit 48 Stunden ist bekannt, dass ein deutscher Leichtathlet unter Dopingverdacht steht: Rouven Christ vom LAZ Saarbrücken. 27 Jahre alt, Ende Februar bei der Hallen-DM Fünfter über 200 Meter und Staffel-Zweiter über 4x200 Meter. Christ war bis 30. Juni 2015 auch Athletik-Coach beim Fußball-Regionalligisten 1. FC Saarbrücken, zuletzt beim Saarländischen Leichtathletik-Bund und im Verein als Nachwuchstrainer tätig. Nun ist der mutmaßliche Dopingsünder von seinen Aufgaben entbunden.

Nach Informationen des Saarländischen Rundfunks sind die Privaträume von Christ von der Kriminalpolizei durchsucht worden, konfisziert wurden Handy und Laptop. Die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) hat ein Verfahren eingeleitet. Der Sprinter mit der positiven Dopingprobe soll abgetaucht sein. Der Fall Christ bewegt die deutsche und hessische Szene und das nicht nur, weil seit dem 1. Januar 2016 ein Anti-Doping-Gesetz in Kraft ist, das Doping zu einer Straftat macht. Betroffen von der möglichen Leistungsmanipulation, obgleich nur sehr indirekt, ist der Wiesbadener Sprinter Florian Daum.

Denn Daum war in diesem Winter bei Meisterschaften zweimal direkt hinter Christ platziert. Zunächst bei den Süddeutschen in Sindelfingen über 200 Meter. Den Titel holte sich bekanntlich Steven Müller von der LG ovag Friedberg-Fauerbach (21,35 Sekunden), dahinter sind Christ (21,40) sowie Daum (21,66) gelistet. Auch bei der Hallen-DM in Leipzig lag Christ einen Platz vor Daum, und zwar auf Rang fünf (21,21). Der Athlet vom Wiesbadener LV lief als Sechster in 21,50 Sekunden durchs Ziel.


Was soll man dazu sagen? Links Florian Daum, dahinter Julian Reus (Foto: Benjamin Heller)

Daum äußert sich vorsichtig, schließlich ist es bislang nur ein Dopingverdacht. „Ich weiß seit Freitagmorgen Bescheid.“ Sein ehemaliger Vereinskollege Steffen Schattner hatte ihm den entsprechenden Web-Link geschickt. „Das war ein Schock“, sagt der hessische Sprinter. „Ich hätte so etwas nicht für möglich gehalten.“ Das mögliche Dopingvergehen des Konkurrenten aus dem Saarland habe er mit „Fassungslosigkeit“ aufgenommen. „Ich kenne Rouven als sportlich fairen Typ, mit dem ich in den Wettkämpfen super klargekommen bin. Ich habe ihm seine Erfolge gegönnt.“ Das Verhältnis sei freundschaftlich-kollegial.

Dass ein Sprinter der erweiterten nationalen Spitze mit verbotenen Substanzen nachgeholfen haben könnte, nennt Daum „relativ unverständlich“. Schließlich würde Christ nicht einmal finanziell profitieren. Und dass er jeweils um einen Platz aufrücken könnte, wenn Christ gesperrt und seine Wettkampfresultate aberkannt würden, sei ein unwirklicher Gedanke. „Ich weiß nicht, ob ich mich darüber freuen soll. Dazu habe ich momentan keinen Bezug.“

Müller, auch das gibt es in Zeiten von Facebook, Twitter und WhatsApp, hatte bis Sonntagmittag noch gar nichts mitbekommen von dem Verdacht gegen Christ. Der in Kassel wohnhafte Sprinter befindet sich gerade im „Tunnel“, als Lehramtsstudent bereitet er sich intensiv auf zwei Klausuren vor. „Ach du Sch…“, entfährt es Müller in einer ersten Reaktion. Bei den deutschen Meisterschaften in Leipzig war er im Vorlauf über 200 Meter wegen Bahnübertretens disqualifiziert worden, seine kurzzeitige persönliche Bestzeit (21,17) wurde wieder gelöscht. Die von Christ aus einem anderen DM-Vorlauf (21,01) hat noch Bestand.

Uwe Martin

 


13.03.2016