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Pohl und Matheis - zwei Überraschungen in Leipzig


Lara Matheis (Foto: IRIS)

Vielleicht gibt es im Sport ja doch so etwas wie späte Gerechtigkeit. Wie am vergangenen Samstag für Michael Pohl bei den deutschen Hallenmeisterschaften. Angereist mit einer persönlichen Bestzeit von 6,76 Sekunden, lieferte er in der Arena Leipzig über 60 Meter drei Hausrekorde ab: 6,73 Sekunden im Vorlauf und jeweils 6,69 Sekunden im Zwischenlauf und im Finale. Womit der Sprinter vom Wiesbadener LV den vierten Platz belegte. Im Endlauf machte ein Beuger zu, Pohl rettete sich ins Ziel, war überglücklich und endlich angekommen in der nationalen Sprintelite. Wirklich jung ist er nicht mehr, Jahrgang 1989, und es ist nach ganz vorne ein langer Weg gewesen. Was dann in Leipzig folgte, war eine sympathische, kurze Rede wie bei der Verleihung eines Filmpreises. Pohl dankte seinem Vater als Trainer, HLV-Coach David Corell als Unterstützer bei der Starttechnik und seinem „harten und guten Trainingspartner“ Florian Daum, der wegen einer Schultereckgelenksprengung verletzt passen musste.


Und die 6,69 Sekunden sind nicht irgendwie Zeit, 6,69 Sekunden bedeuten Hessenrekord, 15 Jahre nachdem Till Helmke 6,70 Sekunden gelaufen war. Helmke - heute im Ehrenamt HLV-Vizepräsident Jugend - gilt als einer der besten hessischen Sprinter aller Zeiten, und es ist eine denkwürdige Duplizität, dass am 25. Januar bekannt wurde, dass er nun Olympiavierter 2008 mit der deutschen 4x100-Meter-Staffel ist. Denn Nesta Carter wurde mit reichlich Verspätung des Dopings überführt, das siegreiche Jamaika-Quartett muss seine Goldmedaillen zurückgegeben.

Das Gefühl, etwas zurückgeben zu müssen, kennt Pohl in einem anderen Zusammenhang. Am 22. Mai 2016 war er bei einem Wettkampf in Flieden über 100 Meter in 10,24 Sekunden gestoppt worden - und dachte knapp zwei Wochen, dass er damit den 56 Jahre alten Hessenrekord des zweimaligen 1960er Olympiasiegers Armin Hary (FSV Frankfurt/handgestoppte 10,0) gebrochen hätte. Dann stellte sich heraus, dass die Zeitmessanlage vor Wettkampfbeginn nicht mit dem sogenannten Nullschuss überprüft worden war. Und aus den 10,24 Sekunden wurde ein gestrichenes Resultat. Der Wahl-Wiesbadener akzeptierte ohne Grummeln. „Ich möchte keine Zeit geschenkt bekommen.“ Nun hat er seinen Hessenrekord, einen anderen, vielleicht nicht ganz so gewichtigen. Aber er hat ihn. Und reichlich Rückenwind für den Sommer. „Michael, heute konntest du endlich zeigen, was du wirklich drauf hast und bist dort angekommen, wo du hin gehörst! Das hast du dir mehr als verdient! Ich freue mich darauf, im Sommer wieder mit dir die Bahnen der Republik unsicher zu machen“, postete sein Lauf-Kumpel Daum nach dem DM-Finale in Leipzig bei Facebook.


Michael Pohl im Duell mit dem deutschen Hallenmeister Aleixo Platini Menga (Foto: IRIS)

Was sie in Leipzig geleistet hatte, musste Lara Matheis von der TSG Gießen-Wieseck „erst einmal realisieren“. Es war ja in der Tat ein gewaltiger Leistungssprung, den die 24-jährige Sport- und Fitnesskauffrau in Leipzig auf die Bahn gebracht hatte. Am Samstag zunächst 7,34 Sekunden über 60 Meter (p.B.) und die etwas überraschende Endlaufteilnahme; am Sonntag folgten 23,19 Sekunden im 200-Meter-Vorlauf, womit sie den Hessenrekord (23,30) der Staffel-Olympiavierten Lisa Mayer aus den Listen löschte. Die Finalzeit der vom ehemaligen HLV-Präsidenten Elmar Knappik trainierten Mittelhessin: 23,22 Sekunden. Platz zwei. Angereist nach Leipzig war sie mit 23,84 Sekunden. Im vergangenen Jahr bei der DM, sagt Lara Matheis, habe sie eine „Blockade im Kopf“ gehabt. Und deshalb in diesem Winter frühzeitig Wettkämpfe mit starker Konkurrenz wahrgenommen. Und sich dadurch Selbstvertrauen geholt. Änderungen gab es auch im Training. So trainiert Lara Matheis zweimal pro Woche in Frankfurt gemeinsam mit Gianina Gartmann, zudem bevorzugt sie im Krafttraining mittlerweile freie Übungen und hat das Training an festen Geräten reduziert.

Dass Hessen neben Lisa Mayer recht schnell eine weitere deutsche Topsprinterin aufbieten kann, kam trotzdem ziemlich unerwartet. Und die Pläne von Lara Matheis für das Frühjahr stehen schon fest: Es werden zwei Trainingslager, in Spanien und in Italien; mit der Frankfurter Eintracht und ihrem Heimatverein. „Im Sommer will ich diese Zeiten bestätigen. Und natürlich steigen jetzt die Ansprüche“, sagt sie.

Uwe Martin

 


21.02.2017