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Salman-Rath als Medaillenkandidatin zur Hallen-EM


Claudia Salman-Rath bei der DM in Leipzig (Foto: Benjamin Heller)

Weit springen konnte sie schon immer. Doch nicht nur das. Wer in etwas verblichene hessische Bestenlisten schaut, entdeckt bei Claudia Salman-Rath noch andere Talente. Etwa im Jahr 2002, als die B-Jugendliche im Alter von 16 Jahren mit 5,69 Meter im Weitsprung gelistet ist, mit 5.049 Punkten im Siebenkampf und … 61,54 Sekunden über 400 Meter Hürden. Über die Langhürdenstrecke erreichte das Talent von der LG Dornburg den zweiten Platz bei den deutschen B-Jugendmeisterschaften. Ein Jahr später gewann sie den Titel in 61,15 Sekunden. Und erreichte im Weitsprung bereits 5,89 Meter. 2005 - die Westerwälderin war mittlerweile deutsche A-Jugendvizemeisterin im Siebenkampf - wirft die Statistik 6,08 Meter aus. Zwölf Monate danach waren es 6,13 Meter, 6,22 Meter im Jahr 2007 und dann 6,29 Meter (2008) - in jenem Jahr wurde sie deutsche Juniorenmeisterin im Siebenkampf. 2010, nun im Trikot der LG Eintracht Frankfurt, sprang sie 6,50 Meter weit und wurde mit 6.107 Punkten EM-Elfte im Siebenkampf.


Die internationale Mehrkampfkarriere der mittlerweile 30-jährigen Sportsoldatin kam in Schwung. Und der Weitsprung? Der erlebt in diesem Winter eine großartige Renaissance. Zum Saisonhöhepunkt ist die Hessin erstmals in einer Einzeldisziplin bei einem internationalen Großereignis dabei. Und gilt bei der Hallen-EM in Belgrad als Medaillenkandidatin.

Die Qualifikation beginnt am nächsten Samstag um 12 Uhr, und wenn Salman-Rath ähnlich gut in Form ist wie bei den deutschen Meisterschaften in Leipzig am vorvergangenen Sonntag, könnte durchaus ein Podestplatz möglich sein. Blick zurück in die Arena Leipzig. Mit traumwandlerischer Sicherheit traf die Olympiateilnehmerin im Siebenkampf (Platz 14 in Rio) das Brett, setzte sechs gültige Versuche in die Grube, was außer ihr bemerkenswerterweise nur zwei anderen Athletinnen im Trikot eines hessischen Klubs gelang: Xenia Stolz (Wiesbadener LV) und ihrer Trainingskollegin Maryse Luzolo (Königsteiner LV). Allerdings auf einem niedrigeren Niveau. Und Salman-Rath war unglaublich souverän. Ihre Serie: 6,47 - 6,57 - 6,49 - 6,62 - 6,60 - 6,72 Meter. Die Siegesweite lag nur knapp unter ihrem Hausrekord vom ISTAF Indoor, in Berlin war sie kurz zuvor sogar 6,76 Meter weit gesprungen, den Wettkampf gewann die Serbin Ivana Spanovic (6,87). Die Olympiadritte ist in ihrem Heimatland auch die Favoritin auf den EM-Titel. Auf der Website des Europäischen Leichtathletik-Verbandes (EAA) ist Spanovic im breitflächigen Panorama-Foto der Aufmacher.


Nastasia Lich, Claudia Salman-Rath und Nicola Herrlitz als deutsche Siebenkampf-Mannschaftsmeisterinnen 2010 (Foto: IRIS)

Die 26-jährige Olympiadritte, WM-Dritte und Hallen-WM-Zweite (7,07 Meter) dürfte aufgrund ihrer Saisonbestleistung von 6,96 Metern nur schwer zu schlagen sein. „Wahrscheinlich gewinnt sie den Wettkampf mit einer Weite von mehr als sieben Metern“, glaubt Salman-Rath. Und dahinter? Da scheint vieles möglich zu sein Sie ist die Nummer drei in Europa, weitengleich mit der Britin Lorraine Ugen, an zweiter Stelle wird mit Darja Klischina (6,78) jene Weitspringerin geführt, die bei den Rio-Spielen als einzige Leichtathletin für Russland an den Start gehen durfte. Weil sie vor dem Internationalen Sportgerichtshof (Cas) nachweisen konnte, dass sie seit Jahren in den USA lebt, trainiert und in das dortige Dopingkontrollsystem eingebunden ist. Klischinas Sonderstartrecht im Kontext des russischen Staatsdopings mit dem Wettkampfbannstrahl gilt weiterhin. Platz fünf der europäischen Hallen-Bestenliste nimmt übrigens Alexandra Wester (ASV Köln/6,71) ein, die dritte deutsche Hallen-EM-Teilnehmerin ist Luzolo (6,56).


Claudia Salman-Rath im Jahr 2002 (Foto-Repro: Klemens Schlimm)

„Ich fühle mich gut und freue mich auf den Wettkampf“, sagt Salman-Rath. Womöglich müsse man für eine Medaille aber 6,80 Meter springen. Die Qualifikation zu überstehen und damit im Finale am Sonntag dabei zu sein, ist ihr Minimalziel. Sicher scheint: Hinter Spanovic dürfte sich ein enger Wettkampf entwickeln. Gut, dass Salman-Rath den Spaß am Hochleistungssport wiedergefunden hat. Spaß, der ihr im vergangenen Sommer aufgrund von zwei Muskelfaserrissen ziemlich abhanden gekommen war. Mittlerweile, nach knapp zwei Monaten Weitsprung-Hallensaison, vermisst sie aber den Mehrkampf bzw. das Training hierfür. Vor ein paar Wochen hat sie sogar wieder Lust aufs Hochspringen verspürt, eine Disziplin, die sie im zurückliegenden Sommer „verflucht“ habe. Doch noch liegt ihr Fokus auf dem Vertikalsprung in den Sand. Motivation in der Trainingsgruppe von Jürgen Sammert gaben zudem jüngere Nachwuchsathleten wie der DM-Zweite Gianluca Puglisi (Königsteiner LV/7,71) und eben Luzolo. „Ich finde es total cool, dass auch sie in Belgrad dabei ist“, sagt Salman-Rath.

Uwe Martin

 


01.03.2017