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Karsten Fischer vor der 100-Kilometer-WM: „In der Regel laufe ich jeden Tag“


Links Karsten Fischer nach seinem zweiten Platz in Biel (Foto: privat)

Am nächsten Sonntag, 27. November, finden in Los Alcázares (Spanien) die Weltmeisterschaften über 100 Kilometer statt. Nominiert vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) sind auch drei Hessen: Antje Krause (USC Marburg), Florian Neuschwander (Spiridon Frankfurt) und Karsten Fischer (SSC Hanau-Rodenbach). Gestartet wird morgens um sieben Uhr. Neuschwander ist in der Sportszene mittlerweile bekannt wie ein „bunter Hund“, lässt auf Facebook Tausende Fans an seinem (Lauf-)Leben mit Postings, Videoclips und Live-Chats teilhaben. Auch Antje Krause war auf hlv.de natürlich schon mehrmals präsent. Aber Karsten Fischer? Der 32-Jährige läuft erst seit drei Jahren leistungsbezogen, war zuvor als Radrennfahrer aktiv. Im Interview mit hlv.de spricht er auch darüber, und über seinen Einstieg in die Ultramarathon-Szene.

Ist die WM-Vorbereitung planmäßig gelaufen?
"In den zurückliegenden etwas mehr als zwölf Wochen bin ich nur an vier Tagen überhaupt nicht gelaufen. An einem Tag hatte ich einfach keine Lust und habe den Regenerationslauf weggelassen. An den drei anderen hatte ich eine leichte Erkältung. Ich konnte allerdings alle Schlüsseleinheiten machen und habe im Prinzip nur „Füll-Kilometer“ verloren. Also: Alles im Plan."

Wie sieht bei dir eine typische Trainingswoche aus?
"Ich glaube, über meine Trainingsphilosophie könnten wir uns stundenlang unterhalten. Den typischen Wochenumfang gibt es bei mir nicht, da ich mich nicht an den Wochenrhythmus halte. Aber verallgemeinert sind enthalten: ein langer Lauf, der auch bis zu 70 Kilometer umfassen kann, eine variable Tempoeinheit mit Fartlek, Intervalltraining oder Tempodauerlauf, der Rest sind normale Dauerläufe und Regenerationsläufe, so dass ich insgesamt auf mehr als 200 Kilometer komme."

Wie viele Kilometer umfasste die längste Trainingsdistanz in der WM-Vorbereitung?
"Das waren 71 Kilometer als Testlauf beim Trainingslager der Deutschen Ultramarathon Vereinigung und des DLV im Taubertal."

Machst du zusätzliches Krafttraining oder semispezifisches Training wie Radfahren, Schwimmen und Inline-Skating?
"Nein. In der Regel laufe ich jeden Tag. Hinzu kommen gelegentlich Dehn- und Stabi-Übungen."


Karsten Fischer mit Trophäen (Foto: privat)

Du warst früher als Radamateur leistungssportlich aktiv: fünfmal Rheinland-Pfalz-Meister, einmal Saarlandmeister, Starts in der Rad-Bundesliga sowie bei Weltcuprennen - kommt diese „Vorgeschichte“ dem Ultramarathon zugute?
"Im Radsport ist eine solide Grundlagenausdauer von enormer Bedeutung, da bereits im U19-Juniorenbereich die Rennen bis zu 140 Kilometer lang sind. Was bedeutet, dass 17-Jährige bereits Wettkämpfe absolvieren, die mehr als dreieinhalb Stunden dauern. Diese Grundlagenausdauer kommt mir im Ultramarathon natürlich zugute. Hinzu kommt, dass im Radsport deutlich mehr taktische Fähigkeiten als beim Laufen benötigt werden."

Du bist mit einem sensationellen 100-Kilometer-Debüt in die Ultramarathon-Szene eingestiegen - Platz zwei nach langer Führung beim international renommierten Wettkampf in Biel (Schweiz). Und dies trotz erheblicher Magenprobleme. Welche Erkenntnisse hast du aus diesem Lauf gezogen?
"Dass ich deutlich weniger Kalorien zu mir nehmen muss als gedacht. In Biel fingen die Probleme bei etwa Kilometer 40 an. Ich musste zwangsweise die Kalorienaufnahme reduzieren, um überhaupt weiterlaufen zu können. Trotzdem ging es bis Kilometer 80 noch richtig gut. Bei der WM werde ich als Energiezufuhr vorwiegend mein selbstgemischtes Getränk - normales Maltodextrin mit etwas Salz - anstatt der vorgefertigten Sportgetränke und deutlich weniger Gels als in Biel verwenden."

Welche Erwartungen gibt es für die WM?
"Ich habe die gleichen Erwartung wie bei jedem wichtigen Wettkampf: Ich möchte unter den jeweiligen Bedingungen meine bestmögliche Leistung bringen. Ich werde nur auf mich schauen und komplett mein eigenes Rennen laufen. Egal, was die anderen machen. Wenn ich mit letzter Kraft ins Ziel laufe und weiß, dass ich alles gegeben habe, bin ich zufrieden. Völlig unabhängig von der Zeit."

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg!

(Das Interview führte Sascha Arndt)

 


22.11.2016