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Warum Nico Sonnenberg auf die EM verzichtet


Über 3.000 Meter Hindernis soll es krachen - Nico Sonnenberg (Foto: IRIS)

Es war nur eine Notiz, die selbst Interessierte schnell überlesen konnten. „…, der seine Saisonplanung aufgrund von Irritationen in der Vorbereitung neu ausrichten muss.“ Mit dieser Meldung vom 21. Mai, formuliert im schönsten und somit verklausulierten PR-Sprech, wurde der Verzicht von Nico Sonnenberg auf die Europameisterschaft in Amsterdam kommuniziert. Dort hätte der 24-jährige von der LG Eintracht Frankfurt eigentlich am 10. Juli im deutschen Europacup-Team starten sollen. Qualifiziert hatte er sich Anfang April beim Halbmarathon in Berlin mit einer Zeit von 64:46 Minuten, die Nominierung von Bundestrainerin Katrin Dörre-Heinig erfolgte vier Wochen später. Und dann die Wende rückwärts. Nachrücker ist übrigens Philipp Pflieger aus Regensburg. Doch was steckt dahinter, wenn ein Athlet seine erste Teilnahme an einer internationalen Meisterschaft im Aktivenbereich aus eigenem Willen streicht?

Auf den kleinsten Nenner gebracht folgendes: Sonnenberg zockt, zumindest ein bisschen, er geht kompromisslos aufs Ganze. Indem er den EM-Halbmarathon getauscht hat gegen die sportliche Chance, sich für die Olympischen Spiele in Rio zu qualifizieren. „Ich hätte auf Nummer sicher gehen können“, sagt er. „Aber ich bin in das Wettkampfjahr 2016 gegangen, um bei Olympia dabei zu sein.“ Sein Anspruch ist hoch, er weiß, dass er scheitern kann. „Aber ich will mir in ein paar Wochen nichts vorwerfen können“. Sein Ziel: nach der Sommersaison bester deutscher Hindernisläufer und in Rio am Start gewesen sein. Und deshalb hat Sonnenberg nach dem verpatzten Auftakt am Pfingstmontag in Rehlingen seine Pläne geändert. Denn der Saisoneinstand über 3.000 Meter Hindernis fiel, auch wegen einer nicht abgeklungenen Erkältung, die ihn letztlich drei Wochen plagte, mit 8:55,43 Minuten äußerst bescheiden aus. Die EM- und Olympia-Norm in dieser Disziplin ist bei 8:30 Minuten festgezurrt. „Und ich dachte, ich laufe die Norm locker.“

Doch die Erkältung brachte den B-Kaderathleten aus dem Tritt. Statt, wie erhofft, die Norm in Rehlingen auf Anhieb zu erfüllen und sich anschließend wie von Katrin Dörre-Heinig gefordert, seriös auf die Halbmarathon-EM vorzubereiten, sagte Sonnenberg in Absprache mit seinem Heimtrainer Wolfgang Heinig ab und ging weiterhin seiner eigentlichen Berufung mit Hindernissen und dem Wassergraben nach. „Jetzt fühle ich langsam wieder eine gewisse Frische“, sagt er. Am vergangenen Wochenende war Sonnenberg, der wöchentlich 35 Stunden als Account Manager bei einem Darmstädter Software-Unternehmen arbeitet, beim Meeting in Oordegem (Belgien) am Start. In einem Rennen mit 32 anderen Läufern. Das Ergebnis: 8:42,32 Minuten, recht knapp über seiner persönlichen Bestzeit aus dem Vorjahr (8:40,54), Platz 14. Und vor Sonnenberg liefen drei andere Deutsche ins Ziel: Fabian Clarkson (SCC Berlin/8:37,74), Hannes Liebach (SCC Berlin/8:39,15) sowie Patrick Karl (TV Ochsenfurt/8:41,51). Der Sieger Mohamed Boulama aus Marokko kam in 8:31,05 Minuten ein.

„Bis 2.200 Meter war ich auf Olympiakurs, obwohl ich viel auf der zweiten Bahn laufen musste“, sagt der Hesse. Dann wurde es schwer und auf den letzten 600 Metern „sehr schwer“. Doch er nähere sich der gewünschten Form. Am Freitag hofft er bei einem Meeting in Spanien auf eine „weitere Steigerung“. Übernächster Wettkampfstopp sind dann die deutschen Meisterschaften in Kassel (18./19. Juni). Sollte es dann noch nicht geklappt haben mit der Rio-Norm, könnte sich anschließend bei einem Start in Belgien eine weitere Chance auftun.

Uwe Martin

 


30.05.2016