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Über Paderborn nach Amsterdam und Rio


Katharina Heinig (Fotos: Schaake)

Für Katharina Heinig war der Osterlauf in Paderborn eine Zwischenstation, ein Formtest für die Europameisterschaften in Amsterdam im Juli und die Olympischen Spiele in Rio im August. An beiden Großereignissen will die 26 Jahre alte Athletin der LG Eintracht Frankfurt teilnehmen, in Amsterdam bei der EM-Premiere im Halbmarathon, in Rio über die Marathondistanz - wie viele andere deutsche Ausdauerspezialisten natürlich auch, aber dazu später mehr.


Nach den 10 Kilometern in Ostwestfalen blieben die Uhren für Katharina Heinig nach 33:04 Minuten stehen, Platz vier im Frauenfeld, Test bestanden, Bestzeit. „Das sollte so sein. Aber ich wäre gern eine 32er-Zeit gelaufen. Der Wind hat es einem nicht leicht gemacht.“ Deutlich schneller als vor zwei Jahren, 33:31 und Platz fünf, wurde es trotzdem. Kein optimales Rennen erwischte Heinigs Trainings- und Vereinskollegin, die Hindernis-WM-Dritte Gesa Krause als Sechste (33:36). Beide waren erst drei Tage zuvor aus dem Höhentrainingslager im kenianischen Iten (2.400 Meter über Meereshöhe) zurückgekehrt, nach dreieinhalb Wochen, dem dritten Kenia-Aufenthalt seit November. „Eine Höhenkette“ nennt Katharina Heinig diese Reihung. Für Laufprofis wie die beiden Frankfurterinnen sind Reisen ins ostafrikanische Hochland längst zur Gewohnheit geworden. „Für mich war es das zehnte Mal“, fügt Katharina Heinig an. Während Gesa Krause vor der Bahnsaison noch einmal in der Höhe an ihrer Form feilen wird, im April macht sie in Äthiopien Station, bleibt die EM-Teilnehmerin von 2014 (Marathon) in der Heimat, trainiert in Frankfurt und im Odenwald, für die 42,195 Kilometer in Zürich am 24. April. „Dort will ich die Olympia-Norm laufen.“ Die liegt bei 2:30:30 Stunden.


Gesa Krause

Fest für Rio planen kann bisher nur die deutsche Marathonmeisterin Lisa Hahner (run2sky.com/2:28:39) nach ihrem erfolgreich bestandenen Leistungstest beim Halbmarathon in Kandel (1:14:28). Zwei offene Plätze bleiben. Eine Kandidatin ist Anna Hahner (run2sky.com/2:30:19), eine andere möglicherweise die Äthiopierin Fate Tola (Braunschweig) nach ihren 2:28:24 von Berlin. Noch aber läuft Tolas Einbürgerungsverfahren. Fest hingegen steht ihr Marathonstart in Boston (18. April). Katharina Heinig visiert in Zürich eine Zeit unter 2:28:30 an, noch steht ihr persönlicher Rekord bei 2:33:56. „Was nützen mir 2:30:29, wenn dann drei andere schneller sein sollten.“ Ins Blickfeld gerückt ist nach ihren 1:11:17 Stunden beim Halbmarathon in Barcelona die Regensburgerin Anja Schneider-Scherl, sie startet in Hamburg (17. April) über die volle Distanz. Eine Woche früher ist Anna Hahner in Hannover gefordert (10. April).

In Barcelona empfahl sich auch Katharina Heinig für Amsterdam, in 1:12:55 blieb sie knapp unter der DLV-Norm (1:13:00). Fünf Halbmarathon-Läuferinnen wird der DLV für die EM nominieren, gute Karten haben neben Schneider-Scherl und Heinig auch Franziska Reng (Regensburg/1:12:33) und besagte Fate Tola, die den Halbmarathon in Paderborn gewann (1:09:48). Eine ganz sichere neben vielen potenziellen Amsterdam-Kandidatinnen war bis zu ihrem tragischen Unfall auch Simret Restle-Apel (PSV GW Kassel/1:12:26). „Ich habe in Kenia von dem Unfall erfahren. Es ist nicht schön eine Konkurrentin so zu verlieren.“ Auf einen weiteren Halbmarathon verzichtet Katharina Heinig. „Ich glaube, dass meine Zeit von Barcelona reichen wird.“


Die Heinigs: Katrin Dörre-Heinig, Katharina und Wolfgang Heinig

Von Anfang an hatte Katharina Heinig einen späten Marathon-Termin eingeplant. Hintergrund ist ihre Operation an der linken Ferse im letzten Mai und die damit verbundene lange Regenerations- und Aufbauphase. „Ich habe erst im September das Lauftraining wieder aufgenommen. Vor meinem Marathon brauche ich jeden Tag.“ Operativ entfernt worden war ein entzündeter Schleimbeutel, zudem Teile des Fersenknochens. Die Beschwerden am Achillessehnenansatz sind überwunden, ab und zu verspüre sie noch ein leichtes Ziehen. Ein Grund zur Besorgnis sei das aber nicht, wurde ihr von den Ärzten am Universitätsklinikum Homburg/Saar versichert. Zweimal pro Woche physiotherapeutisch behandeln lässt sie sich noch immer. „Das hält den Fuß locker.“ Dazu kommen spezielle Stabilisierungsübungen.

Apropos Dopingkontrollen in Iten: Katharina Heinig beschreibt sie nur als „eingeschränkt unangekündigt“. Im Konkreten heißt das: Die Kontrolleure wohnten im Camp, waren für die Athleten relativ leicht zu erkennen. („Das ist doch ein Kontrolleur, oder?“) Definitive Prognosen konnte man zwar keine abgeben. („Einmal haben wir erwartet kontrolliert zu werden, doch dann wurden nur Kenianer ausgewählt.“) Doch sind das die Bedingungen, die sich faire Sportler wünschen? Wohl kaum. „Und wie geht man mit Athleten um, die nicht im Camp wohnen?“ fragt Katharina Heinig. Straßennamen und Hausnummern wie in Deutschland suche man in Iten vergebens. Die Polizeibeamtin hat für sich einen Weg gefunden mit diesen Missständen umzugehen, zumindest bis auf Weiteres: „Ich mache mir nicht zu viele Gedanken, bleibe wachsam und konzentriere mich auf meine Leistung. Was bleibt mir auch anderes übrig?“

Tammo Lotz

Zu den Ergebnissen des Paderborner Osterlaufs

 


28.03.2016