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Vor den Hessenmeisterschaften in Kassel: Spurensuche in den Meldelisten


Ariane Friedrich (Foto: Benjamin Heller)

Es ist ja jedes Jahr das gleiche Spiel. Vor den Landesmeisterschaften wirft der geneigte Leser, sei es als Athlet, Trainer, Betreuer, Fan, Leichtathletik-Interessierter oder Fachjournalist einen Blick in die Meldelisten und sucht nach Namen. Und stellt dann, nicht nur in Hessen, fest, dass die meisten Spitzenkräfte nicht dabei sein werden. So auch am Wochenende 4./5. Juni bei den Titelkämpfen Aktive/U18 im Kasseler Auestadion. Also genau dort, wo zwei Wochen später die Deutschen stattfinden werden. Nun ist Papier (genauer gesagt Online-Meldelisten) bekanntlich geduldig, deshalb hat hlv.de stichpunktartig etwas genauer hingesehen. Und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass es mit dem Zuspruch gar nicht schlecht aussieht. Insbesondere beim hessischen U18-Nachuchs. Im Aktivenbereich, nun ja. Doch auch hier gibt es Ausschläge nach oben. So wird die deutsche Hochsprung-Rekordhalterin Ariane Friedrich (LG Eintracht Frankfurt) in Kassel an den Start gehen.

Nun sollte niemand den Fehler machen und die 31-Jährige derzeit an dem messen, was sie einst geleistet hat - vor ihrem Achillessehnenriss und vor der Babypause. Ariane Friedrich kämpft sich auch in der Freiluftsaison, wie bereits im Winter, peu à peu nach vorne. Bislang, zugegeben, mit bescheidenem Erfolg. Ihr Saisonauftakt in Eppingen war mit 1,83 Meter zehn Zentimeter entfernt von der Olympianorm, dem großen Ziel der WM-Dritten von 2009. „Eppingen war unter dem Erwartungshorizont“, sagt ihr Trainer Günter Eisinger. Auch weil seine Athletin in den letzten drei Schritten zu langsam gewesen sei („Wir hatten das Gefühl, sie schleicht im Anlauf“). Biomechanische Ergebnisse von diesem Wettkampf bestätigten den Eindruck. Nun soll es aber aufwärts gehen. In einem überschaubaren Feld und ohne Konkurrenz, denn ihre Vereinskollegin Mona Gottschämmer (1,86 Meter im Jahr 2015) wird bei der Gala in Regensburg dabei sein. Wie auch Georg Fleischhauer (400 Meter Hürden), Kamghe Gaba (400 Meter) und Julia Gerter (alle LG Eintracht Frankfurt/400 Meter). Einen Sportausflug der etwas anderen Art gönnt sich Martin Günther: Der Hochspringer von der LG Eintracht Frankfurt ist außerhalb der Wertung bei den Baden-Württemberg-Titelkämpfen in Stuttgart präsent.


Steven Müller (Foto: Benjamin Heller)

Ein ungefährdetes Solo dürfte es für Florian Daum vom Wiesbadener LV (WLV) über 100 und 200 Meter nicht werden, auch wenn der Student zumindest über die kürzere Sprintdistanz aufgrund seiner persönlichen Bestzeit von 10,28 Sekunden als klarer Favorit gilt. Denn der 10,24-Sprinter Michael Pohl, ebenfalls WLV, wird wohl aus gesundheitlichen Gründen auf die Titelkämpfe in Kassel verzichten. Er hat leichte Probleme im Oberschenkelbeuger. Auch Nils Keßler (WLV) ist nicht dabei, so dass es über 100 und 200 Meter auf ein Duell Daum vs. Steven Müller (LG ovag Friedberg-Fauerbach/21,28 über 200 Meter) hinauslaufen könnte. Bei den Frauen dürfte Lara Matheis (TSG Gießen-Wieseck) recht souverän schnellste Frau Hessen werden, denn die EM- und Olympiakandidatin Lisa Mayer (LG Langgöns/Oberkleen) hat nicht gemeldet.

