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EM-Vorschau, Teil 1: Die Hammer-Frauen, Lisa Mayer, Gesa Krause und Homiyu Tesfaye


Betty Heidler (Fotos: Iris)

Auf dem Museumplein in der Amsterdamer Innenstadt sind in der Gegenwart des niederländischen Königs Willem-Alexander am frühen Abend des 5. Juli die 23. Leichtathletik-Europameisterschaften eröffnet worden. Gemeldet sind 1.473 Athleten aus 50 Ländern, so viele wie noch nie. Auch das Motto „Athletics Like Never Before“ verspricht viel Neues, wie zum Beispiel die EM-Premiere im Halbmarathon, die Freilose für die schnellsten Sprinter und Hürdensprinter in den Vorläufen (davon profitiert über 200 Meter auch Lisa Mayer) sowie die Qualifikationen im Speer- und Diskuswurf auf dem besagten Museumsplein. Trotzdem: Die kontinentalen Titelkämpfe werden sich in der öffentlichen Wahrnehmung kaum aus dem Schatten der Olympischen Spiele in Rio, die Leichtathletik-Wettbewerbe beginnen am 12. August, lösen können. Auch viele Topathleten wollen erst in einem Monat unter brasilianischer Sonne in Bestform sein. Andere Sportler erfüllen sich bei für sie attraktiven Rahmenbedingungen (es fehlen die Topstars aus den USA, Afrika und aus Übersee, dazu kommt der Ausschluss Russlands) ihren Traum und starten erstmals im DLV-Trikot, wie zum Beispiel der Langstreckler Jens Nerkamp.

Am Mittwoch um 10.45 Uhr beginnen die sportlichen Wettbewerbe mit der Hammerwurf-Qualifikation der Frauen. Dann greift mit Betty Heidler von der LG Eintracht Frankfurt auch die erste „Hessin“ ins Geschehen ein. Acht weitere Sportler aus hessischen Vereinen werden an den fünf Wettkampftagen bis zum Sonntag folgen. Im ersten Teil der EM-Vorschau beleuchtet hlv.de die Aussichten von Betty Heidler, Kathrin Klaas, Lisa Mayer, Gesa Krause und Homiyu Tesfaye. Teil zwei folgt am Freitag.

Betty Heidler: Sagen wir, wie es ist: Bei Europameisterschaften war die 32-jährige Betty Heidler bislang eher selten gut in Schwung. Genau genommen nur einmal, 2010 in Barcelona als Gewinnerin. Zweimal war die Hammerwerferin Fünfte (2006, 2014), einmal schied die Berlinerin und Wahl-Frankfurterin in der Qualifikation aus (65,06/2012). In der europäischen Jahresbestenliste ist die ehemalige Weltrekordhalterin mit 75,46 Metern die Nummer zwei hinter ihrer Nachfolgerin als bislang beste Werferin aller Zeiten, Anita Wlodarczyk aus Polen (79,61). Bei der DM in Kassel, nach ihrem elften Meistertitel mit einer Weltklasse-Serie, hatte Betty Heidler betont, dass sie die EM mehr oder weniger aus dem Training heraus absolviert. Ihr Fokus liegt auf den Olympischen Spielen, natürlich, insofern sind die Titelkämpfe in Amsterdam ihr vorletzter großer internationaler Auftritt vor dem Karriereende.(tin.)

Kathrin Klaas: Beim Blick in die Erfolgsstatistik von Kathrin Klaas wird recht schnell klar: Auch ihre Karriere neigt sich im Alter von 32 Jahren dem Ende entgegen. Die EM noch, dann Olympia in Rio, anschließend könnte auch die Hammerwerferin aus Haiger, die seit vielen, vielen Jahren für die LG Frankfurt startet, ins Nachdenken kommen. Und womöglich hängt ihre sportliche Zukunft davon ab, mit welchem Gefühl sie aus der Saison 2016 geht. Bislang jedenfalls sind ihre Ergebnisse, sagen wir mal durchwachsen. Mit 71,78 Metern, geworfen Mitte Mai in Fränkisch-Crumbach, ist sie derzeit nur die Nummer 14 in Europa. Und mehr als vier Meter hinter ihrem persönlichen Rekord aus dem Jahr 2012 (76,05). Doch bei Europameisterschaften hat sich die Olympiafünfte meistens gut präsentiert: Zweimal war sie Vierte (2012, 2014), einmal Sechste (2006). Doch auch Kathrin Klaas hatte bei den kontinentalen Titelkämpfen einen Blackout: 2010 mit dem Aus in der Qualifikation (65,82). Zuletzt plagten die Hessin Probleme im Lendenwirbelbereich - man wird sehen…(tin.)

