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Hallen-DM: Drei Medaillenchancen für den HLV


Lisa Mayer (Foto: Benjamin Heller)

Blicken wir in gebotener Kürze ein Jahr zurück. Seinerzeit waren für die deutschen Titelkämpfe in der Arena Leipzig 41 hessische Teilnehmer/innen aus zehn Vereinen gemeldet. Über eine Medaille freuten sich schließlich Lisa Mayer (Zweite über 200 Meter), Maryse Luzolo (Zweite im Weitsprung) und Ariane Friedrich (Dritte im Hochsprung). Im Gesamten wurde die Bilanz als durchwachsen bewertet. Was auch daran lag, dass Gesa Krause (mittlerweile Verein Silvesterlauf Trier) wegen einer Grippe ausfiel, Diana Sujew wegen Achillessehnenschmerzen; Hochspringer Martin Günther (jetzt VfB Stuttgart) hatte nicht gemeldet und Mittelstreckler Homiyu Tesfaye absolvierte nach seiner Knieoperation keine Hallensaison. Hinter den Medaillenplätzen gab es noch einen vierten, vier fünfte und drei sechste Ränge. Wenn sich nach dem nächsten Wochenende, wenn wiederum in Leipzig die 64. Hallen-Titelkämpfe stattfinden, eine ähnliche Bewertung auftun würde, wären sicher alle zufrieden. Doch das ist kaum möglich. Die Aussichten sind recht mau, von wenigen Ausnahmen abgesehen.


Warum das so ist? Ein Grund ist die komplette Hallen-Abstinenz vieler hessischer Topathleten. Etwa von Marc Reuther (Wiesbadener LV/800 Meter), auch die Sujew-Zwillinge sind unter dem Dach nicht über die Mittelstrecken am Start. Hochspringerin Mona Gottschämmer (LG Eintracht Frankfurt) verzichtet wegen des Abiturs auf die Hallensaison. Siebenkämpferin Carolin Schäfer ist nach einer schönen Weitsprung-Hallenbestleistung (6,12 Meter) zu Saisonbeginn bereits wieder im Vollzeittrainingsmodus.


Homiyu Tesfaye ist in Leipzig nicht am Start (Foto: Benjamin Heller)

Der 23 Jahre alte Tesfaye (LG Eintracht Frankfurt) machte seinem Ruf als freies Radikal mal wieder alle Ehre, als er Ende Januar in Erfurt über 1.500 Meter 3:42,49 Minuten erreichte und wenige Tage später in Düsseldorf 3:40,97 Minuten. Dann zog er sich wieder zurück. Wohin? Wahrscheinlich zurück in die Schweiz, der Wahlheimat seiner Lebenspartnerin und Trainerin Maryam Yusuf Jamal. Die 32-Jährige war früher eine Weltklasseläuferin über 1.500 Meter, wurde zweimal Weltmeisterin (2007, 2009) und olympische Silbermedaillengewinnerin (2012). Von dem Geld, das ihr das Königreich Bahrein einst für den Wechsel der Staatsbürgerschaft gezahlt hat - geboren wurde sie in Äthiopien als Zenebech Tola - soll dem Vernehmen nach noch so einiges übrig sein. Auch in Form von Immobilien. Man muss sich um das Auskommen des Paares Tesfaye/Jamal also keine Sorgen machen. Dennoch wäre es von Tesfaye keine schlechte Idee gewesen, bei den deutschen Meisterschaften Präsenz zu zeigen.

Beim Blick auf die Meldelisten summieren sich für Leipzig elf Frauen und zwölf Männer, die ein hessisches Trikot tragen. Feiner gefiltert, ergeben sich genau drei realistische Medaillenchancen: für Lisa Mayer (Sprintteam Wetzlar) über 60 Meter sowie Claudia Salman-Rath und Maryse Luzolo im Weitsprung. Mehr kann aus den erbrachten Vorleistungen in Richtung Podium beim besten Willen nicht interpretiert werden. Schneller als Lisa Mayer waren bislang Rebekka Haase (LV Erzgebirge/7,14), Gina Lückenkemper (LG Olympia Dortmund/7,19) sowie Alexandra Burghardt (MTG Mannheim/7,21). Hinter der Hessin (7,24) tummeln sich Chantal Butzek (LC Paderborn/7,25), Yasmin Kwadwo (7,26) und Nadine Gonska (7,36/beide MTG Mannheim). Die Ausgangslage ist also mehr oder weniger übersichtlich. Was bedeutet, dass die Medaillen über die Tagesform vergeben werden dürften.


Gianluca Puglisi und Trainer Jürgen Sammert (Benjamin Heller)

Ähnlich könnte es im Weitsprung der Frauen kommen. Hinter der deutschen Jahresbesten Salman-Rath (6,76 Meter) sind Titelverteidigerin Alexandra Wester (ASV Köln/6,71), Maryse Luzolo (Königsteiner LV/6,56), Melanie Bauschke (LAC Olympia Berlin /6,50), Nadja Käther (Hamburger SV/6,46) und Sosthene Moguenara (LAZ Saar 05/6,42) gelistet. Prognosen verbieten sich da eher, Lesen im Kaffeesatz ist eine schwierige Disziplin.

Und vielleicht schafft es ja Michael Pohl (Wiesbadener LV) ins 60-Meter-Finale, im Vorjahr verpasste der 6,76-Sprinter den Endlauf knapp. Und auch Lara Matheis (TSG Gießen-Wieseck) darf über 200 Meter eine Außenseiterchance zugeschrieben werden, den Endlauf zu erreichen. Schön wäre es, wenn Weitspringer Gianluca Puglisi (Königsteiner LV) sich in einem ähnlichen Leistungsfenster bewegen würde wie im Vorjahr bei seiner DM-Premiere mit Rang fünf.

Eurosport überträgt die Titelkämpfe am Samstag von 16.15 bis 18.30 Uhr, am Sonntag von 15.30 bis 17 Uhr.

Uwe Martin

 


16.02.2017