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Trauer um Eintracht-Legende Heinz Ulzheimer


Heinz Ulzheimer (Foto: 50 Jahre HLV)

Die hessische Leichtathletik trauert um einen ganz Großen. Heinz Ulzheimer, 1952 Bronzemedaillen-Gewinner über 800 und 4x400 Meter, ist am vergangenen Sonntag im Alter von 90 Jahren gestorben. Neun Tage vor seinem 91. Geburtstag und etwas mehr als einen Monat nach der Eisernen Hochzeit mit seiner Frau Margot, geborene Glöckner. Die beiden waren seit 1951 verheiratet, also 65 Jahre. Heinz Ulzheimer, dessen eigentlicher Vorname Heinrich Otto lautete, feierte seine Erfolge, zu denen auch der zweite Platz bei der EM 1954 in Bern zählte, als Mitglied von Eintracht Frankfurt. Begonnen hatte seine nationale Karriere direkt nach dem Zweiten Weltkrieg - von 1946 bis 1949 wurde Ulzheimer jeweils deutscher Meister über 800 Meter, 1947 und 1948 triumphierte er auch mit der 3x1.000-Meter-Staffel seines Klubs. 1953 holte er sich den Titel über 400 Meter Hürden, ein Jahr später wurde der Frankfurter erster deutscher Hallenmeister über 400 Meter.


Als er seine aktive Karriere 1954 beendete, standen zwölf Länderkämpfe mit 24 Rennen (1951 bis 1954) in seiner sportlichen Bilanz; er war mit dem Silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet worden (1952), ihm wurde der Rudolf-Harbig-Gedächtnispreis verliehen (1953) und er war Träger des Bundesverdienstkreuzes. Seine Bestzeiten: 47,6 Sekunden (400 Meter), 1:49,7 Minuten (800 Meter, 52,6 Sekunden (400 Meter Hürden). Ulzheimer war der erfolgreichste deutsche Mittelstreckenläufer des ersten Nachkriegsjahrzents - und er blieb seinem Verein, seiner Stadt und der Leichtathletik treu. Im Beruf stand er zunächst als KfZ-Meister und später bei der Frankfurter Stadtverwaltung in der Verantwortung; bei Eintracht Frankfurt arbeitete er ehrenamtlich als Leichtathletik-Abteilungsleiter, danach im Ehrenrat und im Wahlausschuss. Anfang der 90er Jahre begann Ulzheimer, Exponate für das Frankfurter Sportmuseum zu sammeln. In der Tribüne der Radrennbahn auf dem Stadiongelände entstand so eine wertvolle Sammlung zur Frankfurter Sportgeschichte, die er bis Anfang der 2000er Jahre selbst betreute. Viele Exponate, die heute im Museum von Eintracht Frankfurt zu sehen sind, darunter eine Olympiamedaille von Ulzheimer, sind durch das Engagement und die guten Kontakte von ihm vor dem Vergessen gerettet worden. Zudem war Ulzheimer viele Jahre im Vorstand der Schlappekicker-Aktion der „Frankfurter Rundschau“ für Sportler in Not.


Heinz Ulzheimer und seine Frau Margot 2006 in der Frankfurter Wintersporthalle (Foto: Seybold)

Eine Zäsur im Leben der Ulzheimers, seine Frau Margot (zunächst SG Höchst, später Eintracht Frankfurt) war 1950 übrigens zum deutschen 100-Meter-Titel gelaufen, brachte das Jahr 2006. Das Ehepaar zog von Frankfurt nach Bad Sooden-Allendorf, nach „Hessisch Sibirien“, wie er anfangs meinte. Dann lebte man sich schnell ein und fühlte sich wohl. In der Kurstadt wohnt Sohn Michael mit seiner Frau, den Enkeln und mittlerweile einer Urenkelin. Zur Verabschiedung in Frankfurt lud der damalige Bürgermeister Achim Vandreike in die neben der Commerzbank-Arena gelegene Wintersporthalle, wo zu Ehren von Ulzheimer eine Gedenktafel enthüllt wurde.

Berühmt im Nachkriegsdeutschland wurde der stets bescheidene und höfliche Frankfurter auch wegen eines Rennens über 1.000 Yards bei den US-Hallenmeisterschaften 1953 im Madison Square Garden von New York. Der junge Deutsche bezwang den Favoriten Donald Gehrman - und gewann. Von diesem Erlebnis hat er sein Leben lang geschwärmt. „Die Atmosphäre war beeindruckend. Nach dem Sieg war ich noch beim Auslaufen, als plötzlich die Nationalhymne gespielt wurde. Das war ein bewegender Augenblick.“

Uwe Martin

 


19.12.2016