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HLV-Preis 2016 an Sabine Rumpf verliehen


Sabine Rumpf und HLV-Vizepräsident Klaus Schuder (Foto: Christiane Mader)

Wenn (fast) alle Wettkämpfe hinter den Athletinnen und Athleten liegen und nur noch Straßen- und Crossläufe auf dem Programm stehen, ist es an der Zeit zurückzublicken. Der Hessische Leichtathletik-Verband (HLV) tut dies alljährlich gemeinsam mit dem Leichtathletik-Förderverein Hessen (LFH) im Rahmen der HLV-Gala - und stets in festlichem Rahmen. In diesem Jahr wurde im Kloster Arnsburg in Lich entspannt gefeiert. Also in Mittelhessen. Sind die Zeiten anders, besser geworden für die Leichtathletik im zurückliegenden olympischen Jahr? Schwer zu sagen. Dass Präsident Sebastian Coe das ramponierte Image des internationalen Verbands aufpoliert hat, ist bislang nur schemenhaft zu erkennen; national dürfte sich der DLV nach dem mittelmäßigen Gesamtbild bei den Spielen auf Veränderungen, womöglich Einschnitte gefasst machen müssen. Und der HLV?


Der Nachwuchs war insgesamt top, bei den Aktiven sollte man, bewertet an den Saisonhöhepunkten EM in Amsterdam und Olympia in Rio, festhalten: Die Frauen haben es herausgerissen. Etwa mit Gesa Krause, Lisa Mayer, Betty Heidler, Diana Sujew, Carolin Schäfer und der frisch verheirateten Claudia Salman-Rath. Über die hessischen Männer können leider nicht viele Worte verloren werden, da ist schließlich kaum Nennenswertes passiert. In dieses zweigeteilte Bild passt die diesjährige Verleihung des HLV-Preises - er ging an Diskuswerferin Sabine Rumpf von der LSG Goldener Grund Selters/Taunus.

Sabine Rumpf gehört zur … sagen wir Goldenen Generation hessischer Leichtathletinnen und Leichtathleten, sie gehört zum Jahrgang 1984. Ihr erster großer Erfolg war der Gewinn der U23-Europameisterschaft 2005 in Erfurt, 2008 wurde sie deutsche Meisterin, 2010 DM-Zweite mit persönlicher Bestleistung von 62,21 Metern, hessischem Rekord bis heute. Sabine Rumpf trug mehrfach das Nationaltrikot, etwa beim Winterwurf Europa-Cup und bei Europameisterschaften. Doch die Karriere der Polizeikommissarin war auch geprägt von Verletzungen, die einige Träume zunichte machten. Zuletzt erlitt sie im August 2015 einen offenen Bruch am Fuß, 2016 hatte sie sich aber wieder herangekämpft und schloss das Wettkampfjahr mit einer Bestweite von 53,94 Metern ab. Platz 11 im DLV. „Du hast deine Erfolge eher im Stillen gefeiert“, sagte HLV-Vizepräsident Klaus Schuder in seiner Laudatio. Und wünschte Sabine Rumpf für die nächste Saison viel Glück und vor allem Gesundheit: „Wir hoffen, dass Du auch 2017 den Diskus so weit schleuderst, wie Du es dir erträumst.“ Die deutschen Meisterschaften finden dann in Erfurt statt - zwölf Jahre nach ihrem dortigen EM-Triumph in der Nachwuchsklasse. Sicher ein lohnendes Ziel.


Landrätin Anita Schneider (Foto: Christiane Mader)

Die HLV-Gala begann mit einem Einspielfilm, der viele emotionale Saisonhöhepunkte nochmals vor Augen führte; die HLV-Gala lebt stets von dem festlichen Ambiente mit ausgesuchten Speisen und Getränken, und selbstverständlich werden die Erfolgreichsten vor Ort mit Ehrungen wertgeschätzt. „Lassen Sie sich feiern, Sie haben es sich verdient“, sagte Anita Schneider, die Landrätin des Landkreises Gießen, in ihrem Grußwort. Die Frau weiß, wovon sie spricht - immerhin hat Anita Schneider sechs Marathonläufe erfolgreich absolviert. An diesem Abend fiel vor 145 geladenen Gästen auch der folgende Satz: „Wir haben in Deutschland das Problem, dass Trainer zu wenig wertgeschätzt werden.“ Gesagt hat ihn Franz-Josef Kemper, LFH-Vorsitzender und ehemaliger Weltklasse-Mittelstreckenläufer.


