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DM Kassel, Tag 2: Tag der Landesrekorde: Mayer, Demes und Kistner setzen neue Richtmarken


Lisa Mayer: Wieder Zweite (Fotos: IRIS)

Die HLV-Nachwuchsathleten drückten am zweiten Wettkampftag der Deutschen Meisterschaften in Kassel mächtig aufs Tempo. Vor allem Lisa Mayer von der LG Langgöns/Oberkleen. Platz zwei über 200 Meter in 22,87 Sekunden, den Meistertitel nur um drei Hundertstel verpasst und die erste hessische Zeit unter 23 Sekunden – die Europameisterschaften und Olympischen Spiele können kommen. So weit ist Eileen Demes noch nicht. Aber auch die 18 Jahre alte Neu-Isenburgerin legte ein erfolgreiches Wochenende auf die Bahn, wurde Zweite über 400 Meter Hürden und egalisierte des hessischen U20-Rekord von Christiane Klopsch aus dem Jahr 2009 (57,87 Sekunden). Und noch ein Landesrekord in der Altersklasse U20 fiel im Auestadion: Sarah Kistner vom MTV Kronberg lief über 5.000 Meter auf Rang sechs und blieb in 16:26,17 Minuten unter der sehr alten Richtmarke von Britta Lorch (SC 1880 Frankfurt/16:27,35), erzielt am 12. September 1986 in Gelnhausen.

"Ich befinde mich gerade im Gefühlschaos." Lisa Mayer musste erst einmal verarbeiten, was sie gerade im Auestadion geleistet hatte: 22,87 Sekunden über 200 Meter, schneller als je eine Hessin zuvor war sie diese Strecke gesprintet. Was in diesem speziellen Fall auch heißt: schneller als Lisa Mayer zuvor. 23,04 und 23,06 Sekunden, zweimal bereits in den letzten Wochen hatte Mayer den zuvor 44 Jahre alten Landesrekord von Christiane Krause (ASC Darmstadt/23,19/1972) verbessert. „Heute wollte ich Gina das Leben schwermachen, so lange wie möglich, unbedingt.“ Das ist der Athletin von Trainer Rainer Finkernagel auf ihrer Lieblingsstrecke eindrucksvoll gelungen. Erst auf den letzten 20 Metern kam die Favoritin Gina Lückenkemper (22,84 Sekunden) aus Dortmund immer näher. „Und ich habe meine Knie nicht mehr hochbekommen. Die Zeit ist klasse, aber ich hätte natürlich gern gewonnen.“ Ein fürwahr kleiner Wermutstropfen, wenn man die Zeit von Lisa Mayer kontextualisiert. Seit der deutschen Wiedervereinigung sind nur zehn Frauen schneller als Lisa Mayer gelaufen. Auf Platz sieben lief die zweite hessische Finalistin, Lara Matheis von der TSG Gießen-Wieseck (23,97), nach persönlicher Bestzeit im Vorlauf (23,72).


Eileen Demes: „Wahnsinn“

"Die Zeit ist der Wahnsinn, aber die Zielgerade geht noch besser. Da muss ich noch mutiger werde." Diese Worte stammen von Eileen Demes, der 400-Meter-Hürden-Läuferin vom TV Neu-Isenburg. Gerade hatte sie ihre zweite Bestzeit des Wochenendes erzielt, in 57,87 Sekunden, Platz zwei hinter der Favoritin Jackie Baumann (Tübingen/56,87), inklusive der Einstellung des hessischen U20-Rekordes. Als erste hessische Nachwuchsathletin war Christiane Klopsch (TSV Friedberg-Fauerbach) die 57,87 Sekunden gelaufen, und zwar bei den deutschen Juniorenmeisterschaften am 28. Juni 2009 in Göttingen. Das Ziel für die weitere Saison definiert die in England geborene Eileen Demes ganz klar: „Bei den U20-Weltmeisterschafte will ich ins Finale.“

