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U20-WM: Drei Hessen für Bydgoszcz


Nach acht Jahren Pause reist die Leichtathletik-Jugend der Welt wieder ins polnische Bydgoszcz zu den U20-Weltmeisterschaften. Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) hat für die 16. Auflage dieser Titelkämpfe insgesamt 65 Athletinnen und Athleten nominiert, darunter drei Hessen: Eileen Demes (TV Neu-Isenburg/400 Meter Hürden), Mona Gottschämmer (LG Eintracht Frankfurt/Hochsprung) und Lukas Abele (SSC Hanau-Rodenbach/1.500 Meter). Bei allem bundesländisch-patriotischem Optimismus ist es jedoch unmöglich, dass der HLV im Zdzisław-Stadion ähnlich erfolgreich sein wird wie 2008. Denn damals holte sich Carolin Schäfer (TV Friedrichstein) den Titel im Siebenkampf mit 5.833 Punkten, Jan Felix Knobel (LG Eintracht Frankfurt) triumphierte im Zehnkampf (7.896). Zudem wurde Xenia Stolz (LG Eintracht Frankfurt) Vierte im Weitsprung, Niklas Zender (TSV Friedberg-Fauerbach) Fünfter über 400 Meter und Gabi Wolfahrt von der LG Eintracht Frankfurt Sechste im Hammerwurf. Christiane Klopsch (TSV Friedberg-Fauerbach) erreichte das Halbfinale über 400 Meter Hürden, Florian Orth (ESV Jahn Treysa) scheiterte im 1.500-Meter-Vorlauf, ebenso Diana Sujew (LG Eintracht Frankfurt) über 3.000 Meter Hindernis und 1.500 Meter. Ein finales Highlight aus hessischer Sicht war die 4x400-Meter-Staffel mit Zender sowie Marc-John Dombrowski (LG Eintracht Frankfurt) in einer Zeit von 3:06,47 Minuten und dem Gewinn der Bronzemedaille. Zum Vergleich: Bei der EM in Amsterdam wurde das DLV-Männerquartett Achter und Endlauf-Letzter in 3:05,67 Minuten.

Doch was können die drei Hessen 2016 in Bydgoszcz erreichen? Und wann genau beginnen ihre Wettkämpfe? Am Sonntagmorgen ist das DLV-Team von Frankfurt per Lufthansa-Direktflug nach Bydgoszcz gereist, und an Bord waren auch zwei hessische Nachwuchs-Bundestrainer: Georg Schmidt (Niedernhausen) und Sophia Sagonas (Mainhausen). Aber nun zum Sportlichen.


Lukas Abele (Foto: IRIS)

In der DLV-Teambroschüre macht Abele eine klare Ansage: „ …in den Endlauf kommen und meine beste Leistung der Saison abrufen“, lautet seine Marschrichtung. Also seine persönliche Bestzeit verbessern, die seit Anfang Juni bei 3:45,12 Minuten steht. „Und das hat er mit Sicherheit drin“, sagt sein Trainer Sascha Arndt. Der letzte Wettkampf, sein Sieg über 800 Meter im Alleingang bei den hessischen U20-Meisterschaften in persönlicher Bestzeit von 1:51,39 Minuten, belegten nochmals die Möglichkeiten des 18-jährigen Hessen, auf der Unterdistanz schneller als 1:50 Minuten zu bleiben. Die Form stimmt vor Bydgoszcz und Abele ist gesund. Die entscheidende Frage dürfte sein, inwieweit eine Zeit um 3:45 Minuten reicht, um im WM-Vorlauf gegen internationale Konkurrenz zu bestehen. „Das Motto kann nur sein: Vollgas im Vorlauf“, sagt Arndt. Und bringt die sportliche Herangehensweise folgendermaßen auf den Punkt: „Das Optimum herausholen, um die Minimalchance zu nutzen.“ Arndt weilt während der WM übrigens im Trainingslager in Oberstdorf und wird den Wettkampf von Abele im Livestream sehen.

Vorlauf am Dienstag, 19. Juli (10.35 Uhr), Finale am Donnerstag, 21. Juli (20.25 Uhr).


