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Ehepaar Joachim und Hedi Ditthardt: Kampfgericht statt Scheidungsanwalt


Arbeitsplatz Lohrheidestadion - Joachim Ditthardt in seinem Element. (Fotos: Michael Wiener)

Joachim Ditthardt lebt für das Kampfrichter-Wesen. Fast jedes Wochenende ist der 57-Jährige aus dem Friedberger Stadtteil Dorheim bei Wettkämpfen im Einsatz, darüber hinaus gibt er sein Wissen gemeinsam mit seiner Frau Hedi weiter. Denn die Kampfrichter-Karrieren des Ehepaares verliefen in den vergangenen 20 Jahren ähnlich: Beide gehören seit 2004 zu den ersten Lehrbeauftragten des Hessischen Leichtathletik-Verbandes (HLV). Joachim ist Mitglied im HLV-Lehrteam, darf also Obmänner und Schiedsrichter (die nächsthöheren Stufen nach Kampfrichter) ausbilden, Hedi als Lehrbeauftragte Kampfrichter schulen. Michael Wiener hat Joachim Ditthardt für hlv.de am vorvergangenen Wochenende bei den deutschen U23-Meisterschaften in Bochum-Wattenscheid beobachtet und mit ihm gesprochen.

Sonntagabend, gegen 19 Uhr, Lohrheidestadion. Das T-Shirt ist durchgeschwitzt, die Tribünen sind leer. Über eineinhalb Stunden sind die Wettkämpfe jetzt beendet. Joachim Ditthardt und seine Kollegen packen die letzten Kisten in den Sprinter, der auf der Tartanbahn im Zielbereich parkt. „Gleich sind wir fertig“, ruft er und läuft noch einmal die wenigen Stufen auf die Tribüne hoch. Dort war an zwei Tagen für jeweils acht Stunden sein Arbeitsplatz. Ditthardt gehörte zum Team, das für die Zeitmessung verantwortlich zeichnete.

Ditthardt ist seit 35 Jahren als Kampfrichter tätig. „Mit 15 bin ich zum TSV Friedberg-Fauerbach gekommen. Fünf Jahre später ist unsere ganze Clique in das damalige Hotel zur Post in Friedberg zitiert worden und wir haben die Ausbildung zum Kampfrichter gemacht.“ Er blieb dran und war bei Sportfesten stets im Einsatz. „Zum Beispiel auch, wenn wir auf Leichtathletik-Wettkämpfe der Turner gefahren sind und jeder Verein Kampfrichter stellen musste.“ Ditthardt kommt kurz vom Thema ab, berichtet von TSV-Fahrten zum Loreley-Bergturnfest und dem damaligen Zusammenhalt im Verein. „Das ist heute aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklung nicht mehr möglich.“ Er ist ein Vereinsmensch, ein Ehrenamtler, ein geselliger Sportsfreund, der ein Kaltgetränk im Kreise der Kampfrichter nach getaner Arbeit sehr schätzt. Aber die Zeiten haben sich eben geändert.


Das Wetterauer Team bei der DM in Kassel - Werner Roßgardt, Michael Grein, Tania Ditthardt, Sabine Wick, Florian Rau, Joe und Hedi Ditthardt

In Wattenscheid ist bei dem Elektroingenieur die Konzentration bei jedem Lauf gefragt. Schließlich geht es um die Zeitmessung, genauer gesagt die Zielbildauswertung. 1.400 Bilder pro Sekunde werden bei den Sprints übereinandergelegt - je höher das Tempo, desto mehr Bilder werden benötigt. Bis auf die Tausendstel ist damit die Zeit messbar. „Wir schauen mit drei Augenpaaren auf die Auswertung, um die Genauigkeit zu gewährleisten.“ Bereits am Freitagmittag sind Ditthardt und seine Mitstreiter angereist, haben mehrere Stunden aufgebaut und schließlich die Anlage überprüft. Um Fehler zu vermeiden, wie im Mai in Flieden. Dort war die Anlage nicht richtig eingestellt, und es kamen zu schnelle Zeiten heraus, die letztlich aus den Bestenlisten gestrichen werden mussten.

Dass in Friedberg immer alles glatt läuft, ist auch Ditthardt zu verdanken. Und seiner Frau Hedi. Als sich die beiden kennenlernten, hatte „Jo“ schon seine Kampfrichtertätigkeit intensiviert. „Entweder Scheidung oder du machst das auch“, sagt er heute mit einem Augenzwinkern. Daraufhin absolvierte Hedi 1995 die Grundausbildung, ihr Mann war bereits ein Jahr zuvor nach dem Kampfrichter-Lehrgang durchgestartet.


Ein Mann, ein Laptop, die Zielbildauswertung

Durch die Ditthardtsche, manche sagen Ditt-harte Schule, sind in den vergangenen elf Jahren mehr als 100 Kampfrichter gegangen. Und einige Mitglieder aus dem Team sind auch bei höherwertigen Meisterschaften bis hin zu nationalen Titelkämpfen gefragt. Zu ihnen gehört das älteste der drei Ditthardt-Kinder, die 24-jährige Tania. Sie hat 2007 die Grundausbildung bei den Eltern absolviert. „Tania ist zur Kampfrichterin geboren. Bei ihr passt alles, sie ist mir weit voraus. Sie entscheidet aus dem Bauch heraus, und diese Entscheidungen sind immer richtig“, sagt der Vater. Tania gehört zum DLV-Jungkampfrichterteam. Der kleine Haken: Sie studiert BWL in Mainz und steht nur selten zur Verfügung, zumal das Kampfrichtertagegeld von 12 Euro das ohnehin nicht üppig gefüllte Portemonnaie einer Studentin nicht großartig aufbessert. „Aufgrund der Spesenordnung sind diese zwölf Euro das Maximum, ohne dass Steuern gezahlt werden müssen“ erläutert Ditthardt.

Im Klartext: Ist er beispielsweise bei einer DM in Kassel von Samstag frühmorgens bis Sonntag spätabends unterwegs, gibt‘s die Fahrtkostenerstattung und 24 Euro. Die ehrenamtliche Tätigkeit steht also klar im Vordergrund. Die Ditthardts tun’s trotzdem - und sie machen es gerne. „Wir haben Spaß daran. Die Kampfrichtertätigkeit ist nicht mehr aus unserem Leben wegzudenken.

 


01.08.2016