Nicht Laura Hottenrott vom GSV Eintracht Baunatal war die schnellste Hessin über 5.000 Meter, sondern Sarah Kistner vom MTV Kronberg. Platz sechs in 16:26,17, über eine Sekunde unter dem fast 30 Jahre alten U20-Hessenrekord auf dieser Strecke. „Das Tempo am Anfang hielt sich im Rahmen, das kam mir entgegen“, sagte die Athletin von Trainer Martin Lütge-Varney. Mit der U20-WM-Norm von 16:20 Minuten wurde es zwar nichts. „Aber das war auch nicht das Ziel. Vor knapp zwei Monaten wurde ich an der Nase operiert.“ Es folgte eine zehntägige Trainingspause. Der Hintergrund: eine hartnäckige Nasennebenhöhlenentzündung seit Dezember. Jetzt denkt die vielseitige Sarah Kistner bereits an die Berglaufsaison, die DM im August und die WM einen Monat später. Die weiteren Hessinnen im Feld: Julia Fritz, LC Eschenburg, 17:05,02, Platz 15, direkt dahinter Anna Reuter, PSV Grün-Weiß Kassel, 17:07,09, persönlicher Bestleistung; Monika Pletzer, SF Blau-Gelb Marburg, 17:30,93, Platz 19. Laura Hottenrott, sie hatte forsch begonnen, ging wegen Wadenkrämpfen nach sieben Runden vorzeitig aus dem Rennen.

Gestern die herausragende Betty Heidler, dazu der zweite Platz von Kathrin Klaas. Heute zog Garland Porter nach, ebenfalls mit Rang zwei. Die LG Eintracht Frankfurt geht mit drei Hammerwurf-Medaillen nach Hause. Nur der Titelverteidiger Alexander Ziegler (Dischingen/72,50 Meter) ließ das Wurfgerät weiter fliegen als Porter (71,00). „Ich wollte gewinnen, aber im Wettkampf konnte ich nicht alles umsetzen“, sagte der US-Amerikaner im Frankfurter Trikot, der sich im Juni 2014 der Trainingsgruppe um Bundestrainer Michael Deyhle (Berlin) angeschlossen hatte.

Es bleibt dabei: Homiyu Tesfaye läuft seinem ersten deutschen Meistertitel im Freien weiter hinterher. Wie vor zwei Jahren zeigte Timo Benitz (Nordschwarzwald/3:40,28 Minuten) den stärksten Spurt. Ganz knapp der Einlauf dahinter: Zeitgleich liefen der Frankfurter und Florian Orth (Regensburg/beide 3:40,67) ein; das Zielfoto sprach für den gebürtigen Äthiopier. „Mir hat ein wenig die Spritzigkeit gefehlt, aber bis zur EM und Olympia bleibt mir noch ein wenig Zeit“, so Tesfaye, der im Vorfeld zweimal die Olympia- und EM-Normen erbracht hatte. Den Feinschliff für die kontinentalen Titelkämpfe holt sich Tesfaye in Hessen, nach der EM steht ein weiteres Höhentrainingslager an, diesmal in Davos.


Garland Porter: Aus Tennessee nach Berlin

EM-Norm verpasst, dafür das DM-Treppchen erklommen – so liest sich das Arbeitszeugnis von 800-Meter-Läufer Marc Reuther vom Wiesbadener LV. In 1:47,82 Minuten belegte er hinter Benedikt Huber (Regensburg/1:47,17) und dem Olympia-Teilnehmer von 2012, Sören Ludolph (Braunschweig/1:47,80), Rang drei. Die 1:46,50, die den Weg zur EM in Amsterdam geebnet hätten, waren nach aufreibenden Wochen mit vielen Wettkämpfen eine Nummer zu groß.

Auch bei den Frauen war der HLV auf dem Podest vertreten. Hinter der überragenden Jugendlichen Konstanze Klosterhalfen (Leverkusen/4:07,92) und der Zweiten Maren Kock aus Regensburg (4:11,89) lief Diana Sujew von der LG Eintracht Frankfurt auf Rang drei in 4:12,27 Minuten. Saisonbestleistung ja, EM-Norm, diese steht bei 4:09, nein.

Die 4x400-Meter-Staffel der StG Schlüchtern/Flieden/Obertshausen mit Schlussläufer Constantin Schmidt (zu ihm später noch mehr) gab auf den letzten 100 Metern alles – und wurde mit Platz drei belohnt. Der Abstand des hessischen Quartetts mit Aleksi und Jaakkima Rösler sowie Eric Herbert auf den Positionen eins bis drei auf die TSG Bergedorf (4.) betrug gerade einmal vier Hundertstel (3:13,02 zu 3:13,06 Minuten).

Zwei hessische Männer qualifizierten sich für das 200-Meter-Finale. Dort lief Steven Müller von der LG ovag Friedberg-Fauerbach persönliche Bestzeit, 21,01 Sekunden, und wurde Vierter. Nach einem Hausrekord im Vorlauf (21,24) behinderten Florian Daum (Wiesbadener LV) im Finale Oberschenkelprobleme; der BWL-Student konnte nicht mehr sein volles Potenzial abrufen und wurde schließlich Achter (21,91). Daums Mannschaftskollege Michael Pohl überstand den Vorlauf nach 21,86 Sekunden nicht.


