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EM-Vorschau, Teil 2: Kamghe Gaba, Constantin Schmidt und die zwei Halbmarathonis


Die Arbeitskleidung von Halbmarathonläufer Jens Nerkamp (Foto: Facebook)

Hessen blickt nach Amsterdam. Zumindest die Leichtathletikinteressierten unter ihnen, wenn am Samstag und Sonntag die Frankfurter Homiyu Tesfaye (1.500 Meter) und Gesa Krause (3.000 Meter Hindernis) um die Podestplätze bei den 23. Europameisterschaften rennen und Sprinterin Lisa Mayer von der LG Langgöns/Oberkleen nach ihrem achten Platz über 200 Meter auch mit der 4x100-Meter-Staffel erfolgreich sein will (alle drei haben wir bereits im ersten Teil der EM-Vorschau vorgestellt). Getreu dem Veranstaltungsmotto „Athletics Like Never Before“ erlebt der Halbmarathon seine EM-Premiere, und mit dabei sind zwei Hessen: Jens Nerkamp vom PSV Grün-Weiß Kassel und eine weitere Frankfurterin, Katharina Heinig. Ohne die Topstars aus den USA, Afrika und aus Übersee und durch den Ausschluss von Russland gestalten sich auch die Rahmenbedingungen in sogenannten Problemdisziplinen für deutsche Athleten attraktiver, so zum Beispiel in der 4x400-Meter-Staffel der Männer. Auch aus diesem Lager gibt es positive Botschaften: Beide nominierten Hessen sind im Vorlauf mit dabei, Constantin Schmidt von der TG Obertshausen läuft am Start und der Frankfurter Routinier Kamghe Gaba, der zur EM-Eröffnung die deutsche Fahne trug, ist an Position drei vorgesehen. Nun aber der Reihe nach:


Kamghe Gaba (Foto: Iris)

Kamghe Gaba / Constantin Schmidt: Die Entscheidung über 4x400 Meter der Männer ist am frühen Sonntagabend die letzte dieser Europameisterschaften. Ein deutsches Quartett könnte dabei sein. Wenn es denn den Vorlauf übersteht. Am Samstag um 14.25 Uhr gilt’s. Dann heißt die Vorgabe: Im zweiten Vorlauf mindestens Dritter werden oder zu den zwei sogenannten Zeitschnellsten gehören, aus zwei Läufen mit jeweils acht Staffeln. Erster Kandidat auf den Sieg ist Großbritannien & Nordirland, dessen vier Läufer in den Top Zwölf der europäischen Bestenliste platziert sind, darunter Matthew Hudson-Smith (44,88 Sekunden/Erster) und der Einzel-Europameister Martyn Rooney (45,04/Zweiter). Von diesem Niveau sind die sechs deutschen Kandidaten weit entfernt. Immerhin schafften es der Jahresbeste Alexander Gladitz (Hannover/45,94) ebenso bis ins Halbfinale wie der deutsche Meister Johannes Trefz (München/46,02). Dann aber war nach Zeiten von 46,07 (Trefz) und 46,57 Sekunden (Gladitz) Endstation und der Endlauf (der Achtschnellste lief 45,68) weit weg.


Constantin Schmidt (li.) greift in Amsterdam an (Foto: Iris)

Die deutsche Aufstellung im Vorlauf sieht Constantin Schmidt (Saisonbestzeit: 46,68) als Startläufer vor. „Das sollte ihm zugutekommen, da er eher ruhig beginnt“, so die Einschätzung von HLV-Kadertrainer Robert Schieferer, der als Heimcoach auch für das Training von Constantin Schmidt verantwortlich zeichnet. Am Dienstag absolvierte der 20 Jahre alte Management-Student seine letzte Tempoeinheit vor Ort. 150 Meter, 500 Meter, 200 Meter mit langen Pausen, zum Anreizen. Sehr gut soll es gelaufen sein, sagt Schieferer. Der zweite Läufer Patrick Schneider (Fürth) wird den Staffelstab an Kamghe Gaba (46,67) weiterreichen, Schlussläufer ist Johannes Trefz. Alexander Gladitz wird zunächst geschont. Kamghe Gaba zeigte sich nach der DM in Kassel noch bei drei Wettkämpfen (200/100/400 Meter mit Zeiten von 21,26/10,82/47,01 Sekunden). Wie diese Leistungen zu deuten sind, muss jeder selbst entscheiden.

Zum Schluss noch ein statistischer Treppenwitz der Kategorie „besonders wertvoll“. In den Vorläufen werden die einzelnen Staffeln doch tatsächlich mit den nationalen Rekordzeiten vorgestellt. Im Falle von Deutschland stehen da 2:59,86 Minuten zu lesen, erzielt von einer DDR-Nationalstaffel am 23. Juni 1985 (!) in Erfurt. Alle Achtung, da wird vom Europäischen Leichtathletik-Verband EAA einfach einmal so eine Zeit aus der anabolen Hochphase als „Orientierung“ eingeworfen. Trainingskontrollen damals: Fehlanzeige. Statistik kann so sinnlos sein! Immerhin sind mit etwas Verspätung noch die aktuellen Jahresbestzeiten nachgereicht worden, auch die deutsche: 3:07,03 Minuten.

