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Harald Schmid: Hessens erfolgreichster Leichtathlet feiert 60. Geburtstag


Harald Schmid übernimmt bei der EM 1986 den Staffelstab von Edgar Itt (Foto: 50 Jahre HLV)

Das Wort wird seit geraumer Zeit inflationär verwendet, bei Harald Schmid ist es ohne jede Einschränkung angebracht. Wenn nicht bei ihm, bei wem dann? Legende! Hierfür reicht ein Statistik-Blick auf seine Erfolge, die ihn mit weitem Abstand zum erfolgsreichsten hessischen Leichtathleten machen: Dreimal Europameister über 400 Meter Hürden (1978, 1982, 1986), zweimal mit der 4x400-Meter-Staffel (1978, 1982); zudem zwei Silber- und drei Bronzemedaillen bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften. Schmid wurde 1979 und 1987 zum Sportler des Jahres gewählt, mit dem Silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet (1976), mit der Sportplakette des Landes Hessen (1976), mit dem Rudolf-Harbig-Preis (1987) und dem HLV-Preis (1987). Schmid, in Hanau geboren und während seiner langen Karriere immer im Trikot des TV Gelnhausen am Start, war in den späten siebziger und in den achtziger Jahren der deutsche Vorzeige-Leichtathlet: sportlich herausragend, obgleich er nie Olympiasieger und Weltmeister wurde und keinen Weltrekord lief; zuverlässig wie ein Uhrwerk (keine Saison ohne Medaillengewinn!), für die Medien nicht immer bequem, aber authentisch. Nicht zuletzt dürfte er ein physiologisches Phänomen gewesen sein. Am Freitag, 29. September, feiert Harald Schmid seinen 60. Geburtstag und der Hessische Leichtathletik-Verband gratuliert sehr herzlich.


Harald Schmid zu Beginn seiner Karriere (Foto: Helmut Schaake)

Wer wissen möchte, wie die Leichtathletik vor 30 Jahren begeisterte und warum sie sie Millionen Deutsche nicht als Unterhaltungs-, sondern als sportliches Pflichtprogramm vor die Röhrenfernseher lockte, sollte sich auf Youtube das 400-Meter-Hürden-Finale der WM von Rom ansehen. Dieses Rennen bildete den Schlusspunkt des Nichtverhältnisses zwischen dem Naturburschen Schmid und dem amerikanischen Weltrekordhalter Edwin Moses (47,02). Dritter im Bunde war Danny Harris (USA). Das Herzschlagfinale ist allen Älteren vielleicht noch im Gedächtnis: Moses gewann in 47,46 Sekunden, dann folgten Harris und Schmid in jeweils 47,48 Sekunden - der Hesse egalisierte damit seinen fünf Jahre alten Europarekord von Athen. Als Moses seine Karriere beendete, hatte er eine unglaubliche Serie von 122 Rennen ohne Niederlage in den Jahren 1977 bis 1987 hingelegt; letzter Seriensieger-Bezwinger war Schmid beim Berliner ISTAF 1977 gewesen. Ansonsten stand Moses dem Hessen immer vor der Sonne, stark gebräunt war der Naturbursche aus dem Main-Kinzig-Kreis in seinen besten Jahren trotzdem. Wobei die Legende behauptet, dass Moses einfach nicht an den Start gegangen ist, wenn er nicht in Form war. So lassen sich Niederlagen eben auch verhindern.


Der deutsche Rekord von Harald Schmid über 400 Meter Hürden steht noch immer (Foto: 50 Jahre HLV)

Die Karriere von Schmid endete 1990 kurz vor den deutschen Meisterschaften in Düsseldorf. Ausschlaggebend war die Erkenntnis, dass er Schwierigkeiten hatte, die 50-Sekunden-Marke zu unterbieten. Als bestes Resultat in jenem Jahr werden 50,22 Sekunden gelistet. Als er im Rahmen der DM von DLV-Präsident Helmut Meyer aus der Nationalmannschaft verabschiedet wurde, hatte Schmid 42 Mal das deutsche Trikot getragen und sich einen untadeligen Ruf erarbeitet. Und seine persönlichen Bestzeiten stellen für alle Generationen in Hessen und Deutschland weiterhin Herausforderungen allererster Güte dar: 100 Meter in 10,3 Sekunden (1978), 200 Meter in 20,68 Sekunden (1987), 400 Meter in 44,92 Sekunden (1979), 800 Meter in 1:44,83 (1987), 400 Meter Hürden in bereits erwähnten 47,48 Sekunden (1982/1987). Zu den Glanzleistungen von Schmid, die bis heute unerklärlich sind, gehören seine zwei Rennen beim Europacup 1979 in Turin. Zunächst gewann er die 400 Meter Hürden (47,85/Europarekord), 65 Minuten später die 400 Meter (45,31). Wie das ging? „Anormal hohe Erholungswerte“, konstatierte der renommierte Sportmediziner Wildor Hollmann. Ohne Schmids Doppelschlag damit wirklich erklären zu können. „Sonne heilt“, titelte das Nachmagazin „Der Spiegel“ damals einen Beitrag über den 21-jährigen Schmid. Sein Stehvermögen habe er sich mit Training („wie ein Tier“) über Distanzen von 600 bis 1.000 Meter geholt. Der Vollständigkeit halber seien zwölf deutsche Titel über 400 Meter Hürden und eine Meisterschaft über 400 Meter erwähnt (1979).


Harald Schmid, wie so oft vorneweg (Foto: 50 Jahre HLV)

Schmid hat mit der ehemaligen polnischen Weltklasse-Hürdensprinterin Elzbieta Rabsztyn zwei Kinder, Tochter Bianca und Sohn Alexander waren beide in der Leichtathletik aktiv und unterschiedlich erfolgreich. Auch beruflich hat Schmid strenge Konsequenz gezeigt und eine respektable Karriere vorzuweisen. Nach seiner Ausbildung zum Verwaltungsinspektor bei der Stadt Gelnhausen studierte er Diplomsport in Mainz und wurde 1997 zum Doktor der Sportwissenschaft promoviert. „Kinder stark machen", die bundesweite Kampagne zur Suchtprävention der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, ist seit 1994 zu einer Art Lebensaufgabe für Schmid geworden.

Auf der Website www.harald-schmid.com ist zu finden, was der Jubilar sonst so macht. Unter der Überschrift Galenos (health + performance) sind die Themenrubriken Stressmanagement, Laufen, Work-Life-Balance, Gesunder Rücken, Barfußlaufen, Jedes Ziel erreichen, Gemeinsam sind wir stark und Conflict Resolution zu finden.

Uwe Martin

 


28.09.2017