Nico Sonnenberg: Analyse nötig

Klare Worte von Nico Sonnenberg, der auf die sichere EM-Teilnahme im Halbmarathon verzichtete hatte, um sich über 3.000 Meter Hindernis für Olympia zu qualifizieren. "Ich habe nicht die Form, die ich mir erhofft hatte." Den Wettkampf in Kassel, die sehr wahrscheinlich letzte Chance für Amsterdam und Rio, beendete der Athlet von der LG Eintracht Frankfurt als Fünfter in 8:49,54 Minuten, die Norm liegt jeweils bei 8:30 Minuten. Verzockt, könnte man sagen, und so deutlich hat es Sonnenberg auch formuliert. Auch für die vor ihm Platzierten reichte es nicht. Die 3.000 Meter Hindernis entwickeln sich somit allmählich zu einem Nischenwettbewerb im DLV. Sonnenberg will nun in Ruhe analysieren, "was in der Vorbereitung falsch gelaufen ist". Denn noch Ende März, direkt nach seiner Rückkehr aus dem Höhentrainingslager in Kenia, habe er eine "Mega-Form" gehabt. Was sich auch in der Halbmarathon-Bestzeit von 64:46 Minuten gezeigt hat. "Danach ist irgendetwas falsch gelaufen." Nur was? In Kassel, meint Sonnenberg, habe er eine etwas bessere Zeit an den zwei letzten Wassergrabenüberquerungen liegen lassen. Doch eine realistische Chance, die Norm zu erreichen, hatte keiner der 13 Finalisten. Platz elf belegte Felix Thum (LC Eschenburg/9:15,29).

Ratlos und leer, so fühlte sich 400-Meter-Hürdenläufer Georg Fleischhauer von der LG Eintracht Frankfurt nach seinen Finale. Dort belegte der von Volker Beck trainierte WM-Halbfinalist von 2011 den enttäuschenden sechsten Platz in 52,26 Sekunden. "Das laufe ich im Training. Aber im Wettkampf fühlt es sich an, als ob ich einen Rucksack trage. Das kann ich mir nicht erklären." Zum Vergleich: Bei der besagten Weltmeisterschaft vor fünf Jahren lief Fleischhauer 48,72 Sekunden. "Aber das kann doch noch nicht alles gewesen sein?" Jetzt sollen verschiedene gesundheitliche Untersuchungen in den nächsten Wochen Licht ins Dunkel bringen. "Vielleicht habe ich mir irgendetwas eingefangen." Fleischhauer denkt auch über andere Lösungen nach. "Vielleicht lasse ich die Hürden einfach mal weg. Vielleicht kommt so der Spaß zurück."

Der deutsche Meistertitel über 400 Meter ging mit 46,59 Sekunden weg, an den Münchner Johannes Trefz. Zwei Hessen mischten im Finale auch mit. Constantin Schmidt von der TG Obertshausen, mit einer Saisonbestzeit von 46,68 Sekunden ein Kandidat für die Top Drei, kam allerdings nicht weit. Fehlstart, das frühe Aus. So blieb noch Kamghe Gaba von der LG Eintracht Frankfurt. Nach schwierigen letzten Wochen reichte es immerhin noch zum vierten Platz in 47,01 Sekunden.


Constantin Schmidt (r.): In der Staffel rehabilitiert

Ariane Friedrich fehlte in ihrer Heimat das Fortune. Die Frankfurterin, die in Hessisch-Lichtenau sportlich sozialisiert wurde, übersprang im dritten Anlauf 1,84 Meter, Saisonbestleistung, Platz vier. Das war´s. Mehr war aufgrund einer beim Einspringen aufgetretenen Knieverletzung nicht drin. Mehrkämpferin Carolin Schäfer (TV Friedrichstein) übersprang 1,75 Meter und wurde Sechste.

Jens Nerkamp im Trikot des PSV Grün-Weiß Kassel kämpfte bei seinem Heimspiel um jede Sekunde. Während der Favorit Richard Ringer (Friedrichshafen/13:51,88 Minuten) in der Schlussrunde davonzog, spurtete Nerkamp mit dem Regensburger Tim Ramdane Cherif (14:13,36) um den siebten Platz. Mit dem besseren Ende für den Studenten aus Nordhessen (14:13,25/Saisonbestzeit).