Hammerwurf der Frauen: Qualifikation, Mittwoch, 6. Juli, 10.45 Uhr/12.20 Uhr. Finale, Freitag, 8. Juli, 18.10 Uhr


Lisa Mayer

Lisa Mayer: Am Mittwoch um 12.10 Uhr sind die Vorläufe über 200 Meter der Frauen angesetzt – ohne Lisa Mayer von der LG Langgöns/Oberkleen. Von den drei deutschen Starterinnen muss nur die Mannheimerin Nadine Gonska ran. Lisa Mayer und Europas Schnellste, die Dortmunderin Gina Lückenkemper (22,67 Sekunden), haben erst in den Halbfinals ab 17.30 Uhr ihren ersten Auftritt. Möglich macht das eine Neuerung des Europäischen Verbandes, die den Top Zwölf der kontinentalen Bestenlisten in den Sprints (bis 400 Meter) und Hürdenläufen vor Rio die Vorläufe erspart. Mit ihrem Hessenrekord von 22,87 Sekunden rangiert Lisa Mayer von allen gemeldeten Teilnehmerinnen auf Platz sechs, mit legitimen Chancen auf das Finale der besten Acht. Dafür genügt also ein schneller Lauf, was auch seine Tücken hat, zumal die Athletin von Trainer Rainer Finkernagel eher schwer in den Wettkampf kommt, im Finale aber stets voll bei der Sache ist. Dieses Muster muss die Germanistik- und Geographiestudentin im Olympiastadion von Amsterdam durchbrechen. Und dann gibt es ja noch die 4x100-Meter Staffel, in der das deutsche Quartett um Mayer, Lückenkemper, Tatjana Pinto und Rebekka Haase mit 42,00 Sekunden sogar die Weltrangliste anführt.

Ein Finale hat Lisa Mayer übrigens schon erreicht – das der besten Fünf um den „Sport-Stipendiaten des Jahres“, einem Förderwettbewerb der Deutschen Sporthilfe in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bank, der junge Sportler auszeichnet, die Spitzensport und Studium als dualen Karriereweg zusammenbringen. Die Online-Abstimmung läuft noch bis zum 24. Juli. Dem Sieger winkt in den folgenden drei Semestern der doppelte Stipendiumsbeitrag – also 800 statt wie bisher 400 Euro.

200 Meter der Frauen: Vorläufe, Mittwoch, 6. Juli, 12.10 Uhr. Halbfinale, Mittwoch, 17.30 Uhr. Finale, Donnerstag, 7. Juli, 19.10 Uhr.

4x100 Meter der Frauen: Vorläufe, Samstag, 9. Juli, 20 Uhr. Finale, Sonntag, 10. Juli, 17.35 Uhr.


Gesa Krause

Gesa Krause / Homiyu Tesfaye: Warum wir die Hindernis-WM-Dritte Gesa Krause und den 1.500-Meter-Läufer Homiyu Tesfaye (beide LG Eintracht Frankfurt) in einem Text zusammen vorstellen? Beide führen die europäische Bestenliste an, für beide ist die EM nur eine Durchgangsstation zu den Olympischen Spielen. So sagte Gesa Krause bereits vor den deutschen Meisterschaften in Kassel im Bonner Generalanzeiger, dass „alles auf den 15. August ausgerichtet“ sei, den Tag von Krauses Olympiafinale. Ganz professionell versprach sie nach ihrem deutschen Meistertitel auch für die EM „volles Engagement“. Was übersetzt heißt: In Amsterdam wird auf den Titel gelaufen, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Mit ihrer Saisonbestzeit von 9:22,33 Minuten liegt Gesa Krauses knapp acht Sekunden vor der folgenden Läuferin, der Schwedin Charlotta Fougberg (9:30,11), und könnte mit einem Sieg im Finale am Sonntag Titelverteidigerin Antje Möldner-Schmidt beerben, die nach der Geburt ihrer Tochter im März noch nicht wieder auf die Laufbahn zurückgekehrt ist.


Homiyu Tesfaye

Homiyu Tesfaye mag mit einer Zeit von 3:35,05 Minuten die europäische Rangliste anführen, doch mehr als zehn Läufer liegen mit ihren Leistungen 2016 innerhalb von zwei Sekunden. Im Finale am Samstagabend kommt es auch auf das richtige taktische Gespür an. Etwas, das Homiyu Tesfaye mit Ausnahme seines hervorragenden fünften WM-Platzes 2013 bisher vermissen ließ. Platz fünf bei der EM 2014, Rang vier bei der Hallen-EM 2015, da war jeweils mehr drin. Dann kam die Knieverletzung, der Ausfall für den Sommer 2015, erst im Mai kehrte der gebürtige Äthiopier zurück. Wie fit er mittlerweile wieder ist? In Kassel schätzte er sein Leistungsvermögen auf 90 Prozent ein, ihm fehle noch die Spritzigkeit, was auf der Zielgeraden und bei dem deutlichen Sieg von Timo Benitz offensichtlich war. Hat Homiyu Tesfaye seine Hausaufgaben gemacht? Wir werden sehen…

1.500 Meter der Männer: Vorläufe, Donnerstag, 7. Juli, 18.20 Uhr. Finale, Samstag, 9. Juli, 21.50 Uhr.

3.000 Meter Hindernis der Frauen: Vorläufe, Freitag, 8. Juli, 13.30 Uhr. Finale, Sonntag, 10. Juli, 17.15 Uhr.

Tammo Lotz / Uwe Martin

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06.07.2016