Eileen Demes (Foto: IRIS)

Eileen Demes, 18 Jahre alt und in Bridgend (England) geboren, hat im bisherigen Saisonverlauf alles richtig gemacht. Bei den deutschen Meisterschaften in Kassel verbesserte sie bereits im Vorlauf ihren Hausrekord auf 58,53 Sekunden, im Finale war die Hessin dann nochmals deutlich schneller und lief in 57,87 Sekunden auf Platz zwei hinter Olympiateilnehmerin Jackie Baumann (Tübingen). In diese Momentaufnahme der schnellsten deutschen Langhürdlerinnen funkt in der DLV-Jahresbestenliste nur Laura Gläsner aus Hannover (57,86). Auch Eileen Demes schwankt keine Sekunde, wenn sie nach ihren Ambitionen für Bydgoszcz gefragt wird: „Ins Finale kommen.“ Drei Wörter, ein Ziel. Und womöglich gelingt der Athletin von Trainer Robert Schieferer in Polen ja genau das, was sie bei der DM in Kassel als Schwachpunkt ausgemacht hat: „Die Zielgerade geht besser. Da muss ich noch mutiger werden.“

„Das Finale ist ein ambitioniertes Ziel“, sagt ihr Trainer Robert Schieferer. Nicht selten ergibt sich nämlich vor Ort ein Leistungsschub von Athletinnen, die zuvor niemand ernsthaft auf dem Zettel hatte. In der bereinigten Meldeliste - die führende US-Amerikanerin Sydney McLaughlin (54,15) nimmt nicht teil, sondern bereitet sich auf die Olympischen Spiele in Rio vor - wird Eileen Demes auf dem siebten Platz geführt. Doch die folgenden Läuferinnen sind nur unwesentlich langsamer. Insgesamt sind 44 Athletinnen gemeldet worden. „Ich denke, dass Eileen eine Zeit um 57,5 Sekunden laufen muss, um das Finale zu erreichen“, sagt Schieferer. Das dreiwöchige Training seit dem bislang letzten Wettkampfstart bei der Junioren-Gala in Mannheim (58,10) sei ohne Komplikationen verlaufen. Eileen Demes dürfte in Bydgoszcz sogar eine zweite Startchance bekommen - als Mitglied der 4x400-Meter-Staffel. Eher nicht im Vorlauf am Samstag, 23. Juli (11.10 Uhr), im Erfolgsfall aber tags darauf im Finale (17.30 Uhr)

Vorlauf am Mittwoch, 20. Juli (10.50 Uhr), Halbfinale am Mittwoch, 21. Juli (18.55 Uhr), Finale am Freitag, 22. Juli (20.45 Uhr)


Mona Gottschämmer (Foto: Benjamin Heller)

Wenn es diese Wette mitsamt Quote gegeben hätte, man hätte gewiss ein hübsches Sümmchen kassieren können. Denn in den vergangenen Monaten schien der Weg von Mona Gottschämmer zur U20-WM beinahe so weit wie die Entfernung von der Erde zum Mond. Seit einem knappen Jahr deutete wenig bis nichts konkret darauf hin, dass die 18-Jährige ihr Wettkampf-Formtief, das im Vorjahr krankheitsbedingt bei der U18-WM in Cali (Kolumbien) begann, würde beenden können. Weder in der Halle noch im Frühjahr zeigte die junge Hessin Leistungen, die wirklich erwähnenswert waren. In den Vergleich gesetzt zu ihrem hessischen U18-Rekord aus dem Jahr 2015 (1,86 Meter). Insofern hat Mona Gottschämmer mit der Qualifikation für Bydgoszcz das erste Comeback ihrer noch jungen Karriere gegeben. Auch dank des Trainerduos Sophia Sagonas/Günter Eisinger. Potential für mehr sah man bereits am 12. Juni in Hattersheim (1,79), zwei Wochen später machte sie bei der Junioren-Gala in Mannheim, dem entscheidenden Qualifikationswettkampf, alles klar - 1,85 Meter. Nun ist sie dabei und hat durchaus Chancen auf den Finaleinzug. Denn sie ist die Nummer 7 der Meldeliste.

Qualifikation am Freitag, 22. Juli (10.15 Uhr), Finale am Sonntag, 24. Juli (16 Uhr)

Uwe Martin

 


18.07.2016