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„Mein Ziel ist die EM - aber erst 2018 in Berlin“


Laura Hottenrott: DM-Dritte über 5.000 Meter 2015 (Foto: IRIS)

Heimspiel für Laura Hottenrott. Bei den deutschen Meisterschaften in ihrer Geburtsstadt Kassel geht die 24 Jahre alte Studentin über 5.000 Meter auf Bestzeitenjagd. "Ich trainiere qualitativ höher als letztes Jahr, es sieht gut aus", verrät die Läuferin des GSV Eintracht Baunatal hlv.de im Interview. Darüber hinaus hat die Nordhessin bereits die EM 2018 in Berlin ins Auge gefasst. Ein Start für Deutschland wäre der Höhepunkt in Laura Hottenrotts Karriere, die in den letzten vier Jahren überwiegend in den USA stattgefunden hat. Vier Jahre Biologie-Studium, zuerst in Portland (Oregon), dann an der Boston State University, daneben vordere Platzierungen und Auszeichnungen im US-College-Sport. Mittlerweile ist Laura Hottenrott wieder in Deutschland. Das Masterstudium beginnt im Herbst, Fachrichtung: die Schnittstelle zwischen Biologie, Ernährung und Sport. Nun aber erst einmal die DM. Wenige Tage vor dem ersten Startschuss im Auestadion spricht Laura Hottenrott über Motivation, Herausforderungen und sportliche Ziele.

Hallo Frau Hottenrott, wo haben wir Sie gerade erwischt?
Ich bin im Höhentrainingslager in St. Moritz, schon seit knapp zwei Wochen. Ich habe viel mit Sabrina Mockenhaupt zusammen trainiert. Letztes Jahr war es ähnlich. Von St. Moritz bin ich direkt zur DM gereist und dort über 5.000 Meter Dritte geworden. Dieses Jahr geht’s am Donnerstag nach Kassel, am Sonntag ist mein Rennen.

Was haben Sie sich vorgenommen?
Eine neue Bestzeit. Es läuft gut und ich trainiere qualitativ höher als letztes Jahr. Im Mai bin ich in den USA 15:55,87 Minuten gelaufen. Meine schnellste Zeit stammt aus der Halle, (Anm. d. Red.: 15:47,28 im Dezember). In einem schnellen Rennen brauche ich mir um die Uhr keinen Stress zu machen. Zumal das Niveau in Kassel deutlich höher sein sollte als letztes Jahr. In Nürnberg blieb nur Alina Reh unter 16 Minuten, dieses Jahr haben schon fünf Läuferinnen 15er-Zeiten stehen. (Anm. d. Red: unter der EM-Norm von 15:30 blieb bisher Maren Kock mit 15:24,73). Dazu kommt die Olympia-Achte von 2012, Julia Bleasdale (vorher Großbritannien/Lauf-Team Haspa Marathon Hamburg).


Laura Hottenrott: DM-Zweite über 10.000 Meter 2016 (Foto: IRIS)

Sie waren vier Jahre in den USA. Was hat Ihnen diese Zeit gebracht?
Ich bin insgesamt selbstständiger, unkomplizierter und genügsamer geworden. Ich habe mich immer wieder auf neue Situationen einstellen müssen, bin fünfmal umgezogen, habe viele neue Leute kennengelernt. Seitdem mache ich mir über Materielles weniger Gedanken.

Und was ist für Sie typisch amerikanisch, was typisch deutsch?
Im Sport liegt in den USA der Fokus auf dem Teamgedanken, es wird zusammen trainiert, jeder soll sich mit dem Team identifizieren. In Deutschland ist man eher auf sich gestellt.
Was ich sehr schätze, ist, dass der Umgang in Deutschland ehrlich und direkt ist. Die Amerikaner sind stattdessen zuvorkommend und freundlich. An diese Unterschiede musste ich mich erst gewöhnen.

Wissenschaft und Leistungssport – warum beides?
Ich brauche Herausforderungen, geistig und körperlich. Sport alleine würde den Tag nicht ausfüllen. Und nur studieren geht auch nicht. Mit meinen Vater (Anm.: Kuno Hottenrott, Professor für Trainingswissenschaft und Sportmedizin an der Martin-Luther-Universität in Halle/Wittenberg) habe ich schon immer Ausdauersport gemacht, sei es Laufen, Mountainbike, Skilanglauf oder Schwimmen.
Um Leistungssport und Studium zu kombinieren, muss man gut organisiert sein. Manchmal lerne ich mehr, manchmal trainiere ich mehr. In den Studienphasen kommt sportlich Qualität vor Quantität. In den Trainingslagern fahre ich die Umfänge höher.

Wie sieht Ihr Tagesablauf als Studentin aus?
Das variiert. Morgens ein Dauerlauf nach dem Aufstehen, danach duschen, frühstücken, dann Vorlesungen und Seminare, gefolgt von der nächsten Laufeinheit, zum Beispiel Intervalltraining. Danach ging es in den USA noch drei Stunden ins Labor. Das macht müde.


Laura Hottenrott im Trikot des Boston College (Foto: privat)

Ist das mehr Spaß oder mehr Arbeit?
Es ist nicht immer Spaß. Dauerläufe und Tempodauerläufe gehen eigentlich immer, aber Intervalltraining ist Kopfsache. Da bin ich froh, wenn es vorbei ist. Mit einem Trainingspartner ist es aber nicht ganz so schwer.
Insgesamt überwiegen bei mir Spaß und Freude, da es in den letzten Jahren stetig aufwärtsgegangen ist. Ich kann aber verstehen, dass man den Sport in Krisen und Verletzungsphasen hinterfragt. Das war bei mir aber noch nicht der Fall.

Sind Sie ein asketischer Mensch?
Natürlich achte ich auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung. In der Wettkampfphase fällt es mir auch nicht schwer das durchzuziehen. In der Off-Season mache ich schon mal Ausnahmen.
Insgesamt habe ich immer noch Freizeit. Dann treffe ich mich gern mit Freunden und gehe abends weg.

Wo soll es für Sie in den nächsten Jahren hingehen?
Zunächst will ich auf der Bahn bleiben und bei den 5.000 Metern. Die EM ist ein realistisches Ziel – aber erst 2018 in Berlin. Danach kann ich mir einen Wechsel auf die Straße vorstellen, aber da ist noch nichts konkret.
Beruflich ist die Lehre und Forschung an der Universität eine Option, ebenso die Unternehmungsforschung im Bereich Biotechnologie.

(Das Gespräch führte Tammo Lotz)

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15.06.2016