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Marathon-Renndirektor Jo Schindler kritisiert Hahner-Twins – Hintergründe einer schwierigen Geschäftsbeziehung


Renndirektor Jo Schindler (Foto: Veranstalter)

Wenige Tage vor dem Start des Frankfurt-Marathons am Sonntag, 30. Oktober (10 Uhr vor dem Messeturm), sind harte Worte gefallen. Renndirektor Jo Schindler ist deutlich, sehr deutlich geworden; wie vor einem Jahr, als er - allerdings ohne jede Not - eine DM-Prämiendebatte über die einstmals wegen Dopings gesperrte und mittlerweile zurückgetretene Simret Restle-Apel befeuerte. Nun kam das Thema Lisa und Anna Hahner zur Sprache, und Schindler äußerte sich zu deren Auftreten bei den Olympischen Spielen in Rio, als die 26-jährigen Zwillingsschwestern mit indiskutablen Zeiten um 2:45 Stunden, aber fröhlich gelaunt und händchenhaltend ins Ziel gelaufen waren. Als „unsäglich“ habe er dies empfunden, sagte Schindler in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau.


Und bestätigte, dass man sich im April darauf verständigt habe, über einen Start beim 35. Frankfurt-Marathon nach Rio zu sprechen. Dazu kam es nicht, denn Schindler teilte Manager Thomas Dold per E-Mail mit, dass eine Teilnahme nicht in Frage komme. Was nicht nur Schindler störte nach der Selbstinszenierung des Duos in Rio: „Ich habe ein paar Tage gewartet, und dann kam nur der Newsletter, wo kein einziges Wort des Bedauerns zu erkennen war.“


Anna und Lisa Hahner (Foto: Veranstalter)

Die Geschäftsbeziehung zwischen Schindler und dem umtriebigen Dold dürfte damit erst einmal erschüttert sein. Denn der Hahner-Manager ist nicht nur Heim-Betreuer, sondern bestimmt in der Vermarktung und in der PR, also der Außendarstellung, wo es langgeht. So dürfte der international erfolgreiche Treppen- und Rückwärtsläufer auch für den Auftritt in Rio verantwortlich sein, von dem er wohl glaubte, genau dies gewährleiste größtmögliche mediale Aufmerksamkeit. Das tat er - nur ging der Schuss nach hinten los. Das nationale Pressecho war nämlich durchweg vernichtend und dürfte dem Marktwert seiner Klientinnen geschadet haben. „ Mit den Olympischen Spielen in Rio ging ein Traum von Anna und Lisa in Erfüllung, den ich mit ihnen gelebt und verfolgt habe. Nun ist sozusagen Neustart“, schreibt Dold auf seiner Website. Der Neustart könnte schwierig werden. Denn so wie Schindler werden sich die meisten finanzstarken Renndirektoren fragen, warum sie die Zwillinge für teures Geld einkaufen sollen. Wo doch in Rio jeder gesehen hat, dass nicht die bestmögliche persönliche Leistung im Vordergrund stand. Eher schon der vermeintlich werbewirksame gemeinsame Zieleinlauf.

Das Verhältnis Schindler/Dold ist ohnehin vorbelastet. Spätestens seit einem gescheiterten Deal, als die Läuferinnen aus Osthessen, die von 2007 bis 2010 das Trikot von Grün-Weiß Kassel trugen und seit einiger Zeit in Gengenbach (Schwarzwald) wohnen, „Botschafterinnen“ des Frankfurt-Marathons werden sollten. Im Boot war zudem der Getränkehersteller Rosbacher. Die Verhandlungen, in die auch der Sportliche Leiter des Frankfurt-Marathons, Christoph Kopp, eingebunden war, standen kurz vor dem Abschluss. Dann machte Dold einen Rückzieher und unterschrieb beim Konkurrenten Gerolsteiner. Oder umgekehrt. Das hat Schindler nicht vergessen. Ebenso wenig wie die Verhandlungstaktik von Dold vor dem Frankfurt-Marathon 2013. Zunächst gab es die Startzusage von einem Zwilling, wenig später von dem anderen, es kam zum ersten gemeinsamen Marathon in Frankfurt. Und Dold verlangte für die obligatorischen Startnummern-Fotos vor einer Mainbrücke vom damaligen Titelsponsor BMW flugs das doppelte Honorar. Es traten ja nun schließlich zwei Hahners vor die Kamera der Fotografin. Normalerweise ist dieser Halbstunden-Auftritt bei allen Topathleten im Startgeld inklusive und damit finanziell abgegolten.


Fate Tola mit ihrer Tochter Sameya (Foto: Veranstalter)

Lisa Hahner war beim Frankfurt-Marathon vor einem Jahr gut in Form und wurde in 2:28:30 Stunden deutsche Meisterin. Die nationalen Titelkämpfe sind auch am Sonntag in Frankfurt wieder ausgeschrieben, doch viele bekannte Namen fehlen. Arne Gabius, der vor zwölf Monaten in 2:08:33 Stunden nationalen Rekord erzielte, ist nach einer Verletzungspause nur in einer Staffel am Start, ebenso Sabrina Mockenhaupt. Katharina Heinig war bereits vor vier Wochen in Berlin exzellent unterwegs, zudem fehlen alle Olympiateilnehmer/innen. Im Blickpunkt stehen dürfte das Frauenrennen, und damit Fate Tola, die in Gelnhausen wohnt und von ihrem Ehemann Musa Roba-Kinkal trainiert wird. Die 29-jährige gebürtige Äthiopierin hat eine Bestzeit von 2:25:14 Stunden (Berlin/2012), an diese Leistung will sie bei der 35. Auflage des Frankfurt-Marathons wieder herankommen. Es ist ihr erster Marathonstart als deutsche Staatsbürgerin, den Pass erhielt sie im Sommer zweieinhalb Wochen zu spät, um für die Spiele in Rio nominiert zu werden. Ihre härteste Konkurrentin dürfte die 33-jährige Mona Stockhecke (LT Haspa Marathon Hamburg) werden. Die Bestzeit der promovierten Geologin: 2:33:43 Stunden.

Uwe Martin

 


28.10.2016