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Lisa Tertsch ist zurück auf der Hindernisstrecke


Lisa Tertsch im Trikot der Harvard University (Foto: Screenshot, privat)

Lange nichts gehört von Lisa Tertsch. Sehr lange. Vor knapp zwei Jahren stand auf hlv.de eine große Geschichte über sie zu lesen, unmittelbar vor den deutschen U18-Jugendmeisterschaften. Bei den Titelkämpfen in Jena gewann die Südhessin dann zweimal Silber, zunächst über 3.000 Meter in 9:59,08 Minuten, einen Tag später über 1.500 Meter Hindernis mit hessischem U18-Rekord (4:52,81). Anschließend geriet Lisa Tertsch aus dem leichtathletischen Blickfeld, sie widmete sich dem Triathlon und krönte ihre junge Karriere im vergangenen Sommer mit Platz zwei bei der Junioren-WM. Die Distanzen: 750 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren, 5 Kilometer Laufen. Dann gelangte vor einigen Tagen eine Nachricht aus den USA nach Deutschland, genauer ins heimatliche Südhessen: Lisa Tertsch war bei den „Stanford Cardinal Classic“, die am 21./22. April stattfanden, die 3.000 Meter Hindernis in 10:22,76 Minuten gelaufen. Mit dieser Zeit wurde sie in einem internationalen Feld Achte, doch die viel wichtigere Botschaft war: Die Athletin vom ASC Darmstadt hatte in ihrem Freiluftwettkampf die Norm für die U20-EM in Grosseto (Italien/20. bis 23. Juli) unterboten. Um dreizehn Sekunden. Und mit ihrer Zeit nimmt sie in der sogenannten ewigen hessischen Bestenliste der Frauen den fünften Platz ein. Hinter Gesa Krause (9:18,41/2016), Simret Restle (beide LG Eintracht Frankfurt/10:06,61/2008), Ronja Böhrer (SSC Bad Sooden-Allendorf/10:12,33/2015) und Jana Hirschhäuser (ASC Breidenbach/10:22,69/2010).

18 Jahre alt ist sie jetzt, und seit dem zurückliegenden Herbst Studentin an der renommierten Harvard University im US-Bundesstaat Massachusetts, wo auch Barack Obama und Mark Zuckerberg studiert haben. Lisa Tertsch hat ein Stipendium erhalten, ist Mitglied des Harvard-Leichtathletik-Teams, zuständig für ihr Training ist der „Head Coach Cross Country“, Patrick Wales-Dinan. Die junge Hessin hat die Trainingsumfänge gesteigert, zwischenzeitlich einen Ermüdungsbruch im Fersenbein auskuriert, statt 20,30 Kilometer pro Woche sind es jetzt bis zu 90 Kilometer. Verbunden mit verschärften Intensitäten. Die Gruppe von Wales-Dinan umfasst fünfzehn studentische Leichtathletinnen, darunter eine Athletin mit einer 10.000-Meter-Bestzeit von 32:15 Minuten.


Das Sportprofil von Lisa Tertsch auf der Harvard-Website (Foto: Sreenshot HLV)

„Lisa ist belastbar und hat eine gute Basis. Aber es ist und bleibt eine Gratwanderung“, sagt Michael Heist. Der WM- und EM-Teilnehmer über 3.000 Meter Hindernis (persönliche Bestzeit 8:24,97 Minuten) hat Lisa Tertsch in ihrem Heimatverein ASC Darmstadt einst gemeinsam mit Harald Schröter trainiert. Schröter zog sich kürzlich aus beruflichen und gesundheitlichen Gründen von der Aufbauarbeit in dem Traditionsklub zurückgezogen, Heist ist mittlerweile als „väterlicher Berater aus der Ferne“ aktiv. Er wohnt Darmstadt-Eberstadt etwa 400 Meter entfernt vom Elternhaus der ehrgeizigen Athletin. Der Kontakt läuft per E-Mail und per Skype, Heist ist also immer auf dem neuesten Stand. „Die Zeit ist zum Einstieg sensationell“, sagt er. „Und es ist nach oben noch einige Luft.“ Lisa Tertsch, die bei ihrem Hindernis-Debüt vor zwei Jahren die 2.000-Meter-Strecke unter sieben Minuten zurücklegte, hat sich ihre Überquerungstechnik der Hindernisse verfeinert, die Technik am Wassergraben bezeichnet Heist als „verbesserungsfähig“. Anders gesagt: Lisa Tertsch landet noch immer beidbeinig im Wasser und läuft praktisch bei null weiter. Aber sie ist wieder im Rennen … und bei Bundestrainer Enrico Aßmus (Erfurt) für internationale Wettkämpfe im Fokus.

Uwe Martin

 


02.05.2017