HLV-Geschäftsführer Thomas Seybold, Franz-Josef Kemper überreicht Frank Walton ein Bild des Künstlers Udo Kneffel (Foto: Christiane Mader)

Und so ist es auf der Gala immer ein besonderer Moment, wenn verdienstvolle Trainer für ihr Lebenswerk geehrt werden. Wie jetzt Frank Walton, der von HLV-Geschäftsführer Frank Seybold vorgestellt wurde. Die beiden kennen sich seit 40 Jahren. „Er ist ein Macher, nicht immer einfach, aber immer im Sinne der Sache“, sagte Seybold. Walton hat sich nach dem Studium an der Deutschen Sporthochschule Köln viele Jahrzehnte „mit Leidenschaft“ für die Leichtathletik engagiert. Als Trainer in Bad Homburg, etwa von Peter Burmeister, Thomas Burkhardt und Bernd Hubner; als Initiator des Bad Homburger Kurparklaufs, zudem organisierte Walton drei Mal das internationale Sportfest in Bad Homburg. 1999 zog es ihn für drei Jahre nach Südafrika, 2006 begann er im Taunus bei der TSG Wehrheim - und hat mittlerweile alles (positiv) vom Kopf auf die Füße gestellt. Und Walton ist weiterhin ein vollmundiger Geist. „Es gibt, glaube ich, viele große Vereine, die mein Budget gerne hätten.“ Das war ein kleiner persönlicher Seitenhieb, grundsätzlich wurde es mit dem Satz: „Wir dürfen die Leichtathletik als olympische Kernsportart nicht vergessen.“


Jörg Graf und Wolfgang Heinig (Foto: Christiane Mader)

Dass Erfolgscoach Wolfgang Heinig Trainer des Jahres wurde, war keine große Überraschung; eher schon, dass der ehemalige hessische Landestrainer Jörg Graf eine überaus launige Laudatio auf seinem alten Weggefährten hielt. Graf ist vor sechs Jahren nach Leipzig zurückgekehrt - bei seinem Kurzzeit-Comeback in Hessen traf er viele Menschen, die ihn freundlich empfingen. Graf lobte den ehemaligen Sprinter und „begeisterten Pokerspieler“ Heinig als absoluten Fachmann in punkto Trainingssteuerung. Dass in Gesa Krause, Homiyu Tesfaye und Diana Sujew drei von ihm betreute Athleten in Rio dabei waren, spricht für sich. Der 65-jährige Heinig, dessen Tochter Katharina Ende September beim Berlin-Marathon in die europäische Spitze lief, bedankte sich bei seiner Frau Katrin für deren Unterstützung, sie ist weiterhin die erfolgreichste deutsche Marathonläuferin und aktuelle Marathon-Disziplintrainerin. Die durchaus fruchtbare Beziehung hatte Graf scherzhaft als „Zweckehe" bezeichnet.


Sascha Arndt, ganz rechts, und seine Athleten bzw. Laudatoren (Foto: Christiane Mader)

Keine Überraschung war es auch, dass Sascha Arndt vom SSC Hanau-Rodenbach als Nachwuchstrainer des Jahres ausgezeichnet wurde. Bei dieser Personalie, sorry für die sprachliche Wiederholung, sprachen die Erfolge ebenfalls eine deutliche Sprache. Dass sich die Nachwuchsläufer Lukas und Marius Abele, Julius Hild sowie Sasha Müller die Laudatio teilten, war eine schöne - und gut umgesetzte - Idee. Nicht zuletzt, neben Einfühlungsvermögen und behutsamer Trainingsbelastung, wurden auch die Arndtschen „Ratschläge abseits der Laufbahn“ hervorgehoben. Wobei Sascha Arndt mit seinem Job als Lehrer, Familienvater, Trainer und Pressechef seines Klubs eine beachtliche Vierfachbelastung abzuarbeiten hat.

Zum Seniorensportler des Jahres wurde Georg Arnreich vom TV Neuhof gekürt. Arnreich gewann in der M60 zuletzt zwei hessische Seniorentitel, und zwar über 100 Meter (13,47 Sekunden) und im Weitsprung (4,60 Meter). Bei den deutschen Seniorenmeisterschaften war er über 100 Meter Dritter geworden. Als Funktionär leitete Arnreich bei der DM 2011 in Kassel das Wettkampfbüro.

Zu den Gästen im Kloster Arnsburg zählten auch der frühere Spitzen-Mittelstreckenläufer und spätere Landrat Karl Eyerkaufer, die Olympiastarter Sylvia Schenk und Gerhard Hennige, OSP-Leiter Werner Schaefer, Lutz Arndt (lsb h-Vizepräsident Leistungssport) sowie Holger Lang-Zöller vom HLV-Sponsor AOK Hessen.

Uwe Martin

Fotogalerie von der HLV-Gala 2016

 


05.11.2016