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1:46,19 Minuten - Marc Reuther läuft in Wiesbaden deutsche Jahresbestzeit über 800 Meter


Marc Reuther nach seinem Rekordrennen (Foto: Martin)

Es gibt einige Indizien, dass die Leichtathletik lebt, im Großen wie im Kleinen, obwohl sie von vielen Beobachtern totgesagt wird und bisweilen selbst zum Schattendasein beiträgt. Der Mittwochabend war so regionale Sternstunde. Als im Wiesbadener Helmut-Schön-Sportpark gegen 20.30 Uhr der 800-Meter-Läufer Marc Reuther zu seinem vollmundig avisierten Angriff auf die Olympianorm von 1:46,00 Minuten startete, standen einige hundert Menschen rund um die Bahn, ganz nah dran. Und sogar zwei Fernsehanstalten drehten bewegte Bilder (hr, Sat.1). Mit dem früheren ZDF-Sportjournalisten Klaus Angermann wollte sich auch eine Reporterlegende vergangener Tage die Tempohatz nicht entgehen lassen. Wie Kinder, Eltern, Betreuer, Trainer, Freunde, Verwandte und Leichtathletik-Interessierte, die zuvor bereits zwei Stunden am Staffel-Abend teilgenommen hatten.

Dass im Vorfeld von Reuther-Trainer Georg Schmidt breitflächig kommunizierte und minutiös vorbereitete 800-Meter-Rennen war das abschließende Highlight. Und es brachte zwei Erkenntnisse: Der 19-jährige Reuther war in 1:46,19 Minuten schneller, als viele Fachleute gedacht hatten, er pulverisierte mit seiner fünften persönlichen Bestzeit in diesem Sommer seinen ehemaligen Hausrekord (1:47:02), lief deutsche Jahresbestzeit und verpasste die Rio-Norm nur denkbar knapp.

Es war ein Wettkampf, der wie bestellt ablief. Bei besten äußeren Bedingungen und mit einer perfekte Renninszenierung um Reuther und den Sieger Alex Rowe aus Australien, der 1:45,78 Minuten erzielte. „Heute habe ich den emotionalsten Wettkampf erlebt und das in Wiesbaden!“, schrieb Weitspringerin Xenia Stolz auf Facebook, die ebenfalls im Trikot des Wiesbadener LV startet. „Die Stimmung war bombastisch, das Event einfach nur perfekt. Es tut mir leid, dass ich nicht das zurückgeben konnte, was ich wollte“, sagte Reuther dem „Wiesbadener Kurier“. Vorzeitig aufgeben wird er nicht, die Olympischen Spiele in Rio hat er weiter im Sinn. Warum auch nicht, ist seine Form doch exzellent. „Das war eine klasse Leistung von Marc. Er hat alles aus sich herausgeholt“, sagte Schmidt. Aber noch ein Rennen von dieser Güte? Reuther will einen weiteren, letzten Versuch starten, um noch in das deutsche Olympia-Aufgebot zu rutschen, wahrscheinlich bei einem Wettkampf in Belgien.

Die deutsche Jahresbestenliste hat der DM-Dritte jedenfalls schon kräftig aufgemischt. Er steht jetzt ganz oben, dahinter folgt der aktuelle EM-Teilnehmer Sören Ludolph (LG Braunschweig/1:46,43), dann sind der deutsche Meister Benedikt Huber (Regensburg/1:46,57), Homiyu Tesfaye (LG Eintracht Frankfurt/1:46,69) und Patrick Zwicker (LC Rehlingen/1:46,90) gelistet.

Uwe Martin

 


30.06.2016