Und sonst? Im Weitsprung wurde die deutsche Elite-Weitspringerin Maryse Luzolo (Königsteiner LV) gemeldet. Aber auch nur das. Für die U20-WM-Dritte von 2014 ist das Weit- und Dreisprungmeeting in Oberteuringen (Bodenseekreis) attraktiver. Über 5.000 Meter ("Aus dem Training heraus versteht sich") hat der EM-Teilnehmer im Halbmarathon, Jens Nerkamp von Grün-Weiß Kassel, ein Heimspiel. Zehnkämpfer Fabian Christ (LG Eintracht Frankfurt) setzt in Kassel seine Zwischensaison über 400 Meter Hürden fort und wird allen davonlaufen, Siebenkämpferin Christina Kiffe (ASC Darmstadt) ist zwei Wochen nach ihrem Comeback in Marburg (5.542 Punkte) mit 50,04 Metern beste gemeldete Speerwerferin. Die Feststellung, dass Sabine Rumpf und Julia Bremser (beide LSG Goldener Grund Selters/Ts.) ihre erfolgreichsten Diskus-Wettkampftage - bei allem Respekt vor dem zu erwartenden Zweikampf in Kassel - hinter sich haben, dürfte ebenso erlaubt sein wie die Frage, ob Hammerwerferin Carolin Paesler (LG Eintracht Frankfurt) mehr ist als ein ewiges Versprechen. Nach Fußproblemen im Frühjahr ist sie mit 66,28 Meter derzeit die deutsche Nummer vier. Und in Kassel aktiv vor Ort? Eher nicht. Und wenn doch, in welcher Verfassung? Denn am Samstag ist sie in Berlin-Marzahn am Start, wo auch Betty Heidler werfen wird. Der Hammerwurf-Wettbewerb in Kassel findet am späten Sonntagmorgen statt.

Nun aber zu den Unter-18-Jährigen…


Miriam Sinning in Weinheim vor Jessica Suschlik (U20) (Foto: Thomas Sinning)

In der hessischen Nachwuchs-Leichtathletik herrscht nicht gerade ein Überangebot an Talenten, darauf kann man sich verständigen. Doch es gibt sie, die Hoffnungsträger, die in den nächsten Jahren auch im nationalen und internationalen Kontext eine ansprechende Rolle spielen könnten. Solche Prognosen sollten mit Bedacht ausgesprochen werden, das ist klar. An dieser Stelle die Herausforderungen aufzuzählen, vor denen jugendliche Sportler stehen, ist jedoch nicht das Thema.

Über 100 Meter Hürden sind die derzeit schnellsten beiden Deutschen gemeldet, Miriam Sinning von der LG Eintracht Frankfurt (13,64 Sekunden) und Marshella Foreshaw vom Königsteiner LV (13,65). Beide haben die vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) geforderte Vorleistung für die ersten U18-Europameisterschaften in Tiflis bereits deutlich unterboten (13,80). In Georgien winkt der Einsatz im Nationaltrikot. Es wäre nicht der erste für Miriam Sinning, die bei Petra Schenten trainiert und letztes Jahr beim Europäischen Olympischen Jugendfestival (EYOF) den dritten Platz im Hürdensprint belegte. Eine Kandidatin für die U18-WM im Siebenkampf war Sinning (5.212 Punkte) auch. Am Ende war Elena Kelety (ebenfalls Königstein/5.436) noch stärker. Der hessische Mehrkampf lebt also auch im Nachwuchsbereich. Sinning, Foreshaw und Kelety sind in Kassel in mehreren Disziplinen am Start, auch um für den Mehrkampf in Kreuztal (11./12. Juni) zu testen, dem EM-Qualifikationswettkampf. Zu den Aussichten von Miriam Sinning sagt Petra Schenten: „Miriam hofft auf einen guten Wettkampf und eine Bestleistung, aber im Mehrkampf sind andere stärker.“

Ebenfalls in Kassel im Fokus: die Sprinterin Jennifer Zuban vom TSV Remsfeld, der mit bisher erbrachten 11,94 Sekunden über 100 Meter nur vier Hundertstel zur EM-Norm fehlen. Die zurzeit schnellste U16-Sprinterin Deutschlands kommt aus Wiesbaden und heißt Jeanne Mbiena Yombock (12,37). Ein Junge mit Perspektive ist Michael Schäfer von der TSG „Slitisa“ Schlitz; er führt die nationale Bestenliste über 400 Meter an (48,82). Oder der 800-Meter-Läufer Oskar Schwarzer vom TV Groß-Gerau, der sich auf 1:55,05 Minuten verbessert hat.

Ein „prominenter“ Name fehlt in den Teilnehmerlisten: Lukas Sandmann (WLV), der sich mit 10,64 Sekunden über 100 Meter bereits für die U18-EM empfohlen hat. Er bereitet sich auf einen EM-Qualifikationswettkampf in Walldorf vor. So könnte die Stunde von Lennard Wagner (LG Eintracht Frankfurt/10,86) schlagen. Oder über 1.500 Meter die des deutschen Jugend-Crossmeisters Julius Hild (SSC Hanau-Rodenbach). Und aus der Rodenbacher Lauf-Talentschmiede um Trainer Sascha Arndt kommt auch Marius Abele, der Bruder von Lukas Abele, dessen Nominierung für die U20-WM nur noch eine Formsache sein sollte.

Uwe Martin / tam

Zu den Teilnehmern

 


02.06.2016