Über 4x400 Meter der Frauen mischte die StG EAG Sprintteam Hessen mit. Der Lohn der Mühen für Annika Lensa Lietz, Insa Schütze, Judith Enzeroth und Lara Demes: der Sieg im ersten Zeitendlauf in 3:46,48 Minuten. Diese Zeit bedeutete in der Endabrechnung Platz acht. Den Titel sicherte sich das LT DSHS Köln (3:36,76).

Zum Abschluss noch die Leistungen der Hessen in den Jugendstaffeln in der Altersklasse U20: Über 3x1.000 Meter belegte der Wiesbadener LV mit Sven Krämer, Tom Gebel und Tilman Garthe in 7:43,59 Minuten den neunten Platz, knapp 17 Sekunden hinter dem siegreichen Trio der LG Nord Berlin (7:27,86 Minuten). Die Variante in der weiblichen Jugend U20 sind die 3x800 Meter. Nach 7:05,30 Minuten erreichte der TV Groß-Gerau mit Lotte Mayberg, Nina Bergsträßer und Maike Nehrig das Ziel, Platz sieben. Den Sieg holte sich die LG Olympia Dortmund (6:53,29).


Sarah Kistner: Schneller als erwartet

Die Bilanz der hessischen Starter bei den 116. deutschen Meisterschaften in Zahlen (Plätze 1-8):

1. Platz, 3.000 Meter Hindernis: Gesa Krause (LG Eintracht Frankfurt) 9:31,00 min
1. Platz, Hammerwurf: Betty Heidler (Frankfurt) 75,32 m
2. Platz, 100 Meter: Lisa Mayer (LG Langgöns/Oberkleen) 11,34 sec
2. Platz, 200 Meter: Lisa Mayer 22,87 sec
2. Platz, 1.500 Meter: Homiyu Tesfaye (LG Eintracht Frankfurt) 3:40,67 min
2. Platz, 400 Meter Hürden: Eileen Demes (TV Neu-Isenburg) 57,87 sec
2. Platz, Hammerwurf: Garland Porter (Frankfurt) 71,00 m
2. Platz, Hammerwurf: Kathrin Klaas (Frankfurt) 69,95 m
3. Platz, 800 Meter: Marc Reuther (Wiesbadener LV) 1:47,82 min
3. Platz, 1.500 Meter: Diana Sujew (Frankfurt) 4:12,27 min
3. Platz, 4x400 Meter Männer: StG Schlüchtern-Flieden-Obertshausen 3:13,02 min
3. Platz, Weitsprung: Maryse Luzolo (Königsteiner LV) 6,54 m
4. Platz, 200 Meter: Steven Müller (LG ovag Friedberg-Fauerbach) 21,01 sec
4. Platz, 400 Meter: Kamghe Gaba (Frankfurt) 47,01 sec
4. Platz, Hochsprung: Ariane Friedrich (Frankfurt) 1,84 m
4. Platz, Hammerwurf: Carolin Paesler (Frankfurt) 65,84 m
5. Platz, 3.000 Meter Hindernis: Nico Sonnenberg (Frankfurt) 8:49,54 min
5. Platz, Hochsprung: Martin Günther (Frankfurt) 2,10 m
6. Platz, 5.000 Meter: Sarah Kistner (MTV Kronberg) 16:26,17 min
6. Platz, 400 Meter Hürden: Georg Fleischhauer (Frankfurt) 52,26 sec
6. Platz, Hochsprung: Carolin Schäfer (TV Friedrichstein) 1,75 m
6. Platz, Weitsprung: Xenia Stolz (Wiesbadener LV) 6,27 m
7. Platz, 200 Meter: Lara Matheis (TSG Gießen-Wieseck) 23,97 sec
7. Platz, 5.000 Meter: Jens Nerkamp (PSV Grün-Weiß Kassel) 14:13,25 min
7. Platz, 4x100 Meter (Männer): Wiesbadener LV 41,00 sec
7. Platz, 3x800 Meter (U20 weiblich): TV Groß-Gerau 7:05,30 min
7. Platz, Hammerwurf: Katharina Mähring (Frankfurt) 58,46 m
8. Platz, 200 Meter: Florian Daum (Wiesbaden) 21,91 sec
8. Platz, 4x400 Meter (Frauen): StG EAG Sprintteam Hessen 3:46,48 min
8. Platz, Diskuswurf: Sabine Rumpf (LSG Goldener Grund Selters/Ts.) 53,19 m

Tammo Lotz

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19.06.2016