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Die Historie des Auestadions: 1956 - eine Einweihung für höchste Ansprüche


Manfred Molzberger, links, hier mit Manfred Steinbach, Mitte, und dem KSVler Otto Gerke, sprang 1956 in Kassel 7,43 Meter weit und stellte eine Jahresbestleistung auf (Foto: HNA-Regiowiki)

Am 18./19. Juni 2016 finden im Kasseler Auestadion die 116. Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften statt. Nach 2011 zum zweiten Mal. Aber das Auestadion im Norden von Hessen war schon viel früher eine Wettkampfstätte für Sportfeste, Titelkämpfe und Meisterschaften. hlv.de beginnt mit diesem Beitrag eine vierteilige Serie, die sich mit der wechselhaften Leichtathletik-Historie des Auestadions beschäftigt. Die nächsten Folgen erscheinen am 20. und 27. Mai sowie am 3. Juni. Also immer freitags und gegen Abend. Quasi als Lektüre zum Wochenende. Autor ist jeweils Peter Fritschler, der sich seit Jahrzehnten als Leichtathletik-Kenner - nicht nur in Kassel - einen Namen gemacht und viele Leistungen und Anekdoten zusammengetragen hat. An diese Stelle nochmals herzlichen Dank für seine Unterstützung. In den Tagen unmittelbar vor den 116. Titelkämpfen steigt hlv.de dann in die aktuelle Berichterstattung ein.

Genau 60 Jahre ist in diesem Jahr her, dass die damals neuen Leichtathletik-Anlagen des Auestadions eingeweiht wurden: Am 17. Juni 1956 veranstaltete der frühere KSV Hessen sein erstes internationales Sportfest. Die Fußballer hatten das neue Stadion bereits zuvor eingeweiht. Der KSV Hessen Kassel unterlag am 23. August 1953 in der Oberliga Süd, seinerzeit die höchste Spielklasse, vor 20.000 Zuschauern gegen Viktoria Aschaffenburg 1:2.

Die Leichtathleten hatten drei Jahre später bei ihrem Debüt im Stadion 12.000 Zuschauer. Und die bekamen auf der neuen roten Aschenbahn und dem Rasen des Stadions gute Leistungen zu sehen. Von Olympiahoffnungen - vom 22. November bis 8. Dezember fanden in Melbourne Olympische Sommerspiele statt - und jungen Talenten war da in den „Hessischen Nachrichten“ zu lesen.


Der damals 18-jährige Helmut Kropf lief 1956 über 800 Meter als Dritter 1:54,2 Minuten (Foto: HNA-Regiowiki)

Und es gab Leistungen, die sich durchaus sehen lassen konnten. Die waren seinerzeit auch ein Beweis dafür, dass die neue Bahn für damalige Verhältnisse höchsten Ansprüchen gerecht wurde. Es gab vier neue Jahresbestleistungen: Der Gummersbacher Manfred Molzberger sprang 7,43 Meter weit, Heiner Will (Rendsburg) warf den Speer über 76,23 Meter, der Koblenzer Horst Drumm gewann den Stabhochsprung mit 4,10 Metern und Guido Blankenhagen (Hüls) siegte über 3.000 Meter Hindernis in 9:07,4 Minuten. Eine ausgezeichnete Zeit lief dazu die Frauen-Sprintstaffel von Eintracht Frankfurt in der Besetzung Ebenritter, Weigel, Schwarzkopf und Egert mit 46,7 Sekunden.

Und auch die heimischen Athleten schlugen sich hervorragend. Der Eschweger Horst Polowczyk wurde mit 64,40 Metern Zweiter im Speerwurf, der Fritzlarer Hübner mit 3,83 Metern im Stabhochsprung. Für Seppl Klick (Fritzlar) gab es Rang zwei (Kugel/15,54 Meter) und drei (Diskus/43,79 Meter). Der damals 18-jährige Helmut Kropf (KSV Hessen) lief als Dritter über 800 Meter in 1:54,2 Minuten seine spätere Bestzeit auf dieser Distanz. Einen dritten Platz gab es auch für den heute 82-jährigen Hans Wulff (KSV Hessen) im Hammerwerfen mit 51,44 Metern.


Hans Wulff, früher einer der besten deutschen Hammerwerfer, wurde beim ersten Sportfest des KSV Hessen im Auestadion Dritter (Foto: HNA-Regiowiki)

Im Juni 1958 lief die 4x800-Meter-Staffel des TSV Bayer Leverkusen beim Sportfest des KSV Hessen in 7:28,8 Minuten deutschen Rekord. Von Armin Hary, der die 100 Meter in 10,9 Sekunden gewann, hätte niemand gedacht, dass er nur zwei Jahre später Weltrekordhalter und Olympiasieger werden würde. Beim DLV-Frauensportfest mit Teilnehmerinnen aus Belgien, England, Polen und den Niederlanden kamen trotz Regens 12.000 Zuschauer. Und die sahen im Hürdensprint, der bis 1968 nur über 80 Meter ging, den Weltrekordlauf der Engländerin Betty Moore. Sie stellte mit 10,5 Sekunden den alte Marke von Erika Fisch (Hannover/10,7) ein.

Im Mai 1976 war das nationale Sportfest des KSV Hessen vorerst die letzte größere Veranstaltung dieser Art im Auestadion. Erst als der PSV Grün-Weiß Kassel 1987 mit seinen Meetings anfing, kam wieder Bewegung in die Szene. Aus diesen Meetings wurde dann 1998 das Askina-Sportfest.

Peter Fritschler

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13.05.2016