4x400 Meter der Männer: Vorläufe, Samstag, 9. Juli, 14.25 Uhr. Finale, Sonntag, 10. Juli, 18.50 Uhr.

Jens Nerkamp: Am Donnerstag ging der Flug nach Amsterdam - und Jens Nerkamp vom PSV Grün-Weiß Kassel, der von Winfried Aufenanger trainiert wird, ist vorbereitet. Körperlich, mental und ausrüstungstechnisch. Vor den deutschen Meisterschaften in Kassel hat der 26-Jährige ein immens großes DHL-Paket in der Paketstation abgeholt. Der Inhalt: zwei Koffer, ein Rucksack, T-Shirts, Hose … und natürlich das wichtigste: das Nationaltrikot. Schließlich ist der Student erstmals für das deutsche Team am Start. Qualifiziert für den Halbmarathon, seit Anfang April mit einer persönlichen Bestzeit von 64:06 Minuten. Seitdem hat Nerkamp ohne Verletzungen weiter trainiert, wie bereits im Winter, über seine Form, sagt er, „kann ich mich nicht beklagen“. Doch ob er nochmals so schnell laufen könne wie im Frühjahr, sei schwer einzuschätzen. „Das hängt auch ein bisschen von der Wetterlage ab.“ Er möchte so nah wie möglich an seine Bestzeit von Berlin heranlaufen. Darum geht es. Laufen, das ist das Stichwort. Denn über mögliche Platzierungen macht sich Nerkamp keine Gedanken, Amsterdam sei ein „neues Rennen“. Seine Devise: „Einfach laufen.“ Am vergangenen Freitag hat er seine letzte große Trainingseinheit mit zwei Einheiten à zwölf Kilometer (Grundlagenausdauer 1 und 2) hinter sich gebracht, am Dienstag im Abschlusstraining waren es nochmals 3,5 bis 5 Kilometer im Renntempo. Ansonsten standen nur mehr Dauerläufe auf dem Programm. Wer in Amsterdam am Start sein wird - Nerkamp weiß es nicht. „Teilnehmerlisten schaue ich mir generell nicht an.“ Was hätte es auch für einen Sinn, wenn er konkret wüsste, wie all die Läufer heißen, die ein paar Minuten schneller sind als er. Es geht zunächst um seine ganz persönliche Performance, letztlich das Ergebnis der DLV-Halbmarathonmannschaft. Dabei wird der Wahl-Nordhesse vor Ort in den Niederlanden von seinen Eltern, der Schwester und Freunden aus seiner Heimatstadt Cloppenburg unterstützt. Die Anreise für den Nerkamp-Fanklub ist überschaubar: Luftlinie nur knapp 220 Kilometer. (tin.)

Halbmarathon der Männer: Sonntag, 10. Juli, 9.50 Uhr


Katharina Heinig in Paderborn (Foto: Schaake)

Katharina Heinig: Vor etwa zwei, drei Wochen stand in der F.A.Z. ziemlich aus dem Nichts ein Artikel über Katharina Heinig zu lesen. Einfach so, ohne konkreten Anlass, dabei hatte es in den Monaten zuvor einige gegeben: ihre persönlichen Bestzeiten beim Silvesterlauf in Trier über 5 Kilometer (16:26), beim Halbmarathon in Barcelona (72:55 Minuten) und beim Paderborner Osterlauf über 10 Kilometer (33:04). Nicht zuletzt der Zürich-Marathon, den sie bei unterirdischen äußeren Bedingungen bei Kilometer 23 vorzeitig aufgab. Die Qualifikation für den olympischen Marathon hatte sie damit verpasst. Auch diesen Tiefpunkt hat Katharina Heinig längst überwunden, schließlich hatte sie vor einem Jahr weitaus Schlimmeres überstanden. Seinerzeit stand die Karriere der 26-Jährigen auf der Kippe, nachdem sie sich ein Überbein an der linken Ferse operativ entfernen ließ. Nun ist sie schneller zurück als sie zuvor gewesen war. Und hat für die EM in Amsterdam zwei Ziele für das Halbmarathonrennen: ihre Bestzeit deutlich steigern und mit dem Team eine Medaille holen. In der europäischen Jahresbestenliste ist die Athletin von der LG Eintracht Frankfurt als 30. und Letzte gerade noch gelistet. „Mein Tag, das eine geile Rennen, ich hoffe, dass es bald kommt“, wurde Katharina Heinig in der F.A.Z. zitiert. Vielleicht schon in Amsterdam. (tin.)

Halbmarathon der Frauen: Sonntag, 10. Juli, 9.30 Uhr

Tammo Lotz / Uwe Martin

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08.07.2016