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Acht Hessen für Rio nominiert: Diana Sujew dabei, Marc Reuther nicht


Diana Sujew (Foto: IRIS)

Beginnen wir mit den Fakten, bevor es wertend bzw. geschmäcklerisch wird. Mit der dritten Nominierungsrunde des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) ist die Leichtathletik-Mannschaft des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) für die Wettkämpfe bei den Olympischen Spielen vom 12. bis 21. August in Rio de Janeiro komplett. Das DLV-Team umfasst insgesamt 92 Teilnehmer, 41 Männer und 51 Frauen. Bei den Hessen, die in Brasilien an den Start gehen und am Abend des 1. August auf dem Airport Frankfurt offiziell verabschiedet werden, ist die Gewichtung komplett anders. Unter den insgesamt acht Athletinnen und Athletinnen, die das Trikot eines hessischen Vereins tragen, sind sieben Frauen und nur ein Mann. Und noch eine - genauso erwartete - Verteilung: Sechs von acht Olympiastartern gehören dem Großklub LG Eintracht Frankfurt an. Zum Vergleich: 2012 bei den Spielen in London waren neun Hessen dabei. Für Betty Heidler (Hammerwurf) sind es die vierten Olympischen Spiele, für Kathrin Klaas (Hammerwurf) und Gesa Felicitas Krause (3.000 Meter Hindernis/alle LG Eintracht Frankfurt) jeweils die zweiten.

Bei den verbleibenden Namen gab es keine Überraschung - mit einer Ausnahme. Als deutsche Meister waren Krause und Heidler bereits in der zweiten DOSB-Nominierungsrunde berücksichtigt worden, hinzugekommen sind Lisa Mayer (LG Langgöns/Oberkleen/200, 4x100 Meter), Homiyu Tesfaye (LG Eintracht Frankfurt/1.500 Meter), Klaas, die Siebenkämpferinnen Carolin Schäfer (TV Friedrichstein) und Claudia Rath (LG Eintracht Frankfurt) sowie Diana Sujew (1.500 Meter/LG Eintracht Frankfurt). Überraschung, Überraschung, denn Sujew hat die DLV-Olympianorm (4:07,00 Minuten) knapp verpasst, zuletzt am vergangenen Samstagabend beim Meeting im belgischen Kortrijk um vier Zehntelsekunden mit Saisonbestzeit. In der deutschen Bestenliste wird die 25-Jährige an Position drei geführt. Auf der Website von Eintracht Frankfurt steht zu lesen, dass der DOSB „ihre Leistung aber honoriert“ habe und sie deshalb berufen wurde.


Marc Reuther (Foto: IRIS)

Doch warum ist die Mittelstreckenläuferin in Rio dabei und der fünf Jahre jüngere Marc Reuther vom Wiesbadener LV nicht? Reuther war über 800 Meter DM-Dritter in Kassel, führt mit seiner persönlichen Bestzeit von 1:46,19 Minuten die deutsche Bestenliste an und ist in den vergangenen zwei Wochen dreimal nur knapp an der DLV-Norm von 1:46,00 Minuten vorbeigelaufen. Mit bereits erwähnten 1:46,19, ferner erzielte Reuther 1:46,21 und zuletzt in Kortrijk 1:46,74 Minuten. Drei mutige Rennen, zwei extreme Leistungssteigerungen, dreimal alles eingesetzt und der DOSB lässt ihn im Gegensatz zu Sujew durchs Sieb fallen. Das ist nicht zu verstehen. In diesem Zusammenhang ist es mehr als eine Randnotiz, dass DOSB-Vorstandschef Michael Veser sagte: „Jetzt geht es richtig los. Wir haben schon den Geruch der Copacabana in der Nase. Es kribbelt.“ Bei Reuther wahrscheinlich auch. Nur anders.

Für den HLV ist die Zahl von acht Olympiateilnehmern ein großer Erfolg - auch im Vergleich mit anderen Landesverbänden und angesichts von nur zwei Trainerstellen, die über den Leistungssport vom Land Hessen mitfinanziert werden. Hier wäre Nachbesserung angebracht. Dass die vier Bundesstützpunkte (Lauf, Mehrkampf, Wurf, Sprint/Hürden) gut funktionieren, steht auf einem anderen Blatt.

Uwe Martin

 


13.07.2016