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Lichtenthal: Modernisierer der Athletenbetreuung


Andrew Lichtenthal (Foto: Facebook)

Zu Beginn des neuen Olympiazyklus löst Andrew Lichtenthal den langjährigen Leitenden DLV-Verbandsarzt Dr. Helmut Schreiber aus Freiburg ab. Sein Vorgänger sah in ihm schon seit zwei Jahren seinen potenziellen Nachfolger und führte ihn an das Amt heran. „In dieser Form haben wir vor allem dieses Jahr eng zusammen gearbeitet“, sagt Lichtenthal. 2016 zählte der Oberarzt für Unfallchirurgie und Orthopädie im Hanauer St. Vinzenz-Krankenhaus zum medizinischen Betreuungsteam bei der EM in Amsterdam und den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. Für den HLV war Lichtenthal, Sohn einer Schottin, seit 2003 tätig, zuletzt als Leitender Verbandsarzt. Um sich auf die neue Herausforderung konzentrieren zu können, trat er im November zurück. Im Auftrag des DLV ist der 45-Jährige seit 2008 im Einsatz. Mit der Begleitung der U18- und U20-Nationalmannschaften hatte es angefangen, 2013 folgte bei der U23-EM die erste Athletenbetreuung bei einer internationalen Aktivenmeisterschaft. Zu seinen Projekten gehört der Ausbau einer zentralen Datenbank, die es ermöglicht, mobil und jeder Zeit auf die wichtigsten Informationen der Athleten zurückzugreifen, um eine optimale Versorgung zu gewährleisten. „Eines meiner Hauptthemen ist die Einrichtung eines Informatiksystems“, sagt Lichtenthal. Ein Schritt, der in enger Zusammenarbeit mit dem Leitenden DLV-Direktor Sport, Idriss Gonschinska, erfolgen wird.


Per Handy oder Laptop sollen individuelle Sportlerdaten über bisherige Verletzungen und behandelnde Personen zur Verfügung stehen. So kann das medizinische Team im Einzelfall, etwa bei internationalen Titelkämpfen, die Vorgeschichte einsehen und die medizinische Versorgung der Athleten optimieren. Hierbei sollen Erfahrungen anderer national Sportverbände genutzt werden. Die Informationen werden jedoch nur mit Zustimmung der Athleten gespeichert. Der Leitende Verbandsarzt führt, koordiniert und repräsentiert das medizinische Team. Die von Schreiber aufgebauten Strukturen will Lichtenthal weiter ausbauen: das Kompetenzteam und die Aufteilung der verschiedenen medizinischen Mannschaften (Ärzte und Physiotherapeuten) auf Meisterschaften, Disziplingruppen und Altersklassen.


Lichtenthal im Einsatz bei den Hanau Hornets (Foto: privat)

Generell unterscheidet der Chirurg zwei Aufgabenfelder nach ihren Zuständigkeiten: Die akute Therapie und die Betreuung zur unmittelbaren Vorbereitung auf die Wettkämpfe, sprich das Reagieren auf Probleme und deren Behandlung, liegt beim medizinischen Team. Das Gesundheitsmanagement zielt darauf ab, sich gar nicht erst oder möglichst selten zu verletzen, und kann nur im Teamwork erreicht werden. „Die Prophylaxe ist nicht unsere alleinige Aufgabe, sondern muss unter anderem zusammen mit Ernährungswissenschaftlern, Sportwissenschaftlern und Trainern erarbeitet werden“, sagt Lichtenthal.

Geht es um die konkrete sportmedizinische Behandlung, verfolgt er im Umgang mit Patienten eine empathische Medizin: „Ich versuche, den Athleten und seine Beschwerden ernst zu nehmen.“ Wichtig sind gemeinsam erarbeitete Pläne. Der Athlet muss wissen, in welche Richtung die Behandlung und der gemeinsame Weg geht. „Wenn es keine rote Linie gibt, können wir auch keine adäquaten Veränderungen erzielen.“

Als ehemaliger Leichtathlet, Lichtenthal war in der Jugend zweimal hessischer Hallenmeister im Hürdensprint, ist der Oberarzt mit der Sportart vertraut. Und auch mit der Verletzungspalette. Muskelfaserrisse, Sprunggelenks- und Knieverletzungen erfuhr der leidenschaftliche Staffelläufer (ehemaliger deutscher B-Jugend-Meister 4x100 Meter) am eigenen Körper. „Ich weiß, was es heißt, sich Bänder gerissen zu haben und operiert worden zu sein. Das kann ein Vorteil für die Behandlung meiner Patienten sein.“ Wobei er von 2005 bis 2010 auch eine andere Sportart medizinisch betreute: die Football-Mannschaft Hanau Hornets.

Quelle: leichtathletik.de/Pamela Ruprecht

 